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topplus Ackern in Europa

Länderübergreifend: Wie ein Landwirt zwei Betriebe in zwei EU-Ländern managt

Maximilian Rothkopf bewirtschaftet zwei Höfe, einen in Deutschland, einen in Frankreich – und hat so eine ungewöhnliche Kombination aus trubeliger Direktvermarktung und planbarem Ackerbau gefunden.

Lesezeit: 5 Minuten

Es ist Spargel- und Erdbeerzeit. Im Hofladen von Familie Rothkopf bei Euskirchen in Nordrhein-Westfalen freuen sich die Kunden über die frische Ware. Mitten im Trubel steht Landwirt Maximilian Rothkopf. Zum Saisonstart steckt sein Alltag meist voller Überraschungen.

Gerade koordiniert er die Saisonarbeitskräfte, dann klingelt das Handy: Einer der drei Standorte für die Direktvermarktung braucht gerade dringend Nachschub. „In Deutschland bin ich ständig unterwegs, springe ein oder koordiniere mit unseren Partnern die Direktvermarktung“, erklärt er. In Frankreich ginge es dagegen deutlich ruhiger zu.

Ackerbau und Sonderkulturen

Maximilian Rothkopf bewirtschaftet 60 km nordöstlich von Paris eigenverantwortlich einen Ackerbaubetrieb in Alleinlage mit 450 ha. Rund um die Betriebsstätte baut er Zuckerrüben, Gerste, Weizen und Raps an.

In Euskirchen bewirtschaftet er mit seiner Familie zudem einen breit aufgestellten Betrieb mit Direktvermarktung. Hier wachsen u. a. Kartoffeln, Spinat, Erbsen, Bohnen, Spargel und Erdbeeren. Rothkopfs verkaufen ihre Produkte im Hofladen, an drei weiteren Standorten sowie an Händler und die verarbeitende Industrie.

Nordöstlich von Paris

Wenn er „Frankreich“ sagt, meint der 30-Jährige einen 450 ha großen Ackerbaubetrieb in der Nähe von Compiègne. Die Stadt liegt etwa eine Stunde nordöstlich von Paris (siehe Infos im Kasten). Einmal im Monat setzt sich Maximilian Rothkopf ins Auto und kommt knapp 450 km und viele Telefonate später an der zweiten Hof­stelle an. „Dafür hab ich's vor Ort nicht mehr weit“, sagt er und lacht. Denn die arrondierten Flächen sind im Umkreis von maximal neun Kilometern erreichbar. Nach ein bis zwei Tagen inklusive viel Papierkram geht es dann meist schon zurück nach Deutschland.

Es war Maximilian Rothkopfs Urgroßvater, der den damals 150 ha großen Betrieb gekauft hatte, um die Flächen zu verpachten. 1998 entschieden dann seine Eltern, ihn selbst zu bewirtschaften. Aktuell plant Familie Rothkopf die Gründung einer GbR; Maximilian ist bereits jetzt hauptverantwortlich für den französischen Betrieb.

„Man kann viel von den Franzosen lernen, z. B. Pausen einzulegen.“
Maximilian Rothkopf

Eine andere Mentalität

Für das Tagesgeschäft in Frankreich beschäftigt er einen festen Mitarbeiter. In Deutschland hält ihm die Familie den Rücken frei; sein zwei Jahre jüngerer Bruder kümmert sich ums Alltagsgeschehen. Vor allem dann, wenn Maximilian Rothkopf für die Aussaat und Ernte längere Zeit in Frankreich verbringt. „Egal, ob es viel zu tun gibt oder nicht: Ich freue mich eigentlich immer, wenn ich losfahre“, sagt er. Scherzend fügt er hinzu, dass er des Öfteren gefragt werde, warum er seinen Lebensmittelpunkt nicht nach Compiègne verlegen würde. „Es ist schön dort, aber hier bin ich zu Hause“, stellt er klar und deutet auf den heimischen Hof, die Kartoffelhalle und das einladende Wohnhaus der Familie.

Was Frankreich für ihn so besonders macht? „Verschiedene Dinge“, überlegt er laut. Da wären die Weitläufigkeit der Landschaft und die etwas anderen Arbeiten im Ackerbau. „Es ist ruhiger und planbarer, das mag ich. Das Wetter ist im Prinzip das Einzige, was mir einen Strich durch die Rechnung machen kann“, sagt er.

Außerdem genießt der Rheinländer die angenehme Mentalität der europäischen Nachbarn. „Ich fühle mich dort einfach sehr wohl. Es sind Kleinigkeiten, an denen ich das feststelle. Da wäre beispielsweise die Mittagspause: Sie ist ein ungeschriebenes Gesetz bei den Franzosen und sehr wichtig“, weiß er. Eine bis anderthalb Stunden gehe nichts, weil alle sich ausruhen würden. „Hier in Deutschland fällt das im täglichen Trubel schnell unter den Tisch. Doch es tut wirklich gut. Davon kann man lernen“, sagt er mit Nachdruck.

Spannend sei es als Landwirt, Einblick in beide Länder zu bekommen – sowohl politisch als auch gesellschaftlich. „Die Entscheidungen zu Pflan­zenschutzmitteln oder Düngereinsatz kommen zwar identisch aus Brüssel. Jedoch werden sie verschieden gelebt“, berichtet er. Auch den Zusammenhalt unter den Berufskollegen nimmt der Agrarwissenschaftler in Frankreich stärker wahr als in Deutschland. Das merke er zum einen, wenn er mit Landwirten aus der Umgebung spreche. Zum anderen würden sich die franzö­sischen Bauern gezielter für ihre Belange einsetzen.

Kommunikationsprobleme gäbe es beim Plausch am Feldrand keine. Auch in bürokratischen Angelegenheiten lassen ihn seine Sprachkenntnisse nicht im Stich. Schließlich hat das regelmäßige Üben sein Schulfranzösisch weit vorangebracht. „Es hilft aber auch sehr, dass unser Mitarbeiter mitbekommt, was vor Ort los ist und welche Themen gerade anstehen“, betont Maximilian Rothkopf. Sein Kollege sei bei den Bauernversammlungen im Dorf immer dabei.

Wertschätzung für die Arbeit

Besonders stark fallen ihm daneben aber die Unterschiede bei der Wertschätzung heimischer Produkte auf. „Für mein Gefühl hat die Landwirtschaft in Frankreich einen deutlich höheren Stellenwert. Die Verbraucher haben auf andere Weise Interesse an den Lebensmitteln“, sagt er.

Das Image der Landwirte ist ein Thema, das ihn nach der erledigten ­Arbeit in Frankreich oft über die Au­tobahn zurück nach Hause begleitet: „Ich möchte der Natur Gutes tun und bin bereit, viel dafür zu machen – aber es muss praktisch umsetzbar sein“, sagt er nachdenklich. „Manchmal wird es aber so hingestellt, dass wir Landwirte immer nur Dünger und Profit wollen. Doch wir müssen mit dem Boden und den Lebewesen arbeiten. Das ist uns sehr bewusst.“

Für die Zukunft hat sich Maximilian Rothkopf vorgenommen, weiter breit aufgestellt zu sein, sich aber nicht zu verzetteln. „Ansonsten bin ich mit der Frankreich-Deutschland-Kombination sehr zufrieden“, sagt er. „Dort habe ich Ruhe und Weite, hier Nervenkitzel und Trubel. Damit fahre ich ganz gut.“

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