Warnung

Wälder schwer geschädigt durch Dürre

In vielen Städten und Gemeinden werden diese Woche teils über 100 Bäume gefällt, weil sie sich nicht mehr von der Trockenheit 2018 erholt haben. Förster schlagen Alarm.

„So krank wie heute waren unsere Wälder noch nie“, stellte diese Woche ein Förster im Interview mit dem WDR fest. Grund ist die Trockenheit aus dem Sommer 2018, gefolgt von einem sehr trockenen Winter. Das hätten die Bäume noch verkraftet, doch die neuerliche Dürre gebe vielen Buchen und Birken nun den Rest, so der Fachmann.

Aus immer mehr Kommunen, z.B. in Nordrhein-Westfalen, kommen diese Woche Meldungen, dass trockene Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen. Laut Landesbetrieb Wald und Holz sind seit Anfang 2018 bereits 5 Mio. Bäume durch die Trockenheit abgestorben oder einem Sturm zum Opfer gefallen. Je nachdem wie lange die aktuelle Trockenperiode anhält, könnte sich diese Entwicklung noch beschleunigen.

Die geschwächten Bäume könnten sich nicht mehr gegen Schädlinge, Pilze und Bakterien wehren. Es ist bereits davon die Rede, dass einige Stadtparks und Naherholungsgebiete komplett neu bepflanzt werden müssten; dann mit neuen Sorten der Eiche und Feldahorn, aber auch Ginkgo. Und im Sauerland könnte das befürchtete Waldsterben für viele Nutzholzbetriebe das Aus bedeuten. Schon jetzt sind die Marktpreise für Holz massiv gefallen. Bleibt der Regen weiter aus, wird das Überangebot weiter steigen, so der WDR.

Abtransport kostet über 2 Mrd. Euro

Die deutschen Waldbesitzerverbände schätzen unterdessen, dass aus dem letzten und diesem Jahr 70 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen. Allein der Abtransport koste mehr als zwei Milliarden Euro. Die Verbände rechnen damit, dass durch Dürre und Borkenkäfer bereits mehr als 100.000 Hektar Wald zerstört worden sind. Für die Wiederaufforstung müssten etwa 300 Bäume gepflanzt werden. Kostenpunkt: weitere 640 Millionen Euro.

Massive Waldschäden in Oberfranken befürchtet

Mit großen Waldschäden in Oberfranken rechnet auch die Forst-Gewerkschaft IG BAU. Die Dürre könnte schwerwiegende Folgen für die Forstwirtschaft in der Region haben, so der Bezirksvorsitzende der Forst-Gewerkschaft, Gerald Nicklas. Bei Fichten, Kiefern und Tannen gehe es langfristig ums Überleben.

Nadelbäume machen etwa zwei Drittel des bayerischen Waldes aus. Statistisch gesehen sind vier von zehn Nadelbäumen Fichten, die besonders unter dem Dürre-Stress leiden, zitiert der Bayerische Rundfunk Nicklas. Laut IG BAU würden bereits junge Bäume vom Borkenkäfer befallen. Üblicherweise befällt er ältere Bäume mit dicker Rinde.

Die Gewerkschaft befürchtet aufgrund dieser Umstände in einigen Jahren massive Ausfälle bei der Holzernte. Sie fordert eine neue Waldstrategie, um den Forst vor dem Klimawandel zu schützen. Dazu gehörten laut IG BAU mehr Mischwälder, mehr Förster und Waldarbeiter sowie weniger Gewinninteressen beim Blick auf den Wald.

Thüringer Buchen in Gefahr

Den Buchen geht es schlecht (Bildquelle: pixabay.de / Marek Kokeš )

Auch im Thüringer Wäldern sind die Schäden so hoch wie seit 70 Jahren nicht. Seit etwa fünf Wochen beobachten die Forstleute, dass auch Buchen stark unter der Trockenheit leiden. Viele der Laubbäume sind nicht mehr zu retten.

Ein Förster sagte gegenüber dem MDR, die Buchen produzierten gerade verstärkt Bucheckern, als ob sie kurz vor dem Tod noch einmal Samen verteilen möchten. Als letztes Aufbäumen könne man das deuten. Von einer "ziemlich üblen Situation" sprechen Fachleute. Niemand wisse, wo das enden wird. Betroffen seien Buchen vor allem an sogenannten "Kampfstandorten": Wo es wenig Oberboden gibt, der Untergrund Wasser nicht so gut speichert, wo die Bäume sehr lange der Sonne ausgesetzt sind – an Süd- oder Südwesthängen beispielsweise.

Von einer "absoluten Buchen-Vitalitätsschwäche" spricht Corinna Geißler, die Leiterin des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums in Gotha, im MDR. Großflächig trete das Buchensterben beispielsweise bei Sondershausen auf – das sehe sie mit Sorge. Vom zuständigen Landesministerium kamen vor einigen Tagen erste Zahlen: 1.300 ha Schadensfläche bei der Buche – 200.000 Festmeter Schadholz. Zum Vergleich: Beim Nadelholz werden in diesem Jahr in Thüringen zwischen einer und 3 Mio. Festmeter Schadholz erwartet.

Auch wirtschaftlich kommt vermutlich ein großer Verlust auf die Waldbesitzer zu, so der MDR weiter. Das Forstamt Hainich-Werratal schätzt, dass so viel Buchen geschädigt sind, wie sonst im Jahr eingeschlagen werden. Und bis zur Holzernte im Herbst dürften Insekten und Pilze den Wert des Holzes schon deutlich gemindert haben, so die Sorge.

Fest steht: Der Klimawandel beschleunigt den Waldumbau. Vor acht Jahren hatten Forstbehörden noch Baumartenempfehlungen bis zum Jahr 2050 herausgegeben. Das scheint nun schneller zu gehen. Für Waldbesitzer eine große Herausforderung, für die Förster eine dramatische Situation.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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