Grüne Woche

Bäuerinnenforum: Stecken Landwirte in einer Filterblase?

Eine hitzige Diskussion über die Außenwirkung der Landwirtschaft und eine gesellschaftlich akzeptierte Agrarpolitik gab es beim Bäuerinnenforum des Deutschen Landfrauenverbandes.

Gut 200 Zuschauer kamen am vergangenen Samstag nach Berlin, um am diesjährigen Bäuerinnenforum teilzunehmen. Der Gesellschaftsvertrag sowie der Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern standen dabei im Fokus der Diskussion. Das Podium forderte die Bäuerinnen und Bauern auf, sich mit Kritikern auseinanderzusetzen und auf die NGOs zuzugehen, um in festgefahrenen Konflikten Brücken zu schlagen. Es sei wichtig, den Dialog in Gang zu bringen.

In ihrem Grußwort nahm Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes (dlv), Landwirte und Konsumenten gleichermaßen in die Verantwortung. In der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion mangle es an einer gemeinsamen Vision. Alle Parteien seien aufgefordert, auch verbal abzurüsten, so die Präsidentin. „Die Dynamik und Energie der letzten Monate müssen wir nutzen, um konstruktiv über die Zukunft der Landwirtschaft zu sprechen“, sagte sie.

Die Sichtweise der Medien

Wie es gelingen kann, Brücken zu bauen, und welche Außenwirkung die aktuelle Kommunikation der Landwirtschaft hat, zeigte Dirk Fisser, Redakteur bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, auf. So lebten die Bäuerinnen und Bauern vor allem in den sozialen Netzwerken in einer Filterblase. Statt mit der Gesellschaft ins Gespräch zu kommen, schotteten sie sich in geschlossenen Gruppen ab. Argumente von außen würden hier nicht aufgenommen, sondern vehement abgelehnt.

Er appellierte an die Bauern, auch auf die NGOs zuzugehen und einen Friedensschluss zu ziehen. Bei vielen Forderungen sei man nicht weit voneinander entfernt. Ihm zufolge sind es nicht die NGOs, die Politik oder die Medien, die das Bild der Landwirtschaft prägen, sondern die Betriebe, die eine schlechte Praxis an den Tag legen. „Die Branche ist nicht stark genug, um sich von schwarzen Schafen zu distanzieren“, sagte er. Offener und nicht in einer frontalen Abwehrhaltung auf Kritiker zuzugehen, könne die festgefahrene Diskussion ggf. eher wieder in Gang setzen.

In der anschließenden Diskussionsrunde griff Juliane Vees, erste Vizepräsidentin des dlv, das Thema wieder auf. Sie mahnte, nicht nur die Probleme, sondern auch die soziale Situation auf den Höfen zu betrachten. Politischen Rahmenbedingungen lasten schwer auf den Schultern zahlreicher Landwirtsfamilien.

Plattform zum Dialog

Dr. Klaus Heider vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft stellte in seinem Impulsvortrag dar, dass die Akzeptanz der modernen Landwirtschaft davon abhänge, wie konstruktiv der Berufsverband an der Bewältigung der Herausforderungen mitarbeite. Das Ministerium schaffe mit der Einrichtung der „Zukunftskommission Landwirtschaft“, die an diesem Dienstag (21.01.2020) mit dem nationalen Dialogforum starte, eine Plattform, um die bestehende Konflikte im gemeinsamen Dialog zu lösen.

Seitens der Politik plädierte ebenso Dr. Christiane Paulus, Abteilungsleiterin vom Bundesumweltministerium, dafür, stärker auf die Gemeinsamkeiten von Umweltschutz und Landwirtschaft zu schauen. „Dialog heißt aber auch zuzuhören und nicht nur zu versuchen, die eigene Meinung durchzusetzen“, sagte sie.

Rolf Brauch, Referent der evangelischen Landeskirche Baden, erinnerte in der Podiumsdiskussion noch einmal an den biblischen Auftrag an die Landwirte gleichermaßen zu schützen und zu nützen.

