ASP in Belgien weitet sich auf fünf Fälle aus und steigt weiter an

Die Afrikanische Schweinpest (ASP) ist in Belgien weiter auf dem Vormarsch. Das belgische föderale Agrarministerium bestätigte am Wochenende, dass drei weitere ASP-Virusinfektionen bei toten Wildschweinen nachgewiesen worden seien. Belgien reagiert mit drakonischen Maßnahmen: Fahr- und Jagdverbot auf 63.000 Hektar

Die Afrikanische Schweinpest (ASP) ist in Belgien weiter auf dem Vormarsch. Das belgische föderale Agrarministerium bestätigte am Wochenende, dass drei weitere ASP-Virusinfektionen bei toten Wildschweinen nachgewiesen worden seien. Belgien reagiert mit drakonischen Maßnahmen: Der wallonische Landwirtschaftsminister René Collin verhängte ein absolutes Fahrverbot für eine 63.000 Hektar umfassende Risikozone in der belgischen Provinz Luxemburg. Auch alle Jagd- und Forstaktivitäten wurden bei Androhung von Strafen mit sofortiger Wirkung am Montag verboten.
 
Die EU-Seuchenexperten rechnen mit täglich weiter ansteigenden ASP-Fällen von bis zu 400 oder 500 Wildschweinen, die in nächsten Tagen und Wochen verenden werden. Über Szenarien zur Isolierung und Abgrenzung der infizierten Tiere in der Risikozone wollen sich die belgischen Verantwortlichen am morgigen Dienstag mit den französischen und luxemburgischen Land- und Forstwirtschaftsministern sowie Veterinärexperten austauschen.
 
Ist die Einzäunung der Risikozone ein probates Mittel zur Eindämmung?
Dann soll auch über eine mögliche Errichtung von Schutzzäunen und einer kontrollierten Einkesselung der Wildschweinpopulationen zwischen den dichten Mischwaldregionen und landwirtschaftlichen Flächen der luxemburgischen Provinz in der belgischen Wallonie entschieden werden.
 

Walloniens Landwirtschaftsminister René Collin kündigte drakonische Maßnahmen an und erwägt einen Zaun um das 63.000 Hektar große Risikogebiet zu ziehen (Bildquelle: Parlament Wallonien)

Der wallonische Landwirtschaftsminister kam nicht mit leeren Händen am Montagmittag zur Unterredung ins Kommissionsgebäude Berlaymont. Er unterrichtete EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis über die mit sofortiger Wirkung beschlossenen Maßnahmen des für mindestens einem Monat verhängten Jagdverbots und aller forstlichen Arbeiten sowie eines Total-Verkehrsverbotes in einer 63.000 Hektar umfassenden Risikozone.
 
In dieser an die französischen und luxemburgischen Grenzen heranreichende Zone, die 14 Gemeinden der südlichen Provinz Luxemburg und 60 Schweinemastbetriebe umfasst, ist ab sofort nur noch Seuchenexperten und Sicherheitskräften der Zutritt erlaubt. Auch den in der Risiko-Zone befindlichen landwirtschaftlichen Betrieben ist eine Ausfahrt mit Fahrzeugen jedweder Art untersagt. Die wallonischen und föderalen Behörden wollen damit eine Verschleppung über kontaminierte Transport- und Arbeitsgeräte unterbinden.
 
Ducarme setzt Thema ASP auf Tagesordnung der EU-Agrarminister in Wien
An der Krisensitzung in der EU-Kommission nahmen ebenso der föderale Agrarminister Denis Ducarme und der flämische Landwirtschaftsminister sowie Seuchenexperten der belgischen föderalen Lebensmittelsicherheitsbehörde (AFSCA) und EU-Experten teil.
 
In der EU-Hauptstadt ist klargeworden, dass ASP nicht länger ein isoliertes Problem der baltischen Staaten darstellt, sondern mit den aufgetretenen Fällen in Belgien nun mehr Westeuropa erreicht und zu einer gesamteuropäischen bedrohlichen Dimension angewachsen ist.
 
Bisher gibt es nur Vermutungen, wie das für Menschen ungefährliche, aber für Wild- und Hausschweine tödlich wirkende Virus die rund 600 Kilometer Distanz von Polen und Tschechien genommen hat.
 

Die unlängst in Nordrhein-Westfalen durchgeführte Übung von Veterinären zur Bergung eines toten Wildschweines könnte bald auch in Deutschland schon dramatische Realität werden. (Bildquelle: NRW)

Nachdem ASP vor viereinhalb Jahren das erste Mal in diesem Jahrhundert in Osteuropa, genauer gesagt in Litauen, nachgewiesen wurde, breitete sich das ASP-Virus seitdem langsam aber stetig in Richtung Westen aus. In allen baltischen Staaten, dazu Polen, Rumänien, Ungarn und Tschechien sind in den vergangenen Jahren und in 2018 Seuchenfälle bekannt geworden. Bis Ende August dieses Jahres wurden bisher 123.000 Keulungen von Wild- und Hausschweinen in diesen Ländern registriert.
 
