Windenergie

Weltweite Windindustrie verlangt von G20 konkrete Pläne für Energiewende

23 Firmenchefs haben einen offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der G20 geschickt. Sie fordern ambitioniertere nationale Ziele für die Produktion von Windenergie.

Eine Allianz der führenden CEO der globalen Windindustrie fordert die G20-Mitglieder auf, in der Klimakrise Führungsstärke zu zeigen, indem sie sich ambitioniertere nationale Ziele für die Produktion von Windenergie setzen und dringend die benötigten konkreten Pläne dafür vorlegen, wie sie fossile Brennstoffe ersetzen wollen.

Die 23 CEOs haben stellvertretend für die Global Wind Energy Coalition for COP26 einen offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der G20 geschickt. Darin weisen sie darauf hin, dass zwar Fortschritte bei der Energiewende zu verzeichnen sind, die aktuellen Klimazusagen der G20-Länder aber immer noch zu einer Erwärmung von 2,4°C führen werden. Dieser Wert gehe weit über das hinaus, was nötig ist, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Der Ausbau der Windenergie und der erneuerbaren Energien bleibe derzeit weit hinter den internationalen Klimazielen zurück, so dass dringender Handlungsbedarf bestehe.

Besondere Pflicht der G20-Staaten

„Die G20-Mitgliedsländer verursachen mehr als 80 % der globalen energiebezogenen Kohlenstoffemissionen – die Politik hat in diesen Ländern also die Fähigkeit, die weltweite Energielandschaft zu verändern und muss dafür in die Pflicht genommen werden“, sagte der CEO von GWEC, Ben Backwell. Diese Länder müssten sich verstärkt für erneuerbare Energien einsetzen, und insbesondere für die Windenergie, die als saubere Energielösung das größte Potenzial habe, beim Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens zu helfen.

Der Brief wird von den CEO der größten Windkraftunternehmen unterzeichnet – einschließlich Vestas Wind Systems, Siemens Gamesa Renewable Energy, Orsted, SSE, RWE und Mainstream Renewable Power sowie von Branchenvereinigungen in wichtigen Regionen wie Großbritannien, Brasilien, China, Mexiko und Südafrika.

Vierfache Leistung nötig

Die Unterzeichner heben hervor, dass sich nach den jüngsten Voraussagen der Internationalen Energieagentur (IEA) der Ausbau von Windkraftanlagen von 93 GW im Jahr 2020 auf 390 GW im Jahr 2030 vervierfachen muss, um das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen. Die IEA und die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) stimmen überein, dass zum Erreichen der Netto-Null-Ziele bis 2050 insgesamt eine Windenergiekapazität von 8.265 GW bzw. 8.100 GW anzusetzen ist, wenn das Ziel einer Erderwärmung von 1,5°C erreicht werden soll.

Der offene Brief warnt, dass bei den aktuellen Wachstumsraten für Windenergie die globale Windenergiekapazität bis 2050 deutlich hinter den für die Kohlenstoffneutralität erforderlichen Mengen zurückbleiben wird – mit einem Installationsdefizit von bis zu 57 %.

„Wenn die Installation von Windkraftanlagen sich mit dem derzeitigen Tempo fortsetzt, installieren wir nur weniger als die Hälfte der Windenergiekapazität, die nötig ist, um bis 2050 die Kohlenstoffneutralität zu erreichen", sagte Rebecca Williams, Director of COP26 bei GWEC.

Konkrete Vorschläge

Um den Nachholbedarf beim Ausbau der Windkraft aufzuholen, fordert der offene Brief von den G20-Staaten:

  1. Ambitioniertere Ziele für Windkraft auf nationaler Ebene.
  2. Effektive politische und regulatorische Rahmenbedingungen für die Beschaffung und Bereitstellung erneuerbarer Energien.
  3. Infrastruktur für saubere Energie wie Netze und Leitungen.
  4. Übereinkunft zu effektiver und glaubwürdiger Kohlenstoffbepreisung.
  5. Anpassung der nationalen und regionalen Finanzströme an Benchmarks für einen 1,5°C-konformen Pfad.
  6. Entwicklung einer kohärenten und inklusiven Politik, die öffentliche Ressourcen für den Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft bereitstellt.

In den letzten 20 Jahren habe die Windenergie bewiesen, dass sie in der Lage ist, die Produktion exponentiell zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu senken, Millionen von qualifizierten Arbeitsplätzen zu schaffen und groß angelegte Infrastrukturinvestitionen anzustoßen.

Weitere Infos: https://gwec.net/


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