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Solarparks: Sprengstoff für die Landwirtschaft?

Der Boom bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen spaltet die Landwirtschaft. Die Gegner warnen vor Flächenverlusten, die Befürworter sehen in Solarparks eine lukrative Einkommensquelle.

Wenn unsere Gemeinde noch mehr Solarparks genehmigt, dann haben wir Landwirte bald keine Perspektive mehr“, warnt Markus Walter, Bullenmäster aus Hilpoltstein im Landkreis Roth. Insgesamt sind in der fränkischen Kommune derzeit elf Photovoltaik (PV)-Freiflächenanlagen mit einer Gesamtfläche von 100 ha beantragt bzw. geplant – zusätzlich zu den bereits bestehenden vier Solarparks mit insgesamt 23 ha.

Neben dem Flächenverlust sieht der Landwirt weitere Nachteile. So liegt ein geplanter Solarpark unmittelbar neben einem seiner Äcker mitten in einem großflächig drainierten Gebiet. „Die Anker für die Solarmodule werden die Drainagerohre so beschädigen, dass das Wasser in meiner Fläche nicht mehr ablaufen kann“, befürchtet Walter.

Fast nur Nichtlandwirte

Thomas Schmidt, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Roth, bestätigt, dass der Solarpark-Boom in der Region immer mehr zu einer Gefahr für die aktiven Landwirte wird. „Es sind schon mehrere Bewirtschafter von größeren Pachtflächenverlusten betroffen“, klagt der Kreisobmann. Allein in seiner Heimatgemeinde Greding seien bereits mehr als 150 ha von PV-Anlagen überbaut.

Die Antragsteller der Solarparks sind laut Schmidt fast ausschließlich außerlandwirtschaftliche Investoren. Diese sollen Pachtpreise zwischen 2.000 und 3.000 €/ha zahlen, um sich geeignete Flächen zu sichern. Das werde nicht ohne Folgen für den Pachtmarkt bleiben, befürchtet der Landwirt.

Auch im sonnenreichen Baden-Württemberg sind jede Menge Solarparks geplant, darunter auch sehr große Anlagen. So möchte der regionale Energieversorger EnBW in Wilfingen im Landkreis Biberach auf einer 80 ha großen Fläche einen Solarpark errichten. In der Gemeinde Aulendorf im Landkreis Ravensburg plant der Graf zu Königsegg-Aulendorf mit dem Hamburger Solarpark-Investor Blue Elephant Energy eine PV-Anlage auf 40 ha.

Daneben gibt es in Oberschwaben jede Menge Planungen für PV-Freiflächenanlagen von 1 bis 10 ha. Allein in der Gemeinde Kißlegg im östlichen Landkreis Ravensburg liegen aktuell neun Anfragen von Solarpark-Interessenten vor. „Darunter sind auch einige Landwirte, die auf ihren Flächen selbst in PV-Freiflächenlagen investieren wollen“, berichtet Christoph Mozer, der bei der Gemeinde Kißlegg die Anfragen für Solarparks fachlich betreut.

„Goldgräberstimmung“ im Norden und Osten

Der Freiflächen-Boom betrifft auch Nord- und Ostdeutschland. „In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Brandenburg aquirieren aktuell Investoren Flächen für Solarparks“, berichtet Rechtsanwalt Mandus Fahje von der Kanzlei Geiersberger Glas & Partner in Schwerin. Ziel der Projektierer seien vor allem Anlagen mit einer Fläche ab 40, aber unter 100 ha, vorzugsweise mit geringen Bodenpunkten.

Angesicht der Vielzahl der geplanten Freiflächen-Anlagen könne man von einer Art Goldgräberstimmung sprechen, sagt Fahje. Allerdings werde wahrscheinlich nur ein Teil der Projekte die aufwendigen Genehmigungsverfahren überstehen. „Hierbei kommt es stark auf den Einzelfall und auch auf das Landesrecht an.“

Der Anwalt rät den Grundstückeigentümern, die Flächen nicht zu günstig zu verpachten und wegen der langen Pachtdauer von 20 bis 30 Jahren für Solarparkflächen einen Inflationsausgleich auszuhandeln. Vereinbart werde derzeit ein Mindestnutzungsentgelt ab etwa 3.000 € pro ha und eine Beteiligung am Stromerlös von 6 bis 7 %, soweit dieser Anteil den Pachtpreis übersteigt. „So haben auch...

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