Ausrottung des Wolfes war früher Staatsangelegenheit

Die Ausrottung des Wolfes war früher von der Obrikeit befohlen und wurde nicht nur von der Kanzel gepredigt, sondern auch mit hohem finanziellen und personellen Aufwand betrieben. Daran erinnert ein Artikel im Soester Anzeiger vom 9. März 2016. Basis sind die Aufzeichnungen aus dem Archiv von Dr. Reiner Feldmann.

Die Ausrottung des Wolfes war vor Jahrhunderten von der Obrikeit befohlen und wurde nicht nur von der Kanzel gepredigt, sondern auch mit hohem finanziellen und personellen Aufwand betrieben. Daran erinnert ein Artikel im Soester Anzeiger vom 9. März 2016. Basis sind die Aufzeichnungen aus dem Archiv des verstorbenen Biologen und Heimatkundler Dr. Reiner Feldmann.

Der letzte Wolf wurde in Westfalen am 17. März 1839 erlegt; bei Herbern im Münsterland steht dazu ein Denkmal. Doch 200 Jahre früher war den Menschen nicht für ein Wolf-Denkmal zu Mute. Er war eine gefürchtete “Bestie”. Der Wolfsjagd mit Wolfsangeln, Fangeisen und Fallgruben wurde mit enormem Aufwand an Geld und Personal nachgegangen, heißt es dazu im Soester Anzeiger.

Die Teilnahme an den Wolfsjagden wurde von der Obrigkeit befohlen und von der Kanzel organisiert. 1641 beklagte sich der Erzbischof von Köln, der auch Jagdherr im Arnsberger Wald war, über die Zunahme der Wölfe und setzte Fangprämien aus. Nicht weniger als 825 Männer nahmen 1623 an der Wolfsjagd teil. Bis in die Totenbücher drang die Kunde vom “raublustigen Gesindel”.

Bürgermeister und Rat von Brilon beklagen sich bei der Regierung in Arnsberg noch 1790, ein Wolf habe unter den Schafen großen Schaden angerichtet. Früher schon hatten Wölfe im Revier des Landesherrn 16 Hirsche gerissen. Das öffentliche Interesse an der Ausrottung der “Schädlinge” war groß. Und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war sie definitiv geschafft. “In unserer dicht besiedelten Landschaft wird der Wolf nie wieder Fuß fassen können”, war im vorigen Jahrhundert die allgemein verbreitete Meinung.

Doch seit Beginn unseres Jahrhunderts sieht man das anders. Außerordentlich schnell hat sich der Wolf von Osten her wieder ausgebreitet, so die Zeitung weiter. Viele Naturschützer in den Verbänden und vor allem auch in den Ministerien begrüßen die Rückkehr der Wölfe als besonderen Erfolg. Der Wolf steht inzwischen unter Naturschutz und darf in ganz Deutschland nicht mehr bejagt werden. Doch nicht alle Naturfreunde, Heimatkundler und Wanderer würden so begeistert den Wandel in der Einstellung des Menschen zum Wolf begrüßen. Sie fragten sich, ob der Naturschutz nicht genug unerledigte Arbeitsfelder und zu wenig Geld für näherliegende Aufgaben habe. Über die Rückkehr der Rebhühner und Kiebitze würde man sich mehr freuen.

Die Zukunft werde es zeigen, ob man den Wölfen die Dezimierung überhöhter Wildbestände überlassen kann, ob etwaige Verluste an Haustieren vor allem an Schafen abzugelten sind und Wanderer und Spaziergänger auch in großen Waldgebieten wie dem Arnberger Wald ein angemessenes Verhalten gegenüber den Rückkehrern einüben, heißt es.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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