Kundgebung

Bayern: Demo für Agrarwende

Ein breites Bündnis von Bauern-, Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherverbänden protestierte heute vor der Staatskanzlei in München für eine Agrarwende.

Vor der Staatskanzlei in München forderte heute Vormittag ein breites Bündnis an bayerischen Bauern-, Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherschutzverbänden eine "wirkliche Agrarwende" in Bayern. Namhafte Vertreter dieses "Agrarbündnis Bayern" kritisierten auf dem Podium nicht nur die bayerische Agrarpolitik, sondern auch die agrarpolitische Zukunftsausrichtung auf Bundesebene und auf EU-Ebene. Ministerpräsident Markus Söder solle sich für eine Agrarwende einsetzen und nicht für ein "Weiter so!".

"Bäuerliche Landwirtschaft und Natur-und Umweltschutz gelingen nur gemeinsam. Jetzt ist die Zeit der Entscheidungen in der europäischen Agrarpolitik, Herr Ministerpräsident! Es muss besser umgesteuert werden, weg vom „Agrarkapitalismus“ - das waren Ihre Worte im Juli 2020 – hin zur Entlohnung der Leistungen für die Umwelt- und den Tierschutz, statt die Milliarde Agrarsubventionen aus Brüssel weiterhin hauptsächlich nach der Flächengröße zu unterstützen!", brachte Richard Mergner vom BUND Naturschutz in Bayern die Kernforderung der Kundgebung auf den Punkt.

Agrarförderung benachteiligt kleine Betriebe

"Mit Futtermitteln aus Übersee unter hohen Kosten für Löhne, Umwelt- und Tierwohl-Anforderungen, Milch und Fleisch für Billigmärkte zu produzieren, ist keine Perspektive", sagte Josef Schmid, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Bayern. Das Siegel „geprüfte Qualität Bayern“ müsse mit Inhalt versehen werden. Die Kunden wollten nicht nur wissen, wo der Stall steht, sondern auch, dass das Futter aus Bayern und nicht aus dem Regenwald kommt. Das Staatsziel 30 % Biolandwirtschaft sei, so Schmid, nur durch eine konsequente Umsetzung des Programms „BioRegio2030“ zu erreichen. Dazu seien Zug um Zug die Bio-Anteile aller öffentlichen Lebensmitteleinkäufe entsprechend zu erhöhen. Eine Gleichsetzung von Bio und Regional sei kontraproduktiv.

Auch in Bayern benachteilige die EU-Agrarförderung kleinere Betriebe, argumentierte Schmid weiter. Laut Agrarbericht bestünden bei Höfen bis 200 ha 63 % des Gewinns aus EU-Geldern, bei Betrieben bis 30 ha nur 40 %. Man erwarte, dass Bayern seinen Einfluss im Bund und in der EU geltend mache, die Förderkriterien so zu gestalten, dass nicht länger der Grundbesitz, sondern die Art der Bewirtschaftung maßgeblich für die Förderhöhe sei.

"Bio soll in Bayern zum Goldstandard werden"

In eine ähnliche Richtung zielte der Wortbeitrag von Hubert Heigl von der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ): „Der Freistaat Bayern ist in der Verantwortung, bei agrarpolitischen Verhandlungen auf Bundesebene sein Gewicht in die Waagschale zu werfen und kann auch selbst noch mehr für eine enkeltaugliche Landwirtschaft tun."

Der Ökolandbau biete vielen bayerischen Betrieben eine gute wirtschaftliche Perspektive, sei Vorbild für artgerechte Tierhaltung, schone Boden, Gewässer und Klima, fördere die Artenvielfalt und produziere hochwertige Lebensmittel. Bio-Verarbeitungsunternehmen setzten auf faire Partnerschaften und schafften gute Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Immer mehr Menschen würden laut Heigl diese Vorteile sehen und sich beim Einkauf für Bioprodukte entscheiden. „Die Bayerische Staatsregierung muss sich klar zu Bio als Goldstandard der Landwirtschaft bekennen und alles dafür tun, dass wir das im Bayerischen Naturschutzgesetz verankerte Ausbauziel von 30 % Ökolandbau bis 2030 erreichen“, forderte Heigl.