Die Bauern sind mit ihren Hofstellen nicht nur aus den Dörfern, sondern auch aus den Herzen der Bürger ausgesiedelt - Rolf Brauch

Es sei an der Zeit, die Landwirte zurück in die Gesellschaft zu holen. Doch dies gelinge nur durch konkrete Maßnahmen, die die positive Arbeit und die Bereitschaft zum Wandel der Landwirte für die Gesellschaft sichtbar machen. Sich in Diskussionen zu verstricken, sei nicht zielführend.


Diskussionen zum Artikel

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von Martin Krautter

Filterblase

Die Landwirtschaft lebt in keiner Filterblase, sondern nimmt vielmehr alles in Ihrem Umfeld sehr kritisch war. Den Vorwurf mit der Filterblase muss man an die Journalisten zurück geben welche sich viel zu wenig für die Landwirtschaft interessieren und ihre Informationen von einschlägigen NGO,s holen. Und wie soll man als Landwirt auf den Nabu-Landesvorstand von Baden-Württemberg Johannes Enssle zugehen, welcher am 12.12.2019 in Vaihingen/Enz bei einer Podiumsdiskussion bei den Grünen, wörtlich sage, "Die Bauern brauchen wir nicht zur Nahrungsmittelproduktion"?

von Gebhard Aierstock

Sichtweise der Medien!?

Heute schreibt ein Kommentator unsrer Zeitung: Nicht weg zu diskutieren sei die Nitratbelastung im Boden, die stellenweise so hoch sei, dass die Klärwerke mit Reinigung kaum noch nachkommen

von Johann Schneider

Warum

Schreiben hier nur Männer? Ich möchte gern die Meinung von Bäuerinnen zu dem Thema lesen.

von Willy Toft

Will die Gesellschaft auf uns zukommen, oder müssen wir uns bemühen, das angeschlagene....

Image wieder aufzupolieren? Wir können eigentlich nichts dafür, da werden Feldspritzen und Güllewagen als Konfliktpotenzial in den Medien missbraucht, und wir müssen sehen, wie wir es wieder glatt bügeln! Und es ist die Art, wie die Protagonisten von Moderator angegangen werden. Wir lernen jeden Tag dazu, und wir werden uns nicht für Dumm verkaufen lassen, denn wir haben es von der Pike auf gelernt, wie wir mit den Tieren, den Boden und er Umwelt umgehen sollen! Eine Holschuld können wir ausschließen, also werden wir auf die Bevölkerung zugehen.

von Lars Henken

Landwirte in der Filterblase?

Als ich diesen Artikel gelesen habe, bin ich ja fast hinten rüber gekippt. Es sind also die dummen, isolierten Bauern, in ihrer Filterblase, die sich gefälligst der Gesellschaft anzubiedern haben und wenn die Gesellschaft ruft spring, gleich zu fragen wie hoch? Wenn Peta und Konsorten ein Ende der Tierhaltung fordern und den Unfalltod durch Nutztiere im Internet bejubeln, soll man auf sie zugehen? Und gerade die Kirche muss große Reden schwingen, schließlich zeigt sich die Kirche im Tagesgeschäft oftmals genauso weltlich wie alle anderen. Wenn diese Herrschaften so genau wissen, was die Bauern zu tun haben, dann frage ich mich, warum sie nicht selbst, abgesehen von Frau Vees, Landwirtschaft betreiben? Mal ganz ehrlich, ich habe 3 Söhne und jeder hätte das Potential meinen Hof zu übernehmen, aber wenn ich solche Berichte lese, dann kann ich nur davon abraten. Kompromisse verlangen beiden Seiten etwas ab, sonst ist es kein Kompromiss, sondern eine Unterwerfung. Dieser Text mag recht scharf formuliert sein, aber mir Platz gerade wirklich etwas der Kragen, wenn ich diese dekadenten Aussagen lesen.

von Wilhelm Grimm

Herr Fisser als Vertreter der Medien steckt selbst in einer Filterblase.

