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Augen nicht länger vor wachsendem Wolfsproblem verschließen

Mit der Ausbreitung der Wölfe nehmen auch die Konflikte zwischen Jägern, Weideviehhaltern und Naturschützern zu. Das Gebot der Sachlichkeit gerät dabei nicht selten in Vergessenheit, schreibt die FAZ in einem Artikel vom Mittwoch. So habe es schon mehrfach von Wolfsgegnern Falschmeldungen gegeben.

Lesezeit: 3 Minuten

Mit der Ausbreitung der Wölfe nehmen auch die Konflikte zwischen Jägern, Weideviehhaltern und Naturschützern zu. Das Gebot der Sachlichkeit gerät dabei nicht selten in Vergessenheit, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem ehrlichen und interessantem Artikel vom Mittwoch.


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So habe es schon mehrfach von Wolfsgegnern Falschmeldungen über vermeintliche Angriffe auf den Menschen gegeben. Aber auch die Wolfsfreunde müssten sich vorwerfen lassen, die Konflikte über Jahre verharmlost zu haben, so die Zeitung. Wenn man erst erklärt, der Wolf könne das Weiderind gar nicht gerissen haben, weil er keine solch großen Tiere angreife, kurze Zeit später aber ein DNA-Test das Gegenteil beweist, sei das wenig vertrauensbildend.


Das Problem der politischen Debatte über den Wolf ist nach Ansicht der FAZ, dass man sich viel zu lange hinter Paragraphen verschanzt hat. Zwar seien die FFH-Richtlinie der EU maßgeblich für den Umgang mit dem Wolf. Doch die Natur nehme darauf keinerlei Rücksicht. Die hohen Reproduktionsraten des Wolfes erhöhten unerbittlich den Problemdruck.


Union und SPD schlagen nun in ihrem Koalitionsvertrag deutlich wolfskritischere Töne an als bislang gewohnt. Von einer „notwendigen Bestandsreduktion“ sowie einem Maßnahmenkatalog zur „letalen Entnahme“, also der Tötung, ist die Rede, so die Zeitung weiter. Die Sicherheit der Menschen müsse „oberste Priorität“ haben. Die große Koalition erkennt damit an, dass die entscheidende Währung in der Debatte die Akzeptanz der Bevölkerung sein wird. Was weiterhin fehlt, ist laut FAZ aber ein Konzept zum langfristigen Umgang mit dem Wolf, das nicht wie bisher der Lage hinterherhinkt, sondern die in wenigen Jahren bevorstehende Situation in den Blick nimmt.


Die Vorstellung mancher Wolfsfreunde, der Bestand der Wölfe werde sich nicht „wie in der Natur“ von selbst regeln. Der Wolf kehrt nicht in die Naturlandschaft der Wälder Germaniens zurück, sondern in eine von Menschen gestaltete Kulturlandschaft. Und der Wolf sei anpassungsfähig und intelligent genug, den reichgedeckten Tisch zu erkennen, den seine neue Umgebung für ihn bereithält. Auf eine natürliche Scheu des Wolfes, bei der Nahrungssuche auch menschliche Siedlungen zu betreten, sollte man nicht vertrauen, warnt die Zeitung und fordert, die Wölfe durch Vergrämung oder notfalls auch Abschuss wieder darauf zu konditionieren, besser nicht in die Nähe des Menschen zu kommen.


Ebenso werde eine aktive Bestandsregulierung notwendig sowie die Diskussion darüber, in welchen Regionen sie leben dürfen und wo nicht. Größere Schutzzonen, dünner besiedeltes Gebiet und waldreiche Mittelgebirgslandschaften kämen für eine Koexistenz von Wolf und Mensch eher in Frage als Ballungsräume. Auch die Almwirtschaft in den Alpen dürfte mit Wölfen unvereinbar sein. Gleiches gilt für die Nordseeküste, wo aus Gründen des Küstenschutzes eine Beweidung der Deiche durch Schafe nötig ist.

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