Der erste Vorsitzende der LVÖ schlug z. B. vor, dass staatliche Kantinen einen Mindestanteil von 25 % an Bioprodukten einhalten müssten. Außerdem sei ein Stufenplan für das Bayerische Biosiegel notwendig. Auf keinen Fall dürften Bio-Betriebe, die bereits jetzt vorbildlich wirtschaften, durch falsche und kurzsichtige politische Entscheidungen benachteiligt werden. So wäre eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung des notwendigen Umbaus der Tierhaltung kontraproduktiv, weildadurch der höchste Aufschlag genau auf diejenigen Produkte erhoben würde, die bereits hohe Tierhaltungsstandards umsetzten.

Unzuverlässige Zulassungsbehörden

Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimker Bund Bayern forderte einen verlässlich funktionierenden Bienenschutz und Verbandsvertreterin Annette Seehaus-Arnold brachte dafür ein Beispiel: "Die beiden Insektizide Steward und Sindoxa gelten neuerdings als bienengefährlich. Dies nach Jahren der Anwendung in blühende Pflanzen. Wie sollen die Landwirte und die Berufs- und Erwerbsimker den Zulassungsbehörden noch vertrauen? Auch die noch in Verhandlungen stehende EFSA-Bienenleitlinie wird von der Pestizidindustrie sowie mehreren Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, abgelehnt. Mit der Begründung: Die Bienenleitlinie sei zu streng. Grenzwertüberschreitungen im Honig und Völkerverluste durch Pestizide: Die Berufs- und Erwerbsimker bleiben auf dem Schaden sitzen."

Berufs- und Erwerbsimker würden es nicht mehr hinnehmen wollen, dass die Interessen der Pestizidindustrie wichtiger seien, als der Schutz der Bienen und der Erhalt der Familienbetriebe. Kein Landwirt wolle vorsätzlich Bienen töten!, so Seehaus-Arnold auf dem Podium. "Agrarwende jetzt! Fördergelder soll es nur noch für insektenfreundliche und klimaschonende Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und für den Erhalt der Bauernhöfe geben!"

Wer gehört zum Agrarbündnis Bayern?

Der Kernforderung der Kundgebung nach einer Agrarwende schlossen sich zahlreiche weitere Verbände an, wie etwa LBV, Greenpeace München, Deutscher Tierschutzbund Bayern, Genussgemeinschaft Städter und Bauern e.V., Parents 4 Future München, Naturfreunde Landesverband Bayern, JBN, Provieh und SlowFood München. Sie alle brachten anlässlich der Kundgebung weitere Detailvorschläge und Forderungen ein, wie eine neue Agrarpolitik aussehen sollte.

Die Redaktion empfiehlt

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Diskussionen zum Artikel

von Jakob Lechner

Bitte Untertitel ändern Frau Lehnert

Es handelt sich nicht um eine breites Bündnis von Bauernverbänden usw. . Lediglich die NGO´s sind in der Breite vertreten.

von Wilhelm Grimm

Mit den Feinheiten der Rhetorik wird die Richtung vor gegeben,

Stimmung gemacht und die öffentliche Meinung manipuliert. Auch wenn es unabsichtlich gewesen ist, aber wir sollen denken, was andere uns vorsagen. Sprache kann gefährlich sein.

von Rudolf Rößle

Bei

der zukünftigen hohen Abstandsregelung zu Gewässern und damit große Flächen, könnte gezielt dort Artenschutz betrieben werden und der vollständig entgangene Ertrag monetär ersetzt werden. Zum Teil werden da auch Verbundökosysteme geschaffen.

von Gerhard Steffek

Alles ganz gut und schön -

Herr Rößle, aber wer zahlt's? Fünf Minuten drauf bekommt dann der Bauer wieder den Vorwurf des Subventionsempfängers. Nein danke, Herr Rößle, da sollte ein jeder zu BUND, Nabu und Co sagen macht euch euren Scheiß selber. Dann pflegt doch die Randstreifen und zahlt für den Verlust ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Wir brauchen keine Agrarwende.

Alle plappern das NGO-Sprech nach, ohne diesen Unsinn kritisch zu hinterfragen. Wir stehen für Ehrlichkeit und eine stetige Fortentwicklung, wie in jedem Beruf und wie im ganz normalen Leben. Das, was uns als Agrarwende verkauft wird, ist hohles, dummes Geschwätz, das zu Hungersnöten, ... mehr anzeigen

von Helmut Wehr

Danke, das sind klare Worte!

