Abstimmung im Bundesrat

Kritik der AbL: Thüringens Agroforst-Antrag im Bundesrat droht zu scheitern

Mit einem Änderungsantrag will das Land Baden-Württemberg neue bürokratische Hürden beim Anbau von Bäumen auf dem Acker errichten. Die Abstimmung findet heute statt.

Das Land Thüringen hat mit seinem Entschließungsantrag vom 28.05.2021 eine richtungsweisende Initiative im Bundesrat (Drucksache 420/21) gestartet, um die Rahmenbedingungen für die Agroforstwirtschaft zu verbessern und um bestehende Hemmnisse abzubauen. Darüber stimmen nun die Länder am 25.06.2021 ab.

Neue Hürden drohen

Doch aufgrund eines Änderungsantrages aus dem baden-württembergischen Umweltministerium droht nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland die ursprüngliche Intention des thüringischen Antrags ausgehebelt zu werden: „Es sollen zusätzlich völlig inakzeptable bürokratische Hürden für die landwirtschaftliche Praxis geschaffen werden.“. Demnach soll es eine Förderung nur für extensive Agroforstsysteme geben, die mit einheimischen Gehölzen zu bestocken sind, nachdem zuvor eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde erteilt wurde.

"Auflagen wären unzumutbar"

Die AbL setzt daher auf Widerstand. „Für viele Landwirte stellen die übertriebenen Forderungen aus Baden-Württemberg eine absolute Unzumutbarkeit dar. Denn die extrem hohen und unverhältnismäßigen Hürden werden potenzielle Agroforstwirte eher abschrecken, anstatt sie für eine breite Umsetzung in der Praxis zu gewinnen“, erklärt Daniel Fischer, Agroforst-Beauftragter der AbL Mitteldeutschland. Viele Umwelt- und Klimavorteile, die durch die Etablierung vielseitiger Agroforstsysteme entstehen könnten, blieben dann auf der Strecke. „Eine Situation, die auch nicht im Interesse des Naturschutzes liegen dürfte, da somit der Status quo zementiert würde“, gibt Fischer zu bedenken. Zudem würde die große Vielfalt an Agroforstsystemen massiv unter diesen Restriktionen leiden, darunter auch viele Agroforst- oder Waldgartensysteme, die einen wertvollen Beitrag zur Ernährungssouveränität und zu einer besonders umwelt-, ressourcen- sowie klimafreundlichen Nahrungsmittelerzeugung leisten könnten.

In einer breit angelegten Aktion, an der sich nun mehrere AbL Landesverbände solidarisch beteiligen, werden die Agrar- und Umweltministerien dazu aufgerufen, gegen die Änderungen aus Baden-Württemberg und für den ursprünglichen Kernantrag aus Thüringen zu stimmen.

Über neue Entwicklungen zum Thema Agroforst, aktuelle Projekte und Fördermöglichkeiten informiert Sie auch unser aktuelle Beitrag "Von der Windschutzhecke zum Hühnerwald" in der aktuellen top agrar-Ausgabe 7/2021.


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