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topplus Bericht zum Treibhausgasausstoß

Klimaschutzbericht: Verbände drängen Bundesregierung auf höhere Treibhauseinsparungen

Nur wegen der Pandemie konnte Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 einhalten. Jetzt gilt es, aus den Fehlern zu lernen, um das nächste Ziel nicht krachend zu verfehlen.

Lesezeit: 6 Minuten

Wenig Licht, aber viel Schatten sehen Verbände und Politiker aus dem Bereich Energie, Landwirtschaft und Umwelt im gestern vom Umweltbundesamt (UBA) und Bundesumweltministerium vorgestellten Bericht zur Treibhausminderung in Deutschland. „Es macht Mut, dass rund zwei Drittel der Emissionsminderungen gegenüber dem Vorjahr nicht auf die Corona-Pandemie zurückgehen, sondern die fortschreitende Wirksamkeit der in den letzten Jahren ergriffenen Klimaschutzmaßnahmen abbilden“, sagte beispielsweise Sachsens Klimaschutzminister Wolfram Günther.

Höheres Klimaschutzziel gefordert

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„Wir müssen den Restart der Wirtschaft nach der Pandemie zum Umsteuern nutzen und gezielt in den Klimaschutz investieren. Und das gilt für alle staatlichen Ebenen: Die EU ist derzeit dabei, ihre Instrumente an das erst kürzlich verschärfte Klimaziel 2030 anzupassen. Deutschland wird mit seinen Zielen und Umsetzungsmaßnahmen nachsteuern müssen.“ Auch der Freistaat Sachsen werde einen substanziellen Beitrag zur Energie- und Klimawende leisten und dafür das sächsische Energie- und Klimaprogramms aktuell fortschreiben.

Der BUND fordert zusammen mit insgesamt 85 anderen Verbänden, Organisationen und Kirchen in einem Appell, das deutsche Klimaziel noch vor der Sommerpause des Bundestags auf mindestens 70 % Treibhausgasreduktion bis 2030 gegenüber 1990 anzuheben.

„Horst Seehofer muss jetzt laut Klimaschutzgesetz ein Maßnahmenpaket vorlegen, damit der Umstieg auf klimafreundliche Wärmepumpen und die energetische Sanierung endlich in Fahrt kommt“, fordert Dr. Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik „Agora Energiewende“. Und tatsächlich müsste auch der Verkehrsminister deutlich nachlegen, um die CO₂-Emissionen im Verkehr nachhaltig zu senken.

Für 2021, 2022 und 2023 befürchtet Agora Energiewende, dass Deutschlands Treibhausgasemissionen wieder steigen. Grund sind Corona-Nachhol-Effekte und der fehlende Ausbau von Wind- und Solaranlagen. „Der aktuelle Ausbau von erneuerbaren Energien reicht nicht aus, um den Atomausstieg 2022 zu kompensieren. Wir brauchen dringend ein Klima-Sofortprogramm, um das Risiko steigender Emissionen abzuwenden“, fordert Direktor Graichen. Außerdem müsse die Bundesregierung das Klimaschutzgesetz überarbeiten. Denn die auf EU-Ebene beschlossenen höheren 2030-Klimaschutzziele seien noch nicht berücksichtigt.

Paris-Ziel weit entfernt

Mit der Emissionsminderung habe die Bundesregierung zwar ihr Ziel, die Treibhausgase gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken, erreicht. Dieses Ziel habe aber nichts mit dem Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens zu tun, die Erdüberhitzung auf mindestens 2 oder besser 1,5° Celsius zu begrenzen, kritisiert der Verein CO₂ Abgabe e.V. Dem Bundesklimaschutzgesetz zu Folge muss das zuständige Bundesministerium bei Zielverfehlung drei Monate nach Bekanntwerden der Emissionsdaten Vorschläge vorlegen, wie die ausgebliebenen CO₂-Einsparungen zu erreichen sind. Aufgrund der Zielfestlegungen betrifft dies laut CO₂ Abgabe e.V. den Wärmesektor und das Bundesbauministerium.

BEE fordert mehr Erneuerbare im Verkehr und bei der Wärme

Auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) fordert einen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien: „Besonders im Stromsektor, aber auch im Mobilitätssektor zeigt sich die starke Rolle der erneuerbaren Energien. Hier ist im Stromsektor der Ausbau der Erneuerbaren Energien durch nach oben angepasste Ausbauziele (80 % bis 2030) und -mengen im EEG im Rahmen des Entschließungsantrags voranzubringen, sowie Flächen und Genehmigungen bereitzustellen, um dem höheren EU-Klimaziel und steigenden Strombedarfen Rechnung zu tragen“, sagt BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter. Im Verkehrssektor sei kurzfristig ein ambitionierteres Treibhausgasminderungsgesetz nötig, das einen Anteil von 50 % Erneuerbaren im Jahr 2030 erlaube. „Und im Gebäudesektor ist neben einer Erhöhung des CO₂-Preises ein optimierter Mix aus Ordnungsrecht und Förderung notwendig, um die Wärmewende voranzubringen. Hiermit sind auch enorme Konjunkturimpulse verbunden“, macht sie deutlich.

