EU-Parlament zu RED III

Primäre Forstbiomasse soll nicht förderfähig und keine Erneuerbare Energie sein

Laut EU-Parlament soll Primäre Forstbiomasse nicht mehr förderfähig sein und vorerst nur noch auf dem durchschnittlichen Niveau von 2017-2022 auf die Erneuerbaren-Ziele angerechnet werden dürfen.

Das EU-Parlament stimmte - wie berichtet - am 14. September im Zuge der Erneuerbaren Energie Richtlinie (RED III) für ein höheres Ausbauziel für erneuerbare Energien. Sie sollen bis 2030 in der EU 45 % des Energiebedarfs decken.

Das Parlament will außerdem eine neue Unterscheidung von “primärer und sekundärer Forstbiomasse” einführen. Primäre Forstbiomasse soll demnach nicht mehr förderfähig sein und vorerst nur noch auf dem durchschnittlichen Niveau von 2017-2022 auf die Erneuerbaren-Ziele angerechnet werden dürfen.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien erklärt dazu, dass nach einer Folgenabschätzung ein Abschmelzen („Phase Down“) der Anrechenbarkeit auf erneuerbare Energien bis 2030 folgen soll. Zudem soll es eine Pflicht für eine Kaskadennutzung für Holz und Bewirtschaftungsvorgaben für den Wald geben.

BEE fordert Nachbesserung

Der BEE hält diese Ansätze für kontraproduktiv. Im Wärmesektor würde Holz mehr als Dreiviertel der erneuerbaren Energien ausmachen, über alle Sektoren hinweg immerhin 35 %. Damit sei es der wichtigste erneuerbare Energieträger. Für Energiewende, Klimaschutz und mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen sei es daher nötig, den Umstieg von fossilen Energieträgern auf Holz weiter zu fördern.

„Selbstverständlich“ dürfe auch kein CO2-Preis auf Holz fällig werden. Die Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission müssten das Votum des Parlaments an diesen Stellen nun „nachbessern“, so der BBE.

Kaniber ist fassungslos

Frau

Michaela Kaniber zeigt sich enttäuscht vom Abstimmungsergebnis (Bildquelle: StMELF )

Entsetzt zeigt sich Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber: „Wir stecken in der schlimmsten Energiekrise der europäischen Nachkriegs-Geschichte. Da macht es mich fassungslos, dass das EU-Parlament Waldholz künftig nicht mehr als erneuerbare Energie anerkennen will."

Wer Holz als Rohstoff ausbremst, befinde sich in Sachen Energiesicherheit, Wirtschaft und Klimaschutz auf dem absoluten Holzweg, sagte sie. "Wollen wir nach Kernkraft, Kohle und Gas jetzt auch noch auf Holz als Rohstoff verzichten, obwohl der nachhaltig und klimaneutral ist? Die Entscheidung des EU-Parlaments ist nicht nur eine Entscheidung gegen die Menschen, sondern auch gegen Natur und Klimaschutz.“

Denn es gehe nicht um wertvolles Bauholz, mit dem geheizt werden soll. Sondern um Holz aus der Waldpflege oder um Schadhölzer, die für andere Zwecke kaum verwertbar sind. Wenn dieses Holz nicht energetisch genutzt werden könne, dann verrottet es im Wald.

"Dabei wird genau die gleiche Menge Kohlendioxid freigesetzt. Aber die Wärme muss dann woanders herkommen. Für jeden Kubikmeter Brennholz müssen mindestens 150 Liter Heizöl verbrannt werden – oder 150 Kubikmeter Erdgas. Schon das ist schlecht fürs Klima. Und wenn unsere Wälder nicht mehr gepflegt und zukunftsfähig umgebaut werden, dann ist das erst recht schlecht fürs Klima", so Kaniber.

Freie Wähler votierten dagegen

Müller

Ulrike Müller im Gespräch (Bildquelle: Pressebild)

Ulrike Müller von den Freien Wählern stellt in diesem Zusammenhang klar, dass das Europaparlament keineswegs fordert, dass kein Holz mehr verbrannt werden dürfe. Es gehe vielmehr um die Abschaffung der Förderfähigkeit als erneuerbare Energie, sowie um die deutliche Einschränkung der Anrechenbarkeit von Energie aus Forstbiomasse auf die Ausbauziele für erneuerbare Energien.

“Wir Freie Wähler haben gegen diese Vorschläge gestimmt”, erläutert Müller. “Und wir hätten uns gewünscht, dass uns auch noch weitere bayrische EU-Abgeordnete in dieser Position unterstützt hätten.”

Müller bezeichnet das Paket als “schlechten Kompromiss”, weil diese neue Definition Holz aus der Durchforstung einschließt. Vieles davon sei aber kommerziell nicht anders verwertbar als für die energetische Nutzung.

Österreicher sauer: Holzenergie ins Abseits gestellt

Mann

Josef Moosbrugger hat den Eindruck, dass im EU-Parlement zunehmend Ideologie anstatt Fakten die Politik bestimmen. (Bildquelle: IMAGO / SEPA.Media)

Die Pläne des EU-Parlaments im Rahmen der Richtlinie sind faktenbefreit, verantwortungslos und vollkommen unverständlich in Zeiten von Energiekrise und Klimaverschlechterung. Mit diesen drastischen Worten reagiert Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Vorarlberg und Österreich auf den Beschluss.

"Atomstrom grünzuwaschen und Holzenergie immer mehr abzudrehen, entbehrt jeglicher Vernunft. Davor warnen wir seit langem mit Nachdruck. Wir müssen vielmehr raus aus der fossilen Sackgasse, rein in Erneuerbare- und das mit deutlich mehr Tempo", sagte Josef Moosbrugger in Feldkirch.

Es wachse nachweislich mehr Holz nach, als verwendet wird. "Wir benötigen Bio- bzw. Holzenergie, die europaweit 60 % der Erneuerbaren Energieträger ausmacht, dringend, um unsere Bevölkerung mit Energie zu versorgen und unsere hoch gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Ansonsten werden noch mehr Atom- und Fossilenergie zum Einsatz kommen bzw. massive Strafzahlungen anfallen, die dann der Steuerzahler zu tragen hat", warnt Moosbrugger, auch im Sinne des Ressourcenschutzes für kommende Generationen.

Faktenbasierte anstatt ideologisch fehlgeleiteter Politik gefordert

Der Landwirt hält eine faktenbasierte Politik für erforderlich, keine ideologisch fehlgeleitete, wie sie sich derzeit immer stärker in den EU-Gremien breitmache. "Wälder dürfen klarerweise nicht übernutzt werden, ihr erneuerbares Potenzial aber brachliegen und allzu viel Holz verrotten zu lassen, würde lediglich der Atom- und Fossillobby nutzen", betont Moosbrugger.

Die Waldfläche der 27 EU-Mitgliedstaaten wurde in den letzten 30 Jahren um ca. 14 Mio. ha ausgeweitet. Das entspricht im Durchschnitt ca. 470.000 ha jährlichem Waldflächenzuwachs. Im gleichen Zeitraum wurde der Holzvorrat um ca. 8,2 Mrd. Festmeter erhöht. Das entspricht einer jährlichen Vorratssteigerung von ca. 275 Mio. Festmetern pro Jahr.

"Wir brauchen einen Ausbau und kein Zurückschrauben der Bioenergie - und das möglichst bald. Um unsere Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland zu reduzieren, müssen wir aber alle regional verfügbaren Ressourcen optimal nutzen", so Moosbrugger.

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