Bericht zum Treibhausgasausstoß

Klimaschutzbericht: Verbände drängen Bundesregierung auf höhere Treibhauseinsparungen

Nur wegen der Pandemie konnte Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 einhalten. Jetzt gilt es, aus den Fehlern zu lernen, um das nächste Ziel nicht krachend zu verfehlen.

Wenig Licht, aber viel Schatten sehen Verbände und Politiker aus dem Bereich Energie, Landwirtschaft und Umwelt im gestern vom Umweltbundesamt (UBA) und Bundesumweltministerium vorgestellten Bericht zur Treibhausminderung in Deutschland. „Es macht Mut, dass rund zwei Drittel der Emissionsminderungen gegenüber dem Vorjahr nicht auf die Corona-Pandemie zurückgehen, sondern die fortschreitende Wirksamkeit der in den letzten Jahren ergriffenen Klimaschutzmaßnahmen abbilden“, sagte beispielsweise Sachsens Klimaschutzminister Wolfram Günther.

Höheres Klimaschutzziel gefordert

„Wir müssen den Restart der Wirtschaft nach der Pandemie zum Umsteuern nutzen und gezielt in den Klimaschutz investieren. Und das gilt für alle staatlichen Ebenen: Die EU ist derzeit dabei, ihre Instrumente an das erst kürzlich verschärfte Klimaziel 2030 anzupassen. Deutschland wird mit seinen Zielen und Umsetzungsmaßnahmen nachsteuern müssen.“ Auch der Freistaat Sachsen werde einen substanziellen Beitrag zur Energie- und Klimawende leisten und dafür das sächsische Energie- und Klimaprogramms aktuell fortschreiben.

Der BUND fordert zusammen mit insgesamt 85 anderen Verbänden, Organisationen und Kirchen in einem Appell, das deutsche Klimaziel noch vor der Sommerpause des Bundestags auf mindestens 70 % Treibhausgasreduktion bis 2030 gegenüber 1990 anzuheben.

„Horst Seehofer muss jetzt laut Klimaschutzgesetz ein Maßnahmenpaket vorlegen, damit der Umstieg auf klimafreundliche Wärmepumpen und die energetische Sanierung endlich in Fahrt kommt“, fordert Dr. Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik „Agora Energiewende“. Und tatsächlich müsste auch der Verkehrsminister deutlich nachlegen, um die CO₂-Emissionen im Verkehr nachhaltig zu senken.

Für 2021, 2022 und 2023 befürchtet Agora Energiewende, dass Deutschlands Treibhausgasemissionen wieder steigen. Grund sind Corona-Nachhol-Effekte und der fehlende Ausbau von Wind- und Solaranlagen. „Der aktuelle Ausbau von erneuerbaren Energien reicht nicht aus, um den Atomausstieg 2022 zu kompensieren. Wir brauchen dringend ein Klima-Sofortprogramm, um das Risiko steigender Emissionen abzuwenden“, fordert Direktor Graichen. Außerdem müsse die Bundesregierung das Klimaschutzgesetz überarbeiten. Denn die auf EU-Ebene beschlossenen höheren 2030-Klimaschutzziele seien noch nicht berücksichtigt.

Paris-Ziel weit entfernt

Mit der Emissionsminderung habe die Bundesregierung zwar ihr Ziel, die Treibhausgase gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken, erreicht. Dieses Ziel habe aber nichts mit dem Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens zu tun, die Erdüberhitzung auf mindestens 2 oder besser 1,5° Celsius zu...


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