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topplus Güllevergärung

Gülle und Mist als Maisersatz: Neue Ideen für Biogasanlagen

Mit dem Thema Güllevergärung beschäftigten sich mehrere Vorträge beim 1. Teil der Online-Tagung „Heiden digital: Biogas aus Stroh, Gülle & Co.“

Lesezeit: 4 Minuten

Inwieweit ist Gülle wirklich ein Ersatz für Energiemais? Und wie lässt sich der Wirtschaftsdünger am besten einsetzen: Frisch aus dem Stall, als Separat oder als Mist? Antworten auf diese Fragen lieferten am Mittwoch, 26. August, vier Vorträge bei der rund zweistündigen Webkonferenz „Heiden digital“. Die Tagung, die erstmals nicht im westfälischen Heiden, sondern virtuell stattfindet, ist in sechs Teile gegliedert. Teil 1 beschäftigte sich mit der „Zukunftsoption Wirtschaftsdünger: Technik und Umsetzung“.

Silo- und Futterreste sollten Gülle aufwerten

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Rest- und Abfallprodukte aus der Landwirtschaft haben ein großes Potenzial für die Energieerzeugung, erläuterte Prof. Walter Stinner vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) aus Leipzig. Doch während es z.B. für Stroh vielfältige Nutzungsmöglichkeiten gibt, können nur Biogasanlagen Wirtschaftsdünger wie Gülle oder Mist effizient verwerten. Das wäre gerade mit Blick auf die Ziele im Klimaschutzplan der Bundesregierung bedeutsam: Würde sich der Wirtschaftsdüngeranteil in Biogasanlagen von heute rund 30 % auf 50 bis 70 % erhöhen, könnten damit 2,8 bis 4 Mio. t CO₂ eingespart werden. „Das wäre knapp die Hälfte der in der Landwirtschaft möglichen Einsparungen“, unterstrich Stinner die Bedeutung der Wirtschaftsdüngervergärung.

Allerdings ist die Wirtschaftlichkeit der reinen Güllevergärung gering. Eine Güllekleinanlage mit 75 kW hat Stromgestehungskosten von 24 ct/kWh, wenn der Anlagenbetreiber Rindergülle einsetzt. Bei Schweinegülle steigen die Erzeugungskosten auf über 28 ct/kWh. Damit die Güllevergärung wirtschaftlicher wird, empfiehlt Stinner den zusätzlichen Einsatz von Rand- und Deckschichten der Rinderfuttersilage sowie von Futterresten aus dem Stall. Außerdem könnte eine üppige Einstreu von Häckselstroh und Strohpellets den Gasertrag erhöhen. Damit der Zielkonflikt zwischen Energieerzeugung und Tierwohl gering bleibt, sollten die Kühe nur zum Fressen auf die Weide, abkoten und ausruhen sollten sie im Stall, damit möglichst viel Mist bzw. Gülle aufgefangen werden können. Zudem ist die richtige Entmistungstechnik und eine zügige Einbringung in die Biogasanlage wichtig.

Schwankende Nährstoffzusammensetzung

Sascha Hermus vom 3N Kompetenzzentrum aus Niedersachsen berichtete von einem noch laufenden Projekt aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme, bei dem 22 Biogasanlagenbetreiber Mais durch Wirtschaftsdünger ersetzen wollen. Erste Zwischenergebnisse: Messungen haben ergeben, dass die Substrate sehr unterschiedlich in ihrer Nährstoffzusammensetzung sind. Das betrifft sowohl Gülle und Mist als auch Mais. Wie Hermus ausführte, sind Pauschalwerte für den Stickstoff- und Phosphorgehalt oft unzureichend. „Es besteht die Gefahr, dass die Betreiber bei zu hohen Nährstoffwerten viel Fläche für die Ausbringung nachweisen müssen, die tatsächlich enthaltenden Nährstoffe aber zur Ernährung der Pflanzen nicht ausreichen“, sagte der Referent.

Neues Stallkonzept

Helmut Döhler vom Beratungsunternehmen DöhlerAgrar zeigte in seinem Vortrag, dass zum Ersatz von einer Tonne Silomais beispielsweise 0,71 t Getreidestroh, 7,6 t Rindergülle, 11,3 t Schweinegülle oder 1,04 t Hähnchentrockenkot nötig sind. Die Effizienz der Wirtschaftsdüngervergärung könnte sich künftig mit einem neuen Stallkonzept erhöhen. Hierzu stellte Döhler das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Konzept eines güllelosen Stalls vor. Dabei handelt es sich um ein neuartiges, wirtschaftlich konkurrenzfähiges Haltungssystem, kombiniert mit einem alternativen Behandlungssystem für Wirtschaftsdünger. Für die Schweinehaltung bedeutet dies, dass den Tieren eine strukturierte Bucht mit Ruhebereich, Fress- und Aktivitätszone, Kot- und gegebenenfalls auch Auslaufbereich zur Verfügung steht. Kot und Harn werden bereits im Stall getrennt, damit die Bildung von Gülle, Mist und Jauche verhindert wird. Hierdurch und durch den Einsatz diverser Behandlungsschritte für Kot und Urin sollen die Emissionen von Ammoniak im Vergleich zur Haltung auf den meist üblichen Spaltenböden um 70 % gesenkt werden, die Methanemissionen sogar um 90 %.

Gute Erfahrung mit der Mistvergärung

Über seine Erfahrungen mit der Güllevergärung berichtete Anlagenbetreiber Jan Büdding aus der Nähe von Bocholt (Nordrhein-Westfalen). Er betreibt seit 2018 eine 75 kW-Anlage. Als Input verwendet er überwiegend Rindermist einschließlich Futterresten. Der Betrieb, der selbst nur wenig Tiere hält, kooperiert in der Veredelungsregion mit verschiedenen Betrieben. Der Wirtschaftsdünger wird aus 3 bis 4 km Entfernung angeliefert.„Mist aus der Bullenhaltung mit Schieberentmistung ist optimal, weil er nicht lange im Stall lagert“, hat er festgestellt. Die häufig propagierten Güllefeststoffe nach der Separation sind für ihn dagegen nur zweite Wahl. 80 bis 100 Tage Verweilzeit sowie eine thermophile Vergärung bei 50 °C haben sich bei seiner Anlage als vorteilhaft erwiesen. Der TS-Gehalt im Fermenter liegt bei 14 %. Gerührt wird der Inhalt mit einem Paddelrührwerk mit 4 bis 5 kW Anschlussleistung.

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