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Mehr Windräder, weniger Rotmilane – stimmt das wirklich?

Zwei Studien zum Thema „Rotmilan contra Windenergie“ kommen zu unterschiedlichen Aussagen – auf den ersten Blick. Eine pauschale Verurteilung der Windenergie ist aber unangebracht.

Lesezeit: 3 Minuten

Beeinflussen Windräder den Bestand von Rotmilanen? Dieser Frage sind kürzlich zwei Studien nachgegangen, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen:

  • In den Jahren 2010 bis 2016 ist die Anzahl der Windenergieanlagen (WEA) im Kreis Paderborn von 145 auf 333 gestiegen. Die Zahl der Rotmilanreviere schwankte in diesem Zeitraum zwischen 66 und 95, wobei keine statistisch signifikante Ab- oder Zunahme ermittelt werden konnte. „Ein Einfluss der Zunahme der Anzahl und auch der Höhe der WEA auf die Größe des Rotmilanbestandes ist hieraus somit nicht zu erkennen“, resümieren die Autoren der Studie „Rotmilan und Windenergie im Kreis Paderborn“, die die Fachagentur Wind (FA Wind) im August herausgegeben hat.
  • In Landkreisen mit einer hohen Dichte an Windrädern gehen die Rotmilanbestände zurück, während sie in Landkreisen ohne Windräder zunehmen. Das zeigt eine Analyse der jüngsten Bestandsentwicklung des Rotmilans, die der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) als Koordinator der offiziellen bundesweiten Vogelbestandserfassungen jetzt im Fachmagazin „Der Falke“ vorgestellt hat.

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Fragwürdige Interpretation

Auf den ersten Blick widersprechen sich also beide Untersuchungen. „Die Studien lassen sich jedoch nicht direkt miteinander vergleichen“, erklärt Franziska Tucci von der Fachagentur Windenergie an Land aus Berlin gegenüber top agrar. Grund: Zum einen werden in den beiden Studien unterschiedliche Zeiträume betrachtet. Auch untersucht die FA Wind eine Zeitreihe, vom DDA wird der gemittelte Rotmilanbestand zweier Zeiträume miteinander verglichen. Zum anderen haben die Autoren der Studie aus dem Landkreis Paderborn auch Faktoren wie die Landnutzung und die Witterung mit einbezogen. Die Autoren der DDA-Studie berücksichtigen diese Parameter nicht, sondern vergleichen lediglich die Anzahl der Windräder mit der Rotmilanpopulation Laut Tucci besteht zwischen beiden aber kein unmittelbarer Zusammenhang: „Selbst bei gleichbleibender Anzahl von Windrädern kann der Rotmilanbestand aufgrund von Witterung oder Nahrungsangebot schwanken.“ So hatte z.B. der NABU in einer Stellungnahme zur Studie der FA Wind kritisiert, dass die Untersuchung nur den Zeitraum bis zum Jahr 2016 erfasse und die Schlussfolgerungen daher falsch wären. Denn die Rotmilanpopulation in dem Landkreis Paderborn sei 2017 und 2018 zurückgegangen. „Das ist zwar korrekt, es wäre aber falsch, dass lediglich auf die Windenergie zurückzuführen“, sagt Tucci. Denn 2017 war das Frühjahr sehr kühl und feucht, 2018 dagegen litten die Vögel unter der Hitze. Die Witterung hat starken Einfluss auf das Nahrungsangebot beispielsweise in Form von Mäusen und damit auf die Versorgung der Jungen.

Zudem ist der Rotmilan ein Zugvogel. „Er wird mancherorts bejagt, sodass in einigen Jahren einige Tiere nicht zu uns zurückkehren“, erklärt die Expertin. Entwarnung will sie trotzdem nicht geben. „Für genaue Handlungsempfehlungen sollten über einen längeren Zeitraum Populationsentwicklungen unter der Betrachtung des Windenergieausbaus und weiterer Einflussfaktoren wie beispielsweise Witterung, Nahrungsvorkommen und Landnutzung analysiert werden. Bei den Untersuchungen sollte auch die Entwicklung der Anlagentypen und die Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen miteinbezogen werden. Ein reiner Vergleich der Anzahl der Windräder mit der Rotmilanpopulation reicht nicht aus.“

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