Hydriertes Pflanzenöl

Audi gibt aktuelle 6-Zylinder-Motoren für HVO frei

Audis mit V6-Dieselmotoren bis 286 PS - ab BJ 2/2022 - können mit Hydriertem Pflanzenöl nach der europäischen Norm EN 15940 betankt werden.

Die deutsche Premiumautomarke Audi hat viele seiner aktuellen 6-Zylinder-Diesel für Hydriertes Pflanzenöl (HVO) freigegeben.

„Erneuerbare Kraftstoffe, sogenannte reFuels, bieten die Möglichkeit, Verbrennungsmotoren klimafreundlicher zu betreiben. Sie sind ein probates Mittel zur Defossilisierung - sowohl kurzfristig als auch nach 2033, wenn in Europa der letzte Audi mit Verbrennungsmotor das Band verlassen wird“, begründete Oliver Hoffmann, Vorstand für Technische Entwicklung bei der Audi AG, die Motorenfreigabe für HVO.

Modelle mit V6-Dieselmotoren bis einschließlich 286 PS, die seit Mitte Februar ausgeliefert werden, können Audi zufolge HVO-Kraftstoff nach der europäischen Norm EN 15940 tanken - darunter die Baureihen A4, A5, A6, A7, A8, Q5, Q7 und Q8. Mit dem nachhaltigen Kraftstoff ließen sich 70 % bis 95 % CO2 im Vergleich zu fossilem Diesel einsparen, heißt es seitens der Ingolstädter Volkswagen-Tochter.

Ein weiterer Vorteil von HVO sei seine deutlich höhere Cetanzahl, die für eine effizientere und sauberere Verbrennung gegenüber herkömmlichem Diesel sorge.

HVO-Diesel ist in Europa laut Audi bereits an mehr als 600 Tankstellen verfügbar - die meisten davon in Skandinavien, wo die Umweltauflagen besonders hoch sind. In Deutschland gibt es derzeit erst vereinzelte Tankstellen, die HVO anbieten. Das liegt nach Einschätzung von Audi daran, dass die Kraftstoffnorm EN 15940 hierzulande noch nicht in der Verordnung über die Beschaffenheit und die Auszeichnung der Qualitäten von Kraft- und Brennstoffen aufgeführt ist - anders als in fast allen anderen EU-Ländern.

Raps muss Versorgungsrolle übernehmen

Für die Herstellung von HVO werden bekanntlich Rest- und Abfallstoffe verwendet, wie etwa Altspeiseöl aus der Lebensmittelindustrie. Unter Einbindung von Wasserstoff erfolgt die Umwandlung der Öle in kettenförmige Kohlenwasserstoffe. Damit werden die Pflanzenöle in ihren Eigenschaften für den Einsatz in Dieselmotoren angepasst. Sie können dem herkömmlichen Diesel beigemischt werden und so fossile Anteile ersetzen oder aber zu 100 % als Reinkraftstoff genutzt werden.

Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) gibt in diesem Zusammenhang jedoch zu bedenken, dass die Verfügbarkeit von gebrauchten Ölen und Fetten beschränkt ist und mit den zukünftig in der EU geltenden Quotenverpflichtungen für Biokerosin konkurriert. Insofern wird aus Sicht der UFOP in der EU produzierter und nachhaltig zertifizierter Raps als „Öl- und wichtige Proteinquelle“ eine Versorgungsrolle übernehmen müssen, denn Palmöl als bisher wichtigste Ressource für HVO-Anlagen entfalle vorzeitig in vielen Mitgliedstaaten.

Bekanntlich sieht die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) das Auslaufen von Palmöl bis 2030 vor. In Frankreich, Belgien und Schweden sind palmölbasierte Kraftstoffe aber bereits jetzt und in Deutschland ab 2023 nicht mehr auf die Quotenverpflichtungen anrechenbar.


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