Biokraftstoffe

Bundesregierung soll Kraftstoffmix nachhaltiger gestalten

Auf dem internationalen Fachkongress für erneuerbare Mobilität parallel zur Grünen Woche in Berlin steht die neue europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) im Fokus der Diskussionen.

Mehr als 550 Teilnehmer aus mehr als 30 Nationen sind der Einladung von fünf Verbänden der deutschen Biokraftstoffwirtschaft gefolgt, um sich auf dem internationalen Fachkongress „Kraftstoffe der Zukunft“ am 21./22. Januar 2019 in Berlin über Marktentwicklungen, technologische Innovationen und die Zukunft der erneuerbaren Mobilität zu informieren. Der 16. Fachkongress wird veranstaltet vom Bundesverband Bioenergie e.V. (BBE), der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) , dem Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), dem Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie e.V. (VDB) und dem Fachverband Biogas e.V. (FvB). Wichtigstes Thema auf dem Kongress 2019: Die neue europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II). Sie soll der Mindestanteil erneuerbarer Energien im Verkehr von zehn im Jahr 2020 auf 14 Prozent im Jahr 2030 ansteigen. Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse dürfen hierzu einen Beitrag von bis zu sieben Prozent leisten.

Aus Sicht der Veranstalter des internationalen Fachkongresses muss die Bundesregierung jetzt zügig Maßnahmen ergreifen, um das Klimaschutzpotenzial zertifiziert nachhaltiger und in Europa hergestellter Biokraftstoffe durch deutlich höhere Anteile im Kraftstoffmix auszuschöpfen. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland durch den Einsatz dieser Biokraftstoffe 7,7 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente eingespart. Die Veranstalter fordern daher, die zur Verringerung der CO2-Emissionen von Kraftstoffen in Deutschland bestehende Treibhausgasminderungsquote zeitnah anzuheben und bis zum Jahr 2030 auf 16 Prozent zu steigern.

RED II nicht ausreichend für mehr Klimaschutz im Verkehr

Kern der RED II ist das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 32 Prozent und im Verkehrssektor auf 14 Prozent bis zum Jahr 2030 zu steigern. Die EU-Kommission soll diese Zielvorgaben im Jahr 2023 überprüfen. Das jeweilige nationale Engagement wird bis dahin anhand der Energie- und Klimapläne der Mitgliedstaaten ablesbar sein, die spätestens Ende 2019 der EU Kommission vorzulegen sind. Um das in Deutschland postulierte Ziel für den Verkehrssektor gemäß Klimaschutzplan im Jahr 2030 zu erreichen, werden die Vorgaben der RED II laut Energiereferenzprognose voraussichtlich nicht genügen: Sogar mit 6 Mio. zugelassenen Elektro-Fahrzeugen und mehr Energieeffizienz ist im Jahr 2030 ein erneuerbare Energien-Anteil von 20 Prozent im Kraftstoffbereich erforderlich, um die vorgegebene Minderung der Treibhausgasemissionen tatsächlich zu erzielen. Die Veranstalter schlagen deshalb vor, den Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor pro Jahr um einen Prozentpunkt zu erhöhen, um im Jahr 2030 auf 20 % zu kommen.

Treibhausgasminderungsquote ist effizientes Instrument

Biokraftstoffe leisten aktuell den größten Beitrag zur Einsparung von CO2 im Verkehrssektor, insbesondere durch stetige Verbesserung ihrer Treibhausgasbilanz. Die durchschnittliche Einsparung an Treibhausgasemissionen der in Deutschland in Verkehr gebrachten Biokraftstoffe betrug im Jahr 2017 rund 81 Prozent (Vorjahr: 77 Prozent) im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen. Durch den Einsatz dieser zertifiziert nachhaltigen Biokraftstoffe wurden 7,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden. Die Effizienzsteigerung führt jedoch zu einem sinkenden Volumen von Biokraftstoffen in Diesel und Benzin, weil die derzeit geltende Treibhausgasminderungspflicht nicht streng genug ist. Sie muss daher nach Ansicht der Verbände zeitnah angehoben werden. Durch eine sachgerechte Quotenerhöhung können das bestehende nachhaltige Biomassepotenzial ausgeschöpft sowie neue innovative Alternativen in ihrer Breite gefördert werden. Die Veranstalter schlagen deshalb eine Anhebung der THG-Minderungsquote ab 2021 auf 7 Prozent und eine stufenweise Erhöhung bis 2030 auf 16 Prozent vor. Für die weitere Reduktion von CO2-Emissionen im Verkehr sind die marktetablierten und bezahlbaren Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse und Rest- und Abfallstoffen, neben der Effizienzsteigerung von Motoren, alternativen Antriebstechnologien sowie der Optimierung von Verkehrsinfrastrukturen, der wichtigste Baustein.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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