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topplus Frequenzabfall

Probleme im Stromnetz gehen nicht auf Erneuerbare zurück

Am 8. Januar ist es in Europa fast zu einem Blackout gekommen. Bei der Analyse zeigt sich: Nicht die erneuerbaren Energien waren Schuld, wie Kritiker schnell behauptet hatten.

Lesezeit: 4 Minuten

Zu einem ungewöhnlichen Einbruch bei der Frequenz im europäischen Höchstspannungsnetz ist es am 8. Januar gekommen. Nach Medienberichten ist die Frequenz auf 49,74 Hertz abgefallen - und damit unter die kritische Untergrenze von 49,8 Hertz. Die Lage war heikel: Laut Medienberichten konnten die Netzbetreiber nur durch Zwangsabschaltungen von Großverbrauchern allzu gefährliche Frequenzschwankungen verhindern.

AfD: "Desaströse Energiewende"

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Schnell hatten Energiewendekritiker den Schuldigen ausgemacht: Die erneuerbaren Energien. „Es ist nicht möglich, grundlastfähige, bewährte Kraftwerke reihenweise abzuschalten, ohne dafür wirtschaftlich wie versorgungstechnisch einen horrenden Preis zu bezahlen“, äußerte u.a. der erklärt AfD-Bundessprecher Prof. Dr. Jörg Meuthen. Wie schnell es mit der vermeintlichen Sicherstellung der Stromversorgung vorbei sein könnte, hätte sich bei dieser schwersten Störung im europäischen Stromnetz seit mehr als 14 Jahren gezeigt. Dabei hätte Europa beinahe in Blackout gedroht. „Die wenigen verbliebenen Großkraftwerke der Bundesrepublik konnten das Netz nicht mehr stabilisieren. Den Kraftwerken der Tschechischen Republik ist es zu verdanken, dass die Bürger nicht mehrere Tage in winterlicher Kälte ohne Licht und Heizung da saßen“, sagte Meuthen, der in der Pressemitteilung wieder einmal die „sogenannte Energiewende“ scharf kritisiert, „mit der Kanzlerin Merkel in desaströser Weise Deutschland als einzigem industrialisierten Land einen parallelen Ausstieg aus Atomenergie und Kohle aufzwingt“.

Fakten zeigen: Erneuerbare haben stabilisiert

Die Ursachenerhebung zu den Zwischenfällen im europäischen Stromnetz hat dagegen ergeben, dass die erneuerbare Stromproduktion nicht der Verursacher dieser Zwischenfälle war. Das bestätigen erste Analysen auf europäischer Ebene durch die Dachorganisation der Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E). Demnach führte am 8 Januar 2021 ein Split des europäischen Stromnetzes zum Frequenzeinbruch in Österreich. „Vielmehr hat die unter anderem aus österreichischen Wasserkraftwerken abgerufene Regelleistung dazu beigetragen, das Netz wieder zu stabilisieren“, berichtet der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich.

Die sofort erfolgten Rufe nach Gaskraftwerken seien folglich auch nicht sachdienlich, erst recht nicht die Darstellung, dass ohne fossile Gaskraftwerke das Licht auszugehen drohe.

Fossile Kraftwerke sind keine Lösung

Der Verband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) betont die Wichtigkeit der Sicherheit im Stromnetz. Er ist auch überzeugt davon, dass dieses Thema im Zuge der Energiewende neue, komplexe und innovative Antworten braucht und tritt für einen baldigen intensiven Fachdialog dazu ein. „Erneuerbare sind nicht das Problem, sondern können und müssen bei der Energiewende Teil der Lösung sein! Die Stromversorgungssicherheit im neuen Energiesystem werden uns nicht große fossile Erzeugungseinheiten liefern“, sagt Christoph Wagner, Präsident des EEÖ. Vielmehr brauche es einen Mix aus Flexibilisierung und Digitalisierung von Erzeugung und Verbrauch, Regelenergie aus vorwiegend kleineren erneuerbaren Erzeugungseinheiten, vor allem auf Basis von Wasser und Grüngas, und schnell reagierenden Speichereinheiten. Auch der Ausbau einer modernen Netzinfrastruktur sei erforderlich.

Konventionelle Kraftwerke zu wenig flexibel

Dass erneuerbare Energien mehr könnten, sagt auch Dr. Simone Peter, Präsidentin des deutschen Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE): „Immer noch werden die erneuerbaren Energien am Strommarkt und im Netzmanagement relevant benachteiligt.“ Alle Jahre wieder würden zu Jahresbeginn die Kosten der erneuerbaren Energien und ihr vermeintlicher Beitrag zu Versorgungsproblemen thematisiert. Beides gehöre eigentlich längst zu den Akten, wird aber immer noch gerne zur Diskreditierung herangezogen. „Der gesetzlich verankerte Einspeisevorrang für erneuerbare Kraftwerke muss endlich durchgesetzt werden. Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Betreiber konventioneller Kraftwerke die steuerbare Flexibilität ihrer Anlagen nicht ausreichend nutzen, um die Überlastung der Stromnetze zu reduzieren“, kritisiert die Präsidentin. Entsprechende Regelungen würden auch die Entschädigungen und somit die volkswirtschaftlichen Kosten begrenzen. Wenn jetzt das Stromsystem weiter flexibilisiert würde, indem die Flexibilitätsoptionen der erneuerbaren Energien, von Speichern, Netzen und der Sektorkopplung weiter angereizt und genutzt würden, und auch die noch im Strommarkt vorhandenen fossilen Energien ihren Flexibilitätsbeitrag leisten, werde der Strommarkt mehr und mehr zukunftsfest.

Strommarktdesign sollte geändert werden

Das bestehende Design des Strommarkts stoße dagegen immer mehr an seine Grenzen. „Das Strommarktdesign lässt zu, dass konventionelle Kraftwerke Strommengen produzieren, welche zum Teil nicht benötigt werden. Die so herbeigeführten Leitungsengpässe führen dann teilweise zur Abregelung CO₂-freier, erneuerbarer Energien, die dringend gebraucht werden“, sagt Peter. Eine Neugestaltung des Strommarktdesigns auf Basis der Erneuerbaren Energien stehe deshalb auf der Tagesordnung.

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