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Windenergiebranche steht vor massivem Umbruch

Der Beginn der Ausschreibungen für die Förderhöhe und die Deckelung der Ausbaumenge wird die Windbranche in Deutschland stark verändern, erklärte Hermann Albers, Präsident des BWE, gestern in Berlin.

Lesezeit: 4 Minuten

Noch zwei Boomjahre, dann steht die Windenergiebranche in Deutschland vor massiven Einschnitten. Dieses Bild zeichnete gestern (08.09.16) Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), auf der BWE-Konferenz zur EEG-Novelle in Berlin.


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So geht der BWE davon aus, dass im Jahr 2016 noch viele Windparks in Betrieb gehen oder zumindest die Genehmigung einholen, bevor im Jahr 2017 die Ausschreibung beginnt. Bei dieser wird die Höhe der Vergütung nicht mehr gesetzlich im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) vorgeschrieben, sondern in Bieterrunden per Auktion ermittelt. Auch im Jahr 2017 könnte es einen starken Zubau geben, weil Projekte umgesetzt werden, die noch in den Jahren davor angestoßen wurden und daher nicht unter die Ausschreibung fallen.


Dann aber wird die Vergütungshöhe im EEG massiv abgesenkt (Degression), falls der Zubau wie erwartet über dem angestrebten Zielwert von 2800 Megawatt pro Jahr liegen sollte. Das wird der Fall sein, erwartet Albers. Schließlich wurden im Jahr 2014 insgesamt 4800 MW neu errichtet, im Jahr 2015 waren es noch 3700 MW und wieder deutlich mehr sind für 2016 zu erwarten. Schon im ersten Halbjahr kam mit über 2000 MW deutlich mehr Windenergieleistung dazu, als in den ersten Halbjahren 2014 und 2015.


Bis zum Jahr 2018 könnte sich eine Degression um bis zu 25 %ergeben, also die Vergütung um ein Viertel absinken. Betroffen wären alle Projekte, die bis Ende 2016 eine Genehmigung vorliegen haben und die damit noch nicht am Ausschreibungsverfahren teilnehmen müssen. Doch viele haben die geplante Anlagentechnik mit Turmhöhe und Rotordurchmesser in der Genehmigung festgelegt, können also nachträglich nichts mehr ändern. „Als einzige Reaktion könnten die künftigen Betreiber versuchen, die Investitionskosten zu senken“, stellte Albers in Aussicht, hält das aber für unmöglich. Wenn man eine Degression von 25 % kompensieren wolle, müsste eine 3 MW-Anlage 700.000 € billiger sein. „Welcher Hersteller würde das mitmachen?“, fragte er eher rhetorisch. Laut Albers wird es bei Neuprojekten eine starke Nachfrage nach hohen Türme und großen Rotordurchmessern geben, mit denen die Betreiber den Stromgestehungspreis in Ausschreibung senken wollen.


Das Zubauziel von 2800 MW pro Jahr sei auf den ersten Blick nicht schlecht, vor allem weil einige Politiker noch deutlich weniger gefordert hatten. „Aber gemessen an dem Bund-Länder-Kompromiss, bei dem ein Brutto-Zubau von 4400 MW beschlossen wurde, hätten wir uns doch mehr erwartet“, sagte Albers. Auch können jetzt ausländische Bieter mit dazukommen. Unterm Strich steht einer höheren Anzahl von Unternehmen also deutlich weniger Volumen zur Verfügung.


Ein höheres Ausbauziel wäre nicht nur für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtig gewesen: Schließlich sorgt die Windbranche für 150.000 Arbeitsplätze und für 10 der 14 Mrd. € Umsatz für Investitionen im Bereich erneuerbare Energien in Deutschland. Auch wäre ein Zubau von 4500 bis 4900 MW im Jahr nötig, um die Klimaziele von Paris zu erfüllen. „Zwischen Berlin und Paris gibt es eine erhebliche Diskrepanz. Daher hoffen wir, dass die nächste Bundesregierung bessere Ziele definiert“, machte der BWE-Präsident deutlich.

Er betonte auch, dass Deutschland längst nicht mehr der Vorreiter in Sachen Energiewende in Europa ist. In vielen Bereichen wie z.B. der Elektromobilität ist Deutschland im europäischen Vergleich nur Mittelmaß. „Auch wir müssen ein hohes Tempo anstreben, um die Klimaschutzziele 2020 in der EU zu erreichen.“ Doch das sei schwer, der Politik klar zu machen. Nur so sei zu erklären, dass die Bundesregierung nach den Biotreibstoffen im Jahr 2008, der Photovoltaik ab 2012, der Bioenergie 2014 jetzt auch die Entwicklung der Windenergie massiv abbremst.


Dabei sorgt die Windenergie mit 27.000 Anlagen und 44.000 MW installierter Leistung für einen Anteil von 13,3 % am Stromverbrauch in Deutschland und ist wichtigste Säule der erneuerbaren Energien.


Ein großes Problem sieht er im neuen §51 EEG, wonach die Vergütung entfällt, wenn der Strompreis an der Börse länger als 6 Stunden negativ ist. „Es ist das erste Mal, dass wir im EEG eine Blackbox haben: Wir wissen nicht, wie lange negative Strompreise anhalten“, bewertete er dieses. Je nachdem, wie schnell Kohle- und Atomkraftwerke aus dem Markt verschwinden, könnte es zwischen 0 bis 30 % Abschaltungen im Jahr kommen, was ein erhebliches Risiko sei.


Unterm Strich gelte es jetzt, sich mit Hochdruck auf das neue Ausschreibungssystem vorzubereiten, das am 1. Mai 2017 startet. Gerade für kleine Projektträger, Genossenschaften und Bürgerenergieprojekte sei es schwierig vorherzusagen, welche Chancen diese noch haben. Der BWE will diesen kleinen Akteuren helfen, damit die Energiewende weiter ein gesellschaftlich breit getragenes Projekt bleibe.


Mit Blick auf die Bundestagswahlen 2017 rief Albers die Branche auf, quer durch die politische Landschaft für die Energiewende zu werben: „Die nächste Bundesregierung muss die Weichen stellen, um den Klimavertrag von Paris umzusetzen und die Dekarbonisierung strukturiert anzugehen. Dafür brauchen wir einen überarbeiteten Fahrplan der Energiewende.“

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