Alle plappern die NGO-Worthülsen nach, ohne diesen Unsinn kritisch zu hinterfragen. Ja, nicht nur in der Landwirtschaft. Hirn einschalten, selbstständig oder auch mal quer - klar denken wurde der Gesellschaft über Jahre aberzogen.

von Andreas Gerner

@Zahn

Die weniger-wegschmeiß-Kampagnen laufen mindestens seit 30 Jahren. Wie bitte soll es gehen, dass jetzt plötzlich "einfach" nichts mehr weggeschmissen wird? ------------------------------------------------------------------ Zum Beispiel bei Obst und Gemüse ist viel zu wenig da. Nur je ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Ein paar nachvollziehbare Forderungen sind ja dabei.

Aber wenn ich Sprüche höre, dass mehr Bio gut für´s Klima und die Artenvielfalt sein soll, zweifle ich schon, ob jemand, der das fordert über die Konsequenzen nachdenkt oder geistig überhaupt fähig dazu ist. Zur Erinnerung: Die Bestäuberinsekten-Nahrungsquelle Nr1 ist Raps. Der ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

Oder....

Wir schmeißen einfach weniger weg und nehmen Produkte wieder in den Handel die zwar qualitativ in Ordnung aber optische Makel haben. Dann würde eine geringere Bio Menge auch noch reichen. UND vielleicht bekommen deutsche Produkte dann wieder einen Wert wenn etwas weniger da ist. Eine ... mehr anzeigen

von Fritz Gruber

Wie gesagt

Ich bin kein schwarzer aber wo sind die Alternativen ich sehe keine außer zu Hause zu bleiben und auf rot rot grün zu warten

von Andreas Gerner

Wenn ich im Radio richtig gehört habe und die SZ richtig berichtet,

haben dort etwa 50 Leute demonstriert. Sind bei 13 Verbänden nicht mal 4 pro Verband. Was soll ich davon halten?

von Peter Beiersdorfer

Herr Gerner

Diese linken Gruppierungen werden doch von den Medien hofiert. So wird die Bevölkerung verblödet durch die Macht der Medien und keiner merkt es. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder.

von Fritz Gruber

Ich bin kein Söder Freund

Aber seid mal ehrlich wollt ihr einen Grünen oder einen Hampelmann zum Kanzler?

von Peter Beiersdorfer

Sorry Herr Gruber

was ist denn Söder? Ein Macht besessener der seine sprichwörtlich Schwiegermutter noch verkauft. Bestes Beispiel war doch der Verrat beim Volksbegehren wo jetzt nur die Landwirtschaft die Bienen retten sollen. Nee der ist ein berechnender Wendehals.

von Fritz Gruber

Kein einziger

Bayrischer Bauer der in den letzten Jahren gut gewirtschaftet hat wird hier demonstriert haben Leute lasst euch nicht verarschen das sind lauter ökosozialisten und systemveränderer die von anderer Leute Arbeit leben möchten soviel zur Aufklärung für meine Norddeutschen Kollegen

von Christian Bothe

Abl,LBV und die anderen Vereine...

Agrarwende? Jetzt schnappen die Bayern scheinbar vollkommen über...Nachdem “Moechtegernkanzler” Söder in Berlin regieren will,was ihm nicht gelingen wird, protestieren die Bayernbauen und diverse NGOs schon mal vorsorglich...

von Wilhelm Grimm

Sehe ich auch so, aber wer ist LBV,

klärt mich mal auf !

von Nikolaus Adlberger

Wo bleibt der normale Menschenverstand?

Bei einem Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmittel in Deutschland von 82 Prozent macht es für mich keinen Sinn, ein Bewirtschaftungssystem zu installieren, das den Ertrag pro Hektar halbiert.

von Wilhelm Grimm

Söder hat bereits die Bienen gerettet,

nun seid doch mal zufrieden.

von Heinrich Albo

Auch wenn es deshalb nicht mehr

Bienen gibt.

von Rudolf Rößle

Zur Zeit

wird in Berlin für ein Volksbegehren gesammelt, die große Wohnbaukonzerne enteignen soll. Die Politik verliert das Heft des Handelns, weil es immer mehr Geldvermögen in wenigen Händen zulässt und Anschubsubventionen in falschen Mengen verteilt und danach die Investoren im Regen ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

Agrarwende können sie haben

aber sie gehen um Fördermittel und weitere Auflagen auf die Straße und das in einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergang. Es geht soweit (weil sie einfach dumm und die Zusammenhänge Leugnen ) für Konzerne und reiche ein Versorgungswerk zu ... mehr anzeigen

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