Seine Aufgabe wäre es gewesen, nicht blindlings in die Falle der NGOs und damit des Bundesumweltministeriums zu stolpern, wie bei der für uns entscheidenden Frage der Grundwassermessstellen. Aber es ist natürlich einfacher, den Herrschenden zu dienen und deren Meinungen unkritisch zu folgen. Und Herr Brauch sollte mindestens dem biblischen Auftrag zur Wahrheit folgen und nicht falsches Zeugnis über einen ganzen Berufsstand verbreiten. Wir seien aus den Herzen der Bürger ausgesiedelt, ist eine typische inhaltsleere Worthülse. Ich bin Landwirt am Rande einer Großstadt und habe mit den Bürgern überhaupt keine Probleme. In Gesprächen berichten diese mir dann, was sie in den Medien über die Untaten und Verfehlungen der Landwirte gelesen hätten und wollen von mir die echte Wahrheit wissen. Wir haben unseren Beruf gelernt und üben diesen nach bestem Wissen und Gewissen und noch mehr Fachwissen aus. Daran mache ich keine Abstriche und finde die Dreistigkeit und Unkenntnis mancher Medien - und Kirchenvertreter erschreckend.

von Rudolf Rößle

Redakteur Herr Dirk Fisser

In Oldenburg gibt es viele tolle Rinderzuchtbetriebe. Einfach mal nicht überall was abschreiben, sondern das Telefon in die Hand nehmen und mit den Bauern einen Gesprächstermin vereinbaren.

von Rudolf Rößle

Schauen wir die jüngere Generation an, die aus der LWS stammten.

Sie verpachten Flächen. Wissen aber nicht wann man sät und erntet . Können oft nicht mal Heu von Stroh unterscheiden. Urlaub und Freizeit, dazu eine schmucke Wohnung stehen ganz oben auf der Wunschliste. Da interessiert die LWS überhaupt nicht. Nur wenn Grill oder Freizeitradeln angesagt ist, sollten die Bauern nicht Gülle fahren oder PSM ausbringen. Schaut man auf die Smartphones sind Technikvideos und Blödeleien mit Fahrzeugen an erster Stelle. Die Werbeslogans des LEH sind bedeutender, als sich schlau machen zu wollen. Friday for future, bringt die gesamte Erwachsenenwelt in die Schmuddelecke ohne Ausnahme. Vieles wissen die Kids gar nicht, sonst hätten sie noch viel mehr unterschiedliche Plakate.

von Carsten Gosch

Schon wieder seine “ Filterblase”

Herr Fisser behauptet nicht NGO’s, Politik und Medien prägten das Bild der Landwirtschaft. Da frage ich mich schon, wer da in einer “Filterblase” lebt. Eine landwirtschaftsferne Gesellschaft kann sich ja nur über die Medien informieren. Beispielhaft war das erst am Sonntagabend zu bestaunen (NDR 1, 18 Uhr, Zur Sache ), als eine scheinbar uninformierte, unvorbereitete und mit einer vorgefassten Meinung daherkommende Moderatorin immer wieder die Landwirtschaft in eine bestimmte Ecke zu draengen versuchte. Beim konventionellem Landwirt und dem Vertreter des Bauernverbandes wurde ständig kritisch nachgefragt, während der Biolandwirt und ein Professor f. Ökologie der Uni Kiel teilweise frei Ihren Unsinn verbreiten konnten.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

"Dialog heißt aber auch zuzuhören

und nicht nur zu versuchen, die eigene Meinung durchzusetzen." Das ist schon dreist was hier die Vertreterin des BMU von sich gibt. Das BMU versucht doch einen Alleinvertretungsanspruch für die Wahrheit in Bezug auf die Landwirtschaft durchzusetzen. Die Ministerinnen kümmerten sich doch seither keinen Deut um die Menschen auf den Höfen die Sie mit Ihren zum Teil kontraproduktiven Vorgaben drangsalierten.

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