Bioenergie

Bundesministerien legen Eckpunkte für eine Nationale Biomassestrategie vor

Die Ministerien für Umwelt, Landwirtschaft und Klimaschutz streben eine nachhaltige Biomassenutzung an. Die Eckpunkte sind eine Diskussionsgrundlage für die Strategie, die 2023 verabschiedet wird.

Die Bundesregierung will eine Grundlage für die nachhaltige Nutzung von Biomasse aus der Wald-, Landwirt- und Abfallwirtschaft schaffen. Dazu haben das Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium, das Bundeslandwirtschaftsministerium und das Bundesumweltministerium am 6. Oktober die lang erwarteten Eckpunkte vorgelegt, um in Deutschland eine nachhaltige Biomasseerzeugung und -nutzung sicherzustellen. Sie soll sich konsequent an den Klima-, Umwelt- und Biodiversitäts-Zielen orientieren.

Das nachhaltig verfügbare Biomassepotenzial, der Erhalt natürlicher Ökosysteme und der Vorrang der Ernährungssicherheit bilden dabei den Handlungsrahmen. Auf Basis dieser Eckpunkte soll die Strategie im Dialog mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erarbeitet und im kommenden Jahr verabschiedet werden. Damit setzt die Bundesregierung einen weiteren Auftrag aus dem Koalitionsvertrag um. Sie ist nach Angabe der Ministerien darauf ausgerichtet, mittel- und langfristig Perspektiven für die Nutzung von Biomasse aufzuzeigen. Fragen der kurzfristigen Rolle der Bioenergie im Kontext der Energieversorgungssicherheit stehen nicht im Fokus der Strategie.

Habeck: „Biomasse nicht per se klimafreundlich“

„Biomasse – also z. B. Holz, Energiepflanzen oder organische Abfälle – ist eine sehr gefragte und auch heimische Ressource. Auch wenn sie natürlichen Ursprungs ist und ein erneuerbarer Rohstoff ist: ihr Einsatz ist nicht per se klima- und umweltfreundlich“, sagt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Zudem sei Biomasse nur begrenzt verfügbar. Daher seien Regeln für einen nachhaltigen Umgang nötig. „Die Biomassestrategie soll sicherstellen, dass Biomasse zukünftig nur noch in nachhaltig verfügbaren Mengen, gezielter für den Klimaschutz und die Transformation unserer Wirtschaft in Richtung Treibhausgasneutralität eingesetzt wird“, erklärt der Minister. In der EU würde die Bundesregierung mit der Strategie ein Beispiel liefern, wie sich europäische Klimaschutz- und Umweltziele am besten gemeinsam erreichen ließen.

Özdemir: „Biomasse systemdienlich einsetzen“

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir ergänzt: „ Die Getreide- und Ölsaatenerzeugung auf dem Acker, die Tierhaltung und Grünlandnutzung, das Holz aus der Forstwirtschaft sind elementare Produktionsbereiche der Biomassenutzung und ein zentrales Standbein für unsere Land- und Forstwirtschaft und unsere ländlichen Räume.“ Allerdings habe der Ukrainekrieg weitreichende Folgen auf die weltweite Ernährungssicherheit und sorge für eine zunehmende Konkurrenz um knappe Rohstoffe. Darum sei eine verantwortungsvolle und vorausschauende Nutzung der natürlichen Ressourcen wichtiger denn je. „Darum ist die Nationale Biomassestrategie ein wichtiges Instrument, um nachhaltig erzeugte Biomasse gezielt und systemdienlich nutzbar zu machen und ihre Potenziale zu sichern“, betont der Minister.

Wie Bundesumweltministerin Steffi Lemke deutlich macht, ist es das Ziel der Nationalen Biomassestrategie zu ermitteln, wie viel nachhaltig gewonnene und erzeugte Biomasse zur Verfügung steht, und diese innerhalb der ökologischen Grenzen zu nutzen. „Um einen messbaren und nachhaltigen Beitrag zu Klima- und Biodiversitätsschutz zu leisten, muss genau abgewogen werden, wofür die knapp bemessene Ressource Biomasse verwendet werden soll“, sagt sie. Sie plädiert für eine effiziente Kaskadennutzung: Hochwertige Stoffe müssten nachhaltig genutzt werden, im Fall von Holz z.B. für die Herstellung von Baustoffen oder Möbeln. Gleichzeitig führe der Schutz von Ökosystemen, die natürlicherweise CO2 speichern, zu einem messbaren Beitrag für den Klimaschutz und zum Erhalt der Biodiversität, d.h. es kann unter Umständen sinnvoll sein, Holz im Wald zu belassen.“

Nachfrage nach Biomasse steigt

Agrar- und Forst-Biomasse wird in Deutschland bereits in vielen Bereichen eingesetzt – auch um Deutschlands Klimaziele zu erfüllen. Dazu zählen zum Beispiel Gülle für die Biogas- und damit Energieproduktion und Holz für die Baubranche. In Zukunft wird die Nachfrage nach Biomasse steigen, erwarten die Ministerien. Mit der Strategie soll dem erhöhten Nutzungsdruck – etwa auf Naturschutzflächen- und der Konkurrenz um Flächen, etwa zur Lebensmittelerzeugung, begegnet werden. Auch die im novellierten Bundes-Klimaschutzgesetz verankerte Stärkung der Klimaschutzfunktion natürlicher Ökosysteme wie Wälder und Moore soll mit der Strategie erreicht werden. In diesem Sinne sei die Nationale Biomassestrategie auch Teil der notwendigen agrar-ökologischen Transformation, betonen die drei grün geführten Ministerien.

Link zu den Eckpunkten: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/nabis-eckpunktepapier-nationale-biomassestrategie.html


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