Streitthema

Umweltminister einigen sich auf Praxisleitfaden Wolf

Ein Ausgleich zwischen Umweltschützern und Weidetierhaltern wollen die Umweltminister mit einem neuen Praxisleitfaden zum Umgang mit dem Wolf erreichen. Der nimmt nun offenbar eine weitere Hürde.

Die Bundesländer haben sich offenbar auf den lange umstrittenen Praxisleitfaden zum Wolf geeinigt. Das teilt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus laut Medieninformationen mit.

Der Leitfaden gebe klar und rechtssicher vor, unter welchen Voraussetzungen ein Wolf getötet werden darf, sagte der SPD-Politiker vor der Konferenz der Umweltminister von Bund und Ländern in Rostock. Zuletzt habe nun Sachsen-Anhalt zugestimmt. Es sei das Ziel gewesen, zwischen den Nutztierhaltern und Naturschützern einen Ausgleich zu schaffen. Backhaus stellt aber klar, dass der Wolf nach wie vor eine streng geschützte Art ist.

Strittige Punkte hätten sich bislang unter anderem aus der unterschiedlichen Betroffenheit der Länder beim Thema Wolf ergeben, meldet die dpa und ntv. Es sei davon auszugehen, dass sich künftig jedes Bundesland mit der Problematik Wolf auseinandersetzen muss.

Der knapp 60 Seiten umfassende Leitfaden, der laut Backhaus maßgeblich die Handschrift von Mecklenburg-Vorpommern trage, gebe klare Hinweise zum Herdenschutz sowie zum Töten von Wölfen. "Auch betroffene Tierhalter, insbesondere Schaf- und Ziegenhalter, halten nun ein Papier in den Händen, dass das Vorgehen im Falle eines Nutztierrisses transparent und bundesweit einheitlich regelt", sagte Backhaus.

Das Wolfsvorkommen in Deutschland konzentriere sich weiter auf das Gebiet von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Territoriale Einzelvorkommen sind aktuell für Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen nachgewiesen.

Nach jüngsten Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf für das Monitoringjahr 2019/20 wurden in Deutschland 128 Rudel, 39 Wolfspaare und 9 territoriale Einzeltiere nachgewiesen. 2020 registrierte die Stelle bundesweit 942 Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere, die meisten in Niedersachsen und Brandenburg.

Jäger machen Druck auf Ampel-Koalition

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Helmut Dammann-Tamke warnt, dass mit immer mehr Wölfen auch immer mehr Konflikte auftreten. (Bildquelle: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg)

Der Deutsche Jagdverband drängt die neue Bundesregierung, geplante Verschärfungen im Umgang mit dem Wolf zügig umzusetzen. Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Was im Koalitionsvertrag festgehalten worden ist, ist in anderen Ländern Europas längst Realität oder geht dort noch deutlich weiter."

Die Ampel-Koalitionäre wollen Regelungen auf den Weg bringen, die den Bundesländern "ein regional differenziertes Bestandsmanagement" ermöglichen, wie es im Vertrag heißt.

Dammann-Tamke betonte: "Die Zahl der Wölfe in Deutschland nimmt von Jahr zu Jahr stark zu. Dementsprechend wachsen auch die Probleme im ländlichen Raum." Als einen Effekt der Bejagung erwartet Dammann-Tamke, dass die Kontakte zwischen Wolf und Mensch zurückgehen. "Wir müssen den Wolf lehren, dass er das bleibt, was er von Natur aus ist: ein scheues Wildtier", so der Verbandsvertreter. Es müsse möglich werden, dass solche Wolfsrudel, die immer wieder Nutztiere gerissen haben, auch "komplett entnommen werden", