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So wirkt Pflanzenkohle im Fermenter

Im top agrar-Interwiew erklärt Sina Beckmann, Geschäftsführerin des Beratungsdienstleisters „Energieeffekte“, welche Wirkung Pflanzenkohle im Fermenter hat.

Lesezeit: 4 Minuten

Welche positiven Effekte hat Pflanzenkohle im Fermenter?

Beckmann: Pflanzenkohle wirkt zunächst wie ein Schwamm und nimmt Schadstoffe aus dem Prozess auf und bindet so z.B. Ammoniumstickstoff (NH4-N). Der Ammonium-Stickstoff ist de facto nicht weg, aber in der Kohle gebunden und spielt so bezüglich einer Ammonium-Hemmung keine Rolle mehr. Somit kann der Betreiber mehr Mist, vor allem Geflügelmist, einsetzen. Zum anderen dient die schwammige Struktur der Pflanzenkohle als eine sehr gute Oberfläche für die Bakterien zur Ansiedelung. Mehr Bakterien führen zu mehr Umsatz im gesamten Prozess und somit zu mehr Biogas.

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Es gibt in der Praxis die Vermutung, dass aufgrund des Kapillardrucks innerhalb der Kohle eine Verschiebung des pH-Werts und damit eine Verschiebung des NH3/NH4-Verhältnisses stattfindet. Außerdem soll der höhere pH-Wert das Wachstum der Archeaen begünstigen. Ist das denkbar?

Beckmann: Das kann ich bestätigen. Denkbar ist aber auch, dass die Kohle, die basisch wirkt und NH4-N bindet, als Puffer im Prozess dient und somit auch der pH-Wert ansteigen könnte. Archaeen bevorzugen auf jeden Fall pH-Bereiche ab 8, insofern sind die Aussagen nachzuvollziehen.

Bei welchen Symptomen ist der Einsatz von Pflanzenkohle sinnvoll?

Beckmann: Es gibt verschiedene Gründe, warum der Einsatz von Pflanzenkohle sinnvoll sein kann. Zum einen hält die Kohle den Prozess viskos, der Fermenterinhalt ist somit besser rührbar (weniger Stromaufnahmen für Pumpen und Rührwerke). Die Kohle kann dadurch helfen, Schwimmschichten zu vermeiden. Zum anderen hilft die Pflanzenkohle bei einer Übersäuerung und dient so als Puffer.

Praktiker berichten, dass nach Zugabe von Pflanzenkohle der Bedarf an Spurenelementen abnimmt. Wie kann man sich das erklären?

Beckmann: Ja, das berichten auch einige unserer Beratungskunden, dass sie weniger bis gar keine Spurenelemente mehr einsetzen, weil seit dem Einsatz der Kohle kein Mangel mehr besteht. Da die Kohle an sich keine Spurenelemente mitbringt, liegt der Verdacht nahe, dass das Mehr an (Geflügel-) Mist, welches oft bei der Kohle-Gabe einhergeht, für eine bessere Spurenelement-/ und Nährstoffversorgung sorgt. Es ist auch möglich, dass die Kohle für eine bessere Verfügbarkeit der prozessinternen Spurenelemente sorgt und dadurch der Bedarf an externer Zugabe extrem abnehmen kann.

Auf welche Eigenschaften sollte man bei der Auswahl der Kohle achten (Porengröße, Ausgangsmaterial usw.)?

Beckmann: Die Kohle sollte aus hochwertigen Hölzern mit dem Pyrolyseverfahren hergestellt sein. Hierbei werden die durch die Verkohlung entstehenden Gase und Dämpfe komplett herausgefiltert, so dass die Pflanzenkohle dann zu 100 % schadstofffrei ist. Kohlen, die mit über 700 Grad Celsius hergestellt worden sind, wirken im Austauschprozess im Fermenter besser.

Wie wichtig ist es, zertifizierte Ware einzusetzen? Welches Zertifikat sollte mindestens vorliegen – vor allem im Hinblick auf die spätere Ausbringung des Gärrestes (Düngemittelrecht)?

Beckmann: Für Pflanzenkohle gibt es das EBC-Premium-Zertifikat, auf welches unbedingt beim Kauf geachtet werden sollte. Es gibt dem Kunden die Sicherheit, dass es sich um eine hochwertige Kohle handelt. Auch im Hinblick auf den späteren Gärrest ist es sehr wichtig, qualitative und zertifizierte Kohle einzusetzen, um keine Schad- und Giftstoffe in den Prozess und somit auf den Acker zu bringen. Am besten setzt man Pflanzenkohle in Kaskadennutzung ein. Das heißt, die Tiere werden mit hochwertiger Futter-Kohle gefüttert, danach gelangt die Kohle, mit Nährstoffen beladen zusammen mit dem Mist bzw. der Gülle in die Biogasanlage, kann dort ihre positiven Eigenschaften ausspielen und wirkt dann hinterher im Gärrest auf dem Acker als Bodenverbesserer und Humusbildner.

Gibt es auch Fälle, bei denen der Einsatz von Pflanzenkohle negative Folgen hätte? Wenn ja, welche?

Beckmann: Dass die Kohle einen negativen Effekt hätte, wüsste ich nicht. Aber wie gesagt: Eine minderwertige Kohle oder sogar nur Asche wirkt nicht und bringt vermutlich jede Menge Schadstoffe mit.

Was sollte man beim Einsatz von Kohle in Biogasanlagen noch beachten?

Beckmann: Betreib sollte natürlich gleich mit der richtigen Menge, ermittelt in der Regel der Anbieter, starten und nicht zu ungeduldig sein. Es kann, je nachdem Anlagentyp, Anfangsproblem, Fütterung, etc. 2-3 Monate dauern, bis man den gewünschten Erfolg hat.

Die Fragen stellte Hinrich Neumann.

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