Unter den Schweinemastbetrieben im Euregio-Raum herrscht Alarmstimmung
Im Euregio-Raum sind die belgischen, französischen und luxemburgischen Landwirte in höchster Alarmbereitschaft und müssen um eine Infektion in ihren Schweinmastbetrieben bangen. Ebenso für die deutschen Schweinehalter ist die Gefahr einer Kontamination riesig, Die bisher von belgischer Seite dokumentierten ASP-Fälle in der Provinz Luxemburg liegen Luftlinie kaum 60 Kilometer von der deutschen Grenze und hier vor allem in unmittelbarer Nachbarschaft von Nordrhein-Westfalen entfernt.
 

Belgiens föderaler Agrarminister Denis Ducarme setzt das Thema ASP als Dringlichkeitspunkt auf die Agenda des EU-Agrarministerrates in Wien am 24. September. (Bildquelle: lesoir.be)

Belgiens föderaler Agrarminister Denis Ducarme kündigte an, dass das grassierende Thema ASP von belgischer Seite beim Informellen EU-Agrarministerrat in Wien am 24. und 25 September zu einem Schwerpunktthema der Aussprache unter den europäischen Kollegen auf die Tagesordnung gesetzt werde.

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Paul Siewecke

Wichtig ist auch...

sämtliche Jäger behördlich aufzufordern, den Bestand an Wildschweinen weiter zu reduzieren! Ich habe schon von verschiedenen "Waidgenossen" die Aussage zu hören bekommen, sie könnten die Bestände nicht weiter reduzieren, sonst wären im Falle einer Neuauflage der "Bürzelprämie" zu wenig Tiere leicht zu erlegen. Und ihre Trophähenträger möchten sie sowieso schonen und die Bauern sollten sich nicht so haben und die Wildschäden sind doch schon etwas weniger.... Die Masse an Ausreden um die eigenen Befindlichkeiten zu pflegen und die Ignoranz dabei ist in höchstem Maße erschreckend .... Auch die Jägerautos, leicht erkennbar an dem Drahtkorb auf der Anhängerkupplung, sollten zur Seuchenvermeidung beitragen, indem erlegte Schweine nicht einfach offen in diesem Korb transportiert werden und dabei eine Tropfspur hinterlassen....

von Andreas Schröder

Ein tägliches Update ..

Sehr hilfreich. Dann wären wir alle bestens informiert. Gute Idee !!

von Josef Fischer

Da bekommt man richtig Angst

Ich habe zwar keine Schweine, aber eine Stark befahrene Autobahn geht direkt an meinen Ackerflächen direkt vorbei. Zwei Rastplätze sind in Laufweite von Wildschweinen (der eine 5km, der andere 20km entfernt). Außerdem bietet der bayerische Wald und einige Naturschutzgebiete gute Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere und der Maisanbau hält den Bestand schön hoch. Wenn jetzt hier ein Wildschwein mit ASP gefunden wird, und ich die Maßnahmen aus Belgien richtig interpretiere wars das dann mit der Feldarbeit, egal was gerade ansteht. Und wenn Forstarbeiten im Sommer auch untersagt werden, wird das ein Fest für den Borkenkäfer. Werden diese Schäden dann auch reguliert? Eines muss uns Landwirten klar sein, bei ASP sind wir alle betroffen, nicht nur die Schweinehalter!

von Wolfgang Daiber

Unterstützung!

Von meiner Seite wird eine Doppelte Einzäunung der Autohöfe und Parkplätze an den Autobahnen und Bundesstraßen seit über einem Jahr gefordert.Grund,daß unser Mitbürger kein Möglichkeit haben ihre Essenreste über den Zaun zu werfen und damit die Wildschweine füttern.Deswegen muß ein Zweiter Schutzzaun her ,der die Wildschweine fernhält. Der Seuchenausbruch in der Nähe von Warschau,Hervet/Ungarn und Jetzt in Etalle ist jedes mal in der unmittelbaren Nähe eines Grossen Parkplatzes bzw eines Autohofes entstanden.Ich frage mich wie lange die Behörden noch zuschauen!

von Andreas Demann

Liebe Redaktion von Top agrar. In anbetracht der Situation für die Deutsche Landwirtschaft wären sehr viele Landwirte über ein Tägliches Update sehr dankbar.

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