VDB lobt positive Einflüsse der Biokraftstoffe

Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs liegen laut UBA-Zahlen mit 146 Mio. t CO2 um 19 Mio. t niedriger als im Vorjahr (minus 11,4 Prozent) – und damit ebenfalls unter der im Bundesklimaschutzgesetz für 2020 festgelegten Jahresemissionsmenge von 150 Mio. t CO2. Der Hauptteil dieser Minderung ist laut UBA darauf zurückzuführen, dass während des ersten Lockdowns weniger Auto gefahren wurde, vor allem auf den langen Strecken. Dies belegen die niedrigeren Absatzzahlen für Kraftstoffe und Daten von Zählstellen an Autobahnen und Bundesstraßen. Ein mit rund 2 Mio. t kleinerer Teil der Minderung ist auf niedrigere CO2-Emissionen neuer Pkw unter anderem durch den Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos zurückzuführen sowie auf mehr Biokraftstoffe aufgrund der höheren Beimischungsquote.

Die Fahrleistung der Lkw lag im Vergleich zum Vorjahr nur wenig niedriger. Einen deutlichen Corona-Effekt gab es ebenso beim inländischen Flugverkehr, der 2020 fast 60 Prozent weniger CO2 verursachte – insgesamt rund 1 Mio. Tonnen weniger.

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) warnt angesichts dieser Zahlen davor, sich im Verkehrssektor hinsichtlich der Klimaschutzverpflichtungen in Sicherheit zu wiegen. „Ohne die Sondereffekte durch die Corona-Pandemie hätte die Bundesregierung die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes für den Verkehr krachend verfehlt. Die zulässigen Emissionen sinken außerdem Jahr für Jahr weiter. Deshalb müssen alle vorhandenen Maßnahmen ergriffen und ausgebaut werden, um den Treibhausgasausstoß im Verkehr zu senken“, fordert VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann.„Aufgrund der im Jahr 2020 gestiegenen Treibhausgasminderungsquote sind die CO₂-Einsparungen durch nachhaltige Biokraftstoffe erneut gestiegen. Sie liegen 2020 nach unseren Schätzungen bei einer Minderung von knapp 12 Mio. t CO₂“, unterstreicht er. Hierzu zählt er gleichermaßen nachhaltige Biokraftstoffe, E-Mobilität und strombasierte Kraftstoffe. Derzeit stellen Biokraftstoffe etwa 98 % der erneuerbaren Energien im Straßenverkehr. Seit über 20 Jahren senken sie jedes Jahr den Treibhausgasausstoß im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen je nach verwendetem Rohstoff um 67 bis 93 Prozent.

Biomethan als Lösung

Der Biogasrat fordert in diesem Zusammenhang mehr alternative, erneuerbare Kraftstoffe im Verkehrssektor, um den Fahrzeugbestand mit mehr als 48 Mio. Pkw und mehr als 3,4 Mio. LKW kontinuierlich und zügig zu defossilisieren. „Wir fordern daher, die Treibhausgasminderungsquote zur Nutzung alternativer Kraftstoffe bereits ab dem Jahr 2022 von heute 6 auf 10 % anzuheben und in gleichmäßigen Schritten bis zum Jahr 2030 auf mindestens 22 % zu verstetigen. Zudem ist eine deutliche Anhebung der Unterquote für fortschrittliche Biokraftstoffe bis zum Jahr 2030 auf 3,5 % (energetisch) notwendig, um die großen Klimaschutzpotenziale fortschrittlicher Biokraftstoffe zu heben“, sagt Geschäftsführerin Janet Hochi. Hier sei Biomethan keine Zukunftsvision sondern heute, hier und jetzt in relevanten Mengen sofort nutzbar und nach wie vor Spitzenreiter bei der Minderung von Treibhausgasemissionen mit mehr als 89 % im Vergleich zu fossilen Treibstoffen.

Landwirtschaft auf gutem Weg

„Die aktuellen Klimadaten unterstreichen das Engagement der Landwirte im Klima- und Ressourcenschutz. Die Landwirte konnten die Emissionen auch im letzten Jahr wieder beispielsweise durch einen verminderten und effizienteren Einsatz von Mineraldünger deutlich senken“, betont der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken.“ Er sieht die Landwirte in Deutschland auf dem richtigen Weg.

Aus Sicht des DBV muss die Reduktion von Treibhausgasemissionen durch eine Optimierung der Produktionsprozesse erfolgen, sodass die Klimaeffizienz in der Lebensmittelerzeugung auch weiterhin verbessert werden kann. Ordnungsrechtliche Maßnahmen ohne Einbeziehung der Landwirte führen zu tiefen Einschnitten in landwirtschaftliche Strukturen, Produktionsrückgängen oder sogar Verlagerungseffekten, welche den CO₂-Fußabdruck Deutschlands im Zweifelsfall erhöhen.

Die genossenschaftlich orientierten Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft arbeiten laut Deutschem Raiffeisenverband (DRV) daran, Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette bereitzustellen. Dazu gehöre, den eigenen CO₂-Ausstoß zu reduzieren, aber auch, dass sie als Dienstleister die Emissionen in der Landwirtschaft verringern. So ließen sich unter anderem durch eine weitere Optimierung der Fütterung, den verstärkten Einsatz von Energien aus erneuerbaren Quellen sowie durch die Nutzung moderner Technik, nach Ansicht des Deutschen Raiffeisenverbandes die CO₂-Emissionen in der Branche schrittweise bis zum Jahr 2030 um bis zu 11 Mio. t reduzieren.

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