Kükentöten bleibt erlaubt – übergangsweise Premium

Das Bundesverwaltungsgericht hat das Kükentöten für übergangsweise zulässig erklärt. Sobald Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen, entfällt die Erlaubnis.

Der mit großer Beachtung erwartete Urteilsspruch des Bundesverwaltungsgerichtes aus Leipzig ist heute gefallen. Danach bleibt das Töten männlicher Küken tierschutzrechtlich noch übergangsweise zulässig. Das wirtschaftliche Interesse an speziell auf eine hohe Legeleistung gezüchteten Hennen sei für sich genommen kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes für das Töten der männlichen Küken aus diesen Zuchtlinien. „Da voraussichtlich in Kürze Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen werden, beruht eine Fortsetzung der bisherigen Praxis bis dahin aber noch auf einem vernünftigen Grund“, urteilten die Richter heute.

Schlappe für NRW

Das Bundesverwaltungsgericht hat damit die Entscheidung der Vorinstanzen im Ergebnis bestätigt. Gemäß dem Tierschutzgesetz darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Das Land NRW hatte daher in einem Erlass im Jahr 2013 ab dem 1. Januar 2015 die Tötung von männlichen Küken untersagt. Dagegen klagte eine Brüterei, die argumentiert hatte, dass wirtschaftliche Gründe auch „vernünftige Gründe“ sein könnten, um die Praxis fortzusetzen. Die dort ausgebrüteten Eier stammten aus...

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Eckehard Niemann

@ Markus Grehl: Ich finde die nachfolgende Positionierung der Bruderhahn-Initiative bemerkenswert

https://www.bruderhahn.de/cms/wp-content/uploads/2019/06/BID_O%CC%88TZ-PE_Gerichtsurteil-Ku%CC%88kento%CC%88ten.pdf

von Eckehard Niemann

@ Markus Grehl

Ihre Fragen müssen Sie schon an die AbL-, Neuland- oder Biobetriebe bzw. deren Verbände stellen - die sich ja aktuell kaum zum Kükentötungs-Urteil äußern (oder habe ich da was übersehen?). Ich jedenfalls rede für mich selber und meine Überzeugungen...

von Markus Grehl

@E.Niemann

Welche Linien setzen denn die AbL- Betriebe ein? Sicher mitunter auch industriell erzeugte Legehennen welche keiner Zweinutzungslinie angehören oder liege ich da falsch?

von Matthias Zahn

An alle Gutmenschen und Tierschützer!

Ich bin überzeugt, dass sich jeder soviele männliche Küken abholen kann wie er will. Ganz bestimmt bekommt man die auch Geschenkt! Also auf auf zur nächsten Brüterei und schnell mal 10000 Küken gerettet! Ich bin auch für Zweinutzungsrassen! Aber solange unsere lieben Mitbürger nur billig billig kaufen gibt es solche Auswüchse. Alles hat seinen Preis, und billige Eier, kosten den männchen das Leben......

von Markus Grehl

@E.Niemann

Welche Linien setzen denn die AbL- Betriebe ein? Sicher mitunter auch industriell erzeugte Legehennen welche keiner Zweinutzungslinie angehören oder liege ich da falsch?

von Markus Grehl

@E.Niemann

Welche Linien setzen denn die AbL- Betriebe ein? Sicher mitunter auch industriell erzeugte Legehennen welche keiner Zweinutzungslinie angehören oder liege ich da falsch?

von Eckehard Niemann

Keine systematischen "Herodes"-Tötungen - auch nicht im Ei!

„Anders als Schlachttiere werden die männlichen Küken zum frühestmöglichen Zeitpunkt getötet. Ihre „Nutzlosigkeit“ steht von vornherein fest. Zweck der Erzeugung sowohl der weiblichen als auch der männlichen Küken aus Zuchtlinien mit hoher Legeleistung ist allein die Aufzucht von Legehennen. Dem Leben eines männlichen Kükens wird damit jeder Eigenwert abgesprochen.“ – diese Feststellung des Gerichts gilt natürlich auch für die Pläne, bei den Legehennen-Rassen systematisch sämtliche männliche Tiere zu töten – und sei es auch noch im Ei vor dem Schlüpfen. ------ Der Vergleich dieser massenhaften und systematischen „Herodes“-Tötungen mit dem Recht auf individuelle Entscheidung über Abtreibung ist hergesucht und zynisch! ----- Dieser hybride Eingriff in die Schöpfung ist mit der Würde der Tiere und auch von uns Menschen nicht vereinbar. Die werden wohl auch die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher so sehen und spüren - und die so erzeugten Eier klar der Agrarindustrie zurechnen. ----- An der Ausrichtung der gesamten Branche auf Zweinutzungs-Hühner darf kein Weg vorbeigehen!

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