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Nach der Fichte stirbt die Buche

In den vergangenen Dürrejahren litten unsere Buchen vermehrt unter der Buchenkomplexkrankheit. Wir haben uns mit Fachleuten getroffen und zeigen, wie Sie kranke Buchen erkennen.

Lesezeit: 6 Minuten

Diese Reportage ist erstmals im März 2022 erschienen:

Sorgfältig schaut sich Roland Schockemöhle die mehr als 120 Jahre alten Buchen an. Ein prüfender Blick in die Krone, dann entlang des kräftigen Stammes. Weiter unten am Stammfuß entdeckt der Förster die wenigen kleinen, schwarzen Flecken. „Die hier ist auch krank“, sagt er entmutigt und markiert den Stamm mit Farbe.

Wie hier im Forstamt Hochstift droht die Buche vielerorts sprichwörtlich unter der Last des Klimawandels zusammenzubrechen. Sie leidet unter der „Buchenkomplexkrankheit“ – eine Folge des anhaltenden Wassermangels.

Vor allem Altholz betroffen

Im Forstamt Hochstift ist die Buche die dominante Baumart und so wüchsig, dass es Eichen, Eschen und andere Arten schwer haben, mit ihr mitzuhalten. Trockenes Laub, „Schrotschüsse“ in der Rinde und schleimige, schwarze Flecken sind die ernüchternden Anzeichen: Die Buchen sind todkrank. Anders als Käferfichten lässt sich das geschädigte Buchenholz kaum noch nutzen. „Das Buchensterben kostet die Betriebe sehr viel Geld“, sagt Roland Schockemöhle, Leiter des Regionalforst­amtes Hochstift.

Mit mehr als 38 % ist sie die häufigste Baum­art vor Ort, weshalb das Forstamt den Beinamen „Buchenforstamt“ trägt. Was Schockemöhle den Besuchern im Hochstift häufig mit einem gewissen Stolz erzählt, besorgt ihn bei der Kontrolle der Buchen in dem kleinen Bestand sichtlich. Was, wenn ein Großteil der Bäume ausfällt? Denn die älteren Buchen im Forstamt zeigen fast überall deutliche Schadsymptome.

Bestände von bis zu 80 ha Größe leiden unter der Buchenkomplexkrankheit. Schockemöhle vermutet, dass bereits große Mengen der etwa 30.000 ha Buchenwald im Forstamtsbereich erkrankt sind. Die genaue Menge kennt er nicht.

Betroffen sind besonders Buchenaltholzbestände auf trockenen Standorten, an Südhängen und entlang von Waldrändern. Die Schadholzmenge schätzt der Forst­amtsleiter schon jetzt auf mehr als 100.000 fm – ein Viertel des üblichen Jahreseinschlags. Schockemöhle ist sich sicher: „Es kommen enorme Schadholzmengen auf uns zu.“

Klares Krankheitsbild

Schon vom Weg aus ist selbst für Laien erkennbar: Hier stimmt etwas nicht. Trockene Äste ragen aus der lichten Baumkrone, die von oben nach unten immer trockener zu werden scheint. Die Stämme haben deutliche Schleimflussflecken, zum Teil auch Einbohrlöcher des kleinen Buchenborkenkäfers.

Für Schockemöhle sind sie besonders kritisch. Denn die Bohrlöcher sind Eintrittspforten für Weißfäuleerreger. Weil der Pilz das Buchenholz schnell zersetzt, ist es für die Sägewerke nur bedingt brauchbar. Einige der Buchen sind bereits so stark befallen, dass sie langsam auseinanderfallen, erklärt Schockemöhle und zeigt auf die zum Teil starken Äste auf dem Waldboden. Weder beil- noch nagelfest eignen sich die Stämme nicht mal mehr für die Herstellung von Paletten. Was bleibt, ist allenfalls Brennholz. „Uns drohen riesige Vermögensverluste“, sagt der Förster.

Ein überregionales Problem

Genau wie Schockemöhle bangt auch Waldbauer Hubert Aschhoff im mehr als 80 km entfernten Beckum-Vellern um seine Buchen. Ein Großteil seines 21 ha großen Buchenforstes ist erkrankt. Häufig sind die Bäume schon so trocken, dass die Baumrinde gerissen ist oder bereits abfällt. Mit roter und grüner Farbe markiert der Vellerner die kranken Buchen und erstellt gleichzeitig eine Rangfolge.

„Wir schneiden jetzt zuerst die komplett trockenen ab“, erklärt Aschhoff. Der Waldbesitzer sorgt sich über die schwindende Holzqualität und darüber, dass sein Holz nichts mehr wert sein könnte. „Die Buche ist unser Brotbaum“, verdeutlicht er die prekäre Lage.

Einige Abteilungen weiter verschafft sich Heinz-Peter Hochhäuser einen Überblick über die Buchenschäden. Der Leiter des Forst­amts Münsterland kennt solche Schäden aus seiner mehr als 35-jährigen Tätigkeit in der Region nicht. Genau wie Schöckemöhle rechnet auch er mit mehr als 100.000 fm Schadholz für seinen Zuständigkeitsbereich. Durch die schnelle Entwertung des Holzes durch Weißfäule geht Hochhäuser von enormen Verlusten aus. Weil vermutlich auch die stehenden Bäume keine Sägeholzqualität mehr erfüllen, wird Hochhäuser über befreundete Kollegen in den Niederlanden Kontakte zu dortigen Holzheizkraftwerken herstellen.

Vorsicht bei der Holzernte

Schockemöhle und Hochhäuser sehen in der Ernte der kranken, oftmals älteren Buchenstämme mit mächtigem Durchmesser eine große Herausforderung. Denn im Laub ist das Umsägen der Stämme, die oftmals von dichter Naturverjüngung ummantelt sind, eigentlich nicht möglich. Schließlich müssen die Forstwirte sich einen genauen Überblick über die Kronensituation verschaffen, denn Totholz droht herabzustürzen. Weil die Holz­ernte der betroffenen Bestände so gefährlich ist, ist sie nur eine Sache für Profis.

Schockemöhle hofft, dass innovative Technik, wie beispielsweise ein funkgesteuerter Fällkeil, bei der sicheren Holz­ernte Vorteile bringt. Um die Bäume möglichst erschütterungsfrei zu ernten, setzt Hochhäuser zur Unterstützung Bagger mit Greifern und Harvester ein.

Buche nicht abschreiben

Obwohl große Teile des Waldmeister-Buchenwaldes bereits vollständig abgestorben sind, wächst die Baumart im Wald nahe Beckum auf einem sehr guten Standort. Hochhäuser bekräftigt: „Die Buche gehört hier hin.“ Auf dem kalkhaltigen Boden ist sie standortgerecht und wurzelt bis zu 4 m tief. Das Wasser ist aber so weit zurückgegangen, dass hier selbst die Buche nicht mehr zurechtkommt, schätzt er. Dennoch empfiehlt er auch weiterhin den Anbau der Buche, wenngleich Hochhäuser sie mit anderen Baumarten mischen würde.

Auch Schockemöhle schreibt die Buche noch längst nicht ab. „Wir haben eine witterungsbedingte Extremsituation und dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken“, gibt er sich optimistisch. Geschwächte Buchen sind in der Lage, im kommenden Jahr eine Sekundärkrone zu bilden. Sollte die Buche in einigen Beständen tatsächlich komplett absterben, wird keine Investition in eine Pflanzung nötig sein – die Wälder sind größtenteils mit Buche naturverjüngt, meint Schockemöhle und ergänzt „Trotz des Wassermangels ist die Buche in weiten Teilen des Forst­amtes standortgerecht, aber Mischung ist nötig.“

Viermal mehr Holz eingeschlagen

Heiner Meier zu Beerentrup bewirtschaftet einen Forstbetrieb in Detmold. Rund 60 % seines 108 ha großen Waldes sind mit Buchen bestockt. Auch in seinen Wäldern sind sie sehr krank. Innerhalb der zurückliegenden zwei Monate hat der Waldbauer 1.800 fm Buchenholz einschlagen müssen. Das entspricht dem Vierfachen des üblichen jährlichen Hiebsatzes. Die kranken Buchen fällte Meier zu Beerentrup bereits in einem vergleichsweise frühen Krankheitsstadium, um das Holz noch bestmöglich verkaufen zu können. Als Käufer fand sich unter anderem ein Spanholzhersteller aus der Region.

Die Buche verjüngt sich in seinem Betrieb sehr gut. Dennoch ist sich Meier zu Beerentrup sicher: „Die Buche ist durch den Klimawandel stark gefährdet.“ Deshalb setzt der Waldbauer bei der Wiederbewaldung seiner Schadflächen neben der Buche auf eine breite Baumartenpalette, die sowohl heimische als auch fremdländische Baumarten umfasst.

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