Bauerntag 2021

Bauernverband will interessanter für junge Menschen werden

Mit digitalen Formaten will der Bauernverband jüngere Mitglieder ansprechen und einbinden. Vor dem Bauerntag richtet Präsident Rukwied den Blick auf Perspektiven für die Landwirtschaft.

Der diesjährige Bauerntag, der am Mittwoch beginnt, wird der erste digitale Verbandstag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) sein. Der DBV hat sich für ein Hybridmodell entschieden, in dem in Berlin Vorstand und Spitzenpolitiker miteinander diskutieren. Die Mehrheit der Delegierten und Gäste wird hingegen zugeschaltet sein.

Mehr digitale Abstimmungen vor politischen Entscheidungen

Bauernpräsident Joachim Rukwied machte im Vorfeld des Bauerntags deutlich, dass der Verband die digitale Einbindung seiner Mitglieder in Zukunft verstärkt nutzen will. „Auch wenn wir die Coronakrise überwunden haben werden, werden wir nicht zu der Arbeit vor Corona zurückkehren“, sagte Rukwied am Mittwoch vor der Presse. Der Verband wolle den schnellen digitalen Austausch auch vor wichtigen politischen Entscheidungen nutzen und so die Landes- und Kreisebenen mit nehmen.

Rukwied erteilt Frauenquote eine Absage

Rukwied benannte vor allem digitale Formate als Mittel, um den Verband „jünger und weiblicher“ zu machen. „Wir wollen die Arbeit interessanter gestalten für junge Menschen, damit sie sich einbinden“, sagte Rukwied. Eines schloss er aber konkret aus: „Eine Frauenquote wollen wir nicht einführen“, sagte Rukwied. Er fordere stattdessen junge Frauen auf, sich im Bauernverband zu engagieren. „Wir brauchen in unserem Verband mehr Heterogenität was Geschlechter angeht“, sagte Rukwied. Dass sich junge Leute engagieren, sei unabdingbar, wenn der Verband eine Zukunft haben wolle, so Rukwied weiter.

DBV will Grundgesetzänderung im Wahlkampf unterstreichen

Inhaltlich wird sich der Bauerntag vor allem mit der bevorstehenden Bundestagswahl beschäftigen. Der DBV werde den Bauerntag nutzen, um den Ansatz des DBV Zukunftskonzeptes zu untermauern. Darin fordert der Verband die Erweiterung des Artikels 20a im Grundgesetz um das Thema Klimaschutz und Ernährungssicherung. Von den zahlreichen Vertretern der politischen Parteien, die zum Bauerntag sprechen, erwarte er „ein eindeutiges Signal“, dass die Landwirtschaft in Deutschland eine Zukunft habe, sagte Rukwied. Das gelte insbesondere für die junge Generation, die eine Perspektive brauche.

Rasche Finanzierung zum Umbau der Tierhaltung nach der Wahl

Rukwied erneuerte seine Kritik daran, dass es Union und SPD in dieser Legislatur nicht geschafft haben, erste Pflöcke zur Umsetzung des Borchert-Konzepts zum Umbau der Tierhaltung einzuschlagen. „Wir stehen uneingeschränkt zur Borchert Kommission und den Vorschlägen, die Politik ist jetzt gefragt“, sagte er. Eine Entscheidung zur Finanzierung des Umbaus müsse gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode nach der Wahl getroffen werden, so Rukwied.

Mehr Kooperationen beim Insektenschutz

Zum Insektenschutz, der in dieser Woche im Bundestag und Bundesrat beschlossen werden wird, fügte Rukwied erneut die Forderung an, dass dieser künftig vor allem über Kooperationen und Anreize gestaltet werden müsse. Der DBV-Präsident unterstich, dass der Umbau der Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz von den Landwirten gewollt sei. „Wir wollen den eingeschlagenen Weg der Weiterentwicklung des Umbaus der Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit weiter beschreiten“, sagte er.

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„Unter dem Motto Zukunft Landwirtschaft will der DBV auf dem Deutschen Bauerntag 2021 klare Zeichen setzen, Konzepte vorstellen und Perspektiven aufzeigen; wenn es denn Planungssicherheit gibt.

Joachim Rukwied bedauert, dass es so wenige Landwirte im Bundestag gibt. Er wünscht sich Politiker mit wirtschaftlichem und fachlichem Verständnis für die Landwirtschaft.

Der Bauernverband sieht es an der Zeit, Ernährungssicherung und Klimaschutz ins Grundgesetz aufzunehmen. Er erhofft sich davon ein neues partnerschaftliches Denken von Landwirtschaft und Umwelt.