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Hochstamm Deutschland e.V.

4 €/h brutto: Bundesweites Monitoring zeigt, was Streuobst wert ist

Bei den aktuellen Preisen kommen Streuobstbewirtschafter etwa auf einen Stundenlohn von 4 €, Nebenkosten wie Grundsteuer, Berufsgenossenschaft, Sprit und Geräte nicht eingerechnet.

Lesezeit: 2 Minuten

Streuobstbewirtschafter bekommen meist einen geringen Stundenlohn für ihre Ernte. 122 Mostobstliefernde teilten im bundesweit ersten Preisbarometer mit, welche Preise Safthersteller und weitere Abnehmer für das Mostobst bezahlen. Der Verein Hochstamm Deutschland zeigt die erstaunlichen Ergebnisse der Saison 2021.

Laut dem Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF) rechneten die Verarbeitungsunternehmen 2021 mit rund 300.000 t Mostobst. 133 t hiervon ernteten die Teilnehmenden des Preisbarometers. Dies entspricht zwar nur rund 0,044 % der Gesamterntemenge in Deutschland. Dennoch zeigen die Ergebnisse, in welchen Spannweiten Safthersteller und weitere Verarbeiter ihre Erzeuger entlohnten – inklusive überraschender Details.

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Höchster Preis für konventionelles Obst

Den insgesamt höchsten Preis laut dem Preisbarometer von Hochstamm Deutschland e.V. zahlte eine Initiative in Obstwestfalen: 30 €/dt für konventionelles Mostobst – eine absolute Ausnahme in der Mostobstwelt. Über 10 €/dt niedriger lag der Höchstpreis für Bio-Mostobst, den mehrere Keltereien und Initiativen v.a. aus Süddeutschland meist im Rahmen eines Abnahmevertrags bezahlten.

Durchschnittlich erhielten die Lieferanten über die gesamte Saison und deutschlandweit gesehen auf Grundlage der eingegangenen Meldungen aus der Praxis folgenden Preise:

  • 9,86 €/dt für konventionelles Obst
  • 16,44 €/dt für Bio-Mostobst Bio und konventionell mit negativen Ausreißern

Vor Ende September 2021 zahlten abnehmende Keltereien und Unternehmen niedrigere Preise als in der späteren Saison. Das unterste Limit lag in der Abfrage bei 6 €/dt – sowohl für konventionelles Mostobst als auch für Bio-Mostobst. Beides lief über einen Zwischenhändler. Damit lag dieser Preis mehr als 14 €/dt unter dem Mindestpreis von 20 €/dt, den verschiedene Vertreter aus Natur- und Streuobstschutz als fairen Auszahlungspreis ansehen.

Aber auch die Durchschnittspreise zeigen: Die Bewirtschaftenden erzielen über den Mostobstpreis in der Mehrheit der Fälle nicht einmal den Mindestlohn und angemessene Wertschätzung für ihre wertvolle Arbeit. Das Zitat eines Abfrageteilnehmers bringt es auf den Punkt: „Bei den aktuellen Preisen kommt man etwa auf einen Stundenlohn von 4 €, Nebenkosten wie Grundsteuer und Beiträge an die Berufsgenossenschaft und natürlich Benzin und Geräte nicht eingerechnet.“

Martina Hörmann, Vorsitzende des Vereins zeigt sich wenig überrascht über die Auszahlungspreise und appelliert in erster Linie an die Bewirtschaftenden selbst: „Wir haben in Deutschland eine atomistische Angebotsstruktur, das heißt viele Lieferanten, wenige Abnehmende. Für eine stärkere Position, die auch Preisverhandlungen ermöglicht, ist ein Zusammenschluss von Erzeugenden sehr wichtig.“ Sie verweist beispielsweise auf die Chancen von Erzeugerzusammenschlüssen, innovativen Produkten abseits vom klassischen Apfelsaft und die Notwendigkeit zum Aufbau starker Wertschöpfungsketten.

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