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Jungbäume pflanzen: So vermeiden Sie Fehler

Bei der Frühjahrsaufforstung müssen Pflanzen in kurzer Zeit kostengünstig gesetzt werden. Die Anforderungen an die Arbeitskräfte und Logistikkette sind extrem. Achten Sie vor allem auf die Wurzel.

Lesezeit: 5 Minuten

Unser Autor: Josef Krogger, Abteilung Forstwirtschaft, LK Steiermark, Graz

Vielen Waldbauern ist es gar nicht wirklich bewusst: Aber die bestmögliche Wurzelentwicklung ist ein entscheidender Faktor für die Vitalität und Stressresistenz der Bäume für die gesamte Umtriebszeit. Unsachgemäße oder schlampige Pflanzung kann zu extremen Wurzeldeformationen führen.

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Gefahr deformierter Wurzeln

Die Arbeitsqualität und Sorgfalt beim Setzen ist ausschlaggebend. Besonders ist dabei auf einen sorgfältigen Wurzelschnitt zu achten. Nur unter diesen Voraussetzungen können die Wurzeln in eine möglichst natürliche Ausrichtung und Verteilung gebracht werden.

Die Forstpflanze hat von der Aussaat im Forstgarten über Verschulung mit Wurzelunterschneidung und Transport zur Aufforstungsfläche zahlreiche Beeinträchtigungen durchgemacht. Wurzelbeschädigungen wie Austrocknung oder Verkümmerungen bleiben nicht aus. Wurzeldeformationen werden bei der Pflanzung durch falsche Pflanzverfahren und hohen Zeitdruck zusätzlich verstärkt. Von Wurzeldeformationen spricht man, wenn Wurzeln geknickt oder verkrümmt sind. Dadurch weichen sie von ihrer ursprünglichen Wuchsrichtung ab.

Die Ergebnisse langjähriger Forschungen am Wurzelsystem (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft LWF) und Versuche zur Bodenverankerung verschiedener Pflanzmethoden (BFW Wien) haben die Bedeutung der Wurzelentwicklung für die Bestandesstabilität eindrucksvoll nachgewiesen.

Als Maßstab für eine vom Menschen weitgehend unbeeinflusste, auf dem jeweiligen Standort mögliche Wurzelentwicklung dienten natürlich verjüngte und gesäte Bäume. Wurzelgrabungen an 30- bis 40-jährigen Bäumen zeigten, dass sich Wurzeldeformationen leider auch langfristig eher verfestigen.

Einmal eingeschlagene Wurzelrichtungen verändern sich kaum. 71% aller gepflanzten zehnjährigen Laubbäume wiesen stärkere, d.h., ausgeprägte bis extreme Hauptwurzeldeformationen auf. Bei Naturverjüngung oder Saat waren es hingegen nur 21%.

Unabhängig von Standort und Baumart lag der Anteil an deformierten Wurzeln auf allen Pflanzungsflächen um ein Vielfaches höher. Die Wurzeldeformationen waren nicht nur häufiger, sondern auch hochsignifikant stärker ausgeprägt. Fast jeder fünfte gepflanzte Laubbaum hatte in zehn Jahren keine neuen Wurzeln in die Tiefe gebildet. Bei der Naturverjüngung war es „nur“ jeder fünfundzwanzigste.

Max. Wurzeltiefe geht zurück

Stärkere Hauptwurzeldeformationen an den Tiefenwurzeln führen zu einem deutlichen Rückgang der maximalen Wurzeltiefe. Extrem deformierte Wurzeln erreichen nach zehn Jahren in der Regel nur zwei Drittel der Wurzeltiefe von schwächer deformierten Wurzeln.

Für die Stabilität bzw. Verankerung im Boden ist nicht nur die maximale Wurzeltiefe, sondern auch das Wurzelbild von Bedeutung. Dies ist die Anordnung, Anzahl und Stärke der Wurzeln in den unterschiedlichen Tiefenstufen. Je stärker die Wurzeln bei der Pflanzung deformiert werden, desto häufiger bilden sie Flachwurzelsysteme aus.

Pfahlwurzeln, in der Jugend v.a. bei Bergahorn, Eiche und Buche sehr häufig, ließen sich nur selten erkennen. Die ausgeprägte Pfahlwurzel der Eiche muss aus pflanztechnischen Gründen unterschnitten werden. Damit verliert aber gerade die Eiche ihr typisches Wurzelbild und ihre hohe Wurzelenergie, um auch verdichtete oder wechselfeuchte Bodenhorizonte erschließen zu können.

Fichte besonders betroffen

Die Winkelhaue wurde für kleine Fichtensortimente entwickelt und hat sich als das gängigste Pflanzverfahren durchgesetzt. Der steigende Wunsch, möglichst große Pflanzen zu setzen, um die Kulturpflegekosten zu minimieren, trägt dem aber nicht Rechnung. Es kommt zwangsläufig zu Wurzeldeformationen.

Selbst Pflanzlochbohrer bieten keine Gewähr, da es bei schlampiger oder unsachgemäßer Pflanzausführung zu Stauchungen oder zu zu tief gesetzten Pflanzen kommen kann. Jedes Verfahren (Buchenbühler Verfahren oder Rhodener Verfahren) oder Gerät (Winkelhaue, Hohlspaten, Erdbohrer) ist nur so gut, wie gewissenhaft und sorgfältig gearbeitet wird.

Containerpflanzen bieten den Vorteil, dass mit dem entsprechenden Setzgerät der passgenaue Zylinder ausgehoben wird und der Wurzelkörper ohne Wurzelverletzungen eingesetzt werden kann. Auf schweren lehmigen Böden sollte aber auch bei Containerpflanzungen der Boden und der Wurzelkörper aufgelockert werden, um eine gute Wurzelentwicklung zu gewährleisten.

Fünf Schritte zum Erfolg

Um Fehler beim Pflanzen zu vermeiden, empfehlen wir, nach den folgenden fünf Schritten vorzugehen:

  • Bestände möglichst natürlich verjüngen! Natürlich verjüngte Bäume weisen grundsätzlich geringere Wurzeldeformationen auf. Man wird aber trotzdem nicht überall auf die Pflanzungen verzichten können.



  • Möglichst kleine Pflanzen verwenden! Kleine Pflanzensortimente mit geringerer Wurzellänge können wurzelschonender gesetzt werden. Die Manipulation im Forstgarten ist schonender möglich.



  • Hochwertige Pflanzenqualität verwenden! Gekrümmte, verletzte Wurzeln oder fehlende Feinwurzeln beeinträchtigen die Wurzelentwicklung.



  • Richtiges Pflanzverfahren nach Wurzelgröße auswählen! Die Wurzeln müssen vollständig und ohne Krümmungen in das Pflanzloch eingebracht werden. Die Wurzel darf nicht für ein ungeeignetes Verfahren zurechtgeschnitten werden. Es sollen keine Wurzeln über 5 mm Durchmesser gekappt werden.



  • Sorgfältig pflanzen! Jedes Pflanzverfahren ist aber nur so gut wie seine Anwendung. Sowohl zu geringe als auch zu tiefe Pflanzlochtiefe kann zu Verkrümmungen oder Stauchungen der Wurzeln führen. Halten Sie die Pflanze beim Verfüllen des Pflanzloches immer und ziehen Sie leicht an. Schützen Sie sie gut vor Austrocknung im Pflanzsack und schlagen Sie sie bei längerer Zwischenlagerung gut in Erde ein.

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