Waldbewirtschaftung

CO₂-Zertifikate als Einkommensquelle für Waldbesitzer?

Eine österreichische Plattform will Waldbesitzer über Zertifikate für die CO₂-Speicherleistung ihrer Wälder entlohnen. Die Einnahmen müssen in nachhaltige Waldbewirtschaftungsmaßnahmen fließen.

Der Wald hat ein großes CO2-Speicherpotenzial. Von dieser Leistung profitieren Waldbesitzer bisher allerdings kaum. Die Plattform „Tree.ly“ aus Österreich will das ändern. Sie analysiert den Waldbestand heimischer Waldbesitzer und berechnet, wie viel Kohlendioxid dieser speichert, wie er klimaoptimiert werden könnte und wie viel CO2-Gutschriften dafür verrechnet werden können. Das CO2-Projekt werde dann bei Zertifizierern zur Validierung eingereicht, die Zertifikate am freiwilligen nationalen CO2-Markt platziert und an Firmen verkauft, die ihre Emissionen kompensieren wollen.

Über den Verkauf nationaler Emissionszertifikate sollen Waldbesitzer zusätzliche Einnahmen erhalten. Das eingenommene Geld müssen diese dann in klimagerechte Waldmaßnahmen investieren. Sie verpflichten sich bei der Zusammenarbeit außerdem für den Erhalt der festgehaltenen Kohlenstoffsenke über 30 Jahre und zu einer guten forstwirtschaftlichen Praxis. Das berichtet Futurezone.

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Das Team der Plattform "Tree.ly" aus Österreich (Bildquelle: Tree.ly )

60 bis 80 € pro ha

Waldbesitzer könnten durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten nach Angaben der Plattform 60 bis 80 € pro Hektar Wald jährlich verdienen. In einem Beispielprojekt aus Vorarlberg in Österreich ergeben sich für 5.200 ha Wald demnach 384.000 € Mehreinnahmen. Die Waldbesitzer verpflichten sich, das eingenommene Geld in Maßnahmen zu investieren, die dem Wald zugutekommen – zum Beispiel das Durchforsten von zu dichten Beständen, das Pflanzen von Jungbäumen, oder der Zukauf von Dienstleistungen oder Maschinen, die für die Waldbewirtschaftung notwendig sind.

Die Waldbesitzer verpflichten sich, das eingenommene Geld in Maßnahmen zu investieren, die dem Wald zugutekommen.

Aktuell stehe das Unternehmen mit 80 kleineren und größeren Waldbesitzern in Kontakt und habe Machbarkeitsstudien für rund 15.000 ha Wald durchgeführt. Ferner laufen vier Pilotprojekte mit österreichischen Waldbesitzern, wie Futurezone weiter berichtet. Derzeit wendet sich Tree.ly nach eigenen Angaben an Forstbetriebe mit einer Waldfläche von mindestens 500 ha. Künftig wolle man auch mit kleineren Waldbesitzern zusammenarbeiten und auch europaweit tätig werden. Die Plattform stehe bereits in Kontakt mit deutschen Waldbesitzern.

Exakte Analyse der Waldbestände

Zum einen berechne das Unternehmen die ideale Vorratshaltung im Wald sowie das CO2-Speicherpotenzial der jeweiligen Waldbestände. Bei der Analyse der Waldbestände solle eine technische Lösung helfen, die das Start-up derzeit entwickle. Dabei solle mithilfe von maschinellem Lernen, Satellitenaufnahmen, Laser-Scans, Höhenstufen- und Bauverteilungskarten sowie terrestrischer Waldinventuren die für die Aufnahme von Kohlenstoff verfügbare Biomasse exakt erhoben werden.

Aktuell stehe das Unternehmen mit 80 kleineren und größeren Waldbesitzern in Kontakt und habe Machbarkeitsstudien für rund 15.000 ha Wald durchgeführt.

Das Start-up kümmert sich nach eigenen Angaben um die Zertifizierung, die Projektdurchführung, das Auditing, die Schaffung eines Risikopools für Schadereignisse, das Führen des Zertifikatregisters und die Vermarktung der Zertifikate. Tree.ly wolle die Wälder jährlich überprüfen und den Fortschritt überwachen. Bei Verstößen gegen den Erhalt des festgesetzten Kohlenstoffgehaltes könne die Generierung von Zertifikaten ausgesetzt oder Schadenersatzforderungen gestellt werden.

Geld verdiene das Unternehmen mit einer Beteiligung aus dem Verkauf der CO2-Zertifikate, die in den ersten fünf Jahren 25 % betrage. Mit seinem Geschäftsmodell orientiert sich Tree.ly an ähnlichen Unternehmen wie NCX, das in den USA Waldbesitzer mit Zertifikationskäufern zusammenbringt.

Internationale Lösungen fehlen bislang

Der Verkauf der Zertifikate laufe derzeit über Zwischenhändler, welche sich auf CO2-Verrechnung spezialisiert haben. Der Preis hänge von dem aktuellen CO2-Preis und der Nachfrage ab. Später könnte sich das Unternehmen auch einen Direktvertrieb der Zertifikate vorstellen.

International könnten die Zertifikate für die österreichischen Wälder aber nur bedingt gehandelt werden. Denn bisher sei es möglich, dass Staaten die Kohlenstoffsenken der Wälder in ihre CO2-Bilanz miteinrechnen können. Am internationalen CO2-Markt dürfen diese Treibhausgasminderungen allerdings nur einmal angerechnet werden dürfen. Das würde bedeuten, dass ein Wald, welcher bereits in der nationalen CO2-Bilanz einberechnet ist, zumindest am internationalen CO2-Markt nicht noch einmal gehandelt werden kann. Entsprechend könnten die Waldbesitzer zumindest auf internationale Ebene nicht von ihren Wäldern durch CO2-Zertifikate profitieren, sollten diese bereits in die nationale Treibhausgasbilanz mit eingerechnet worden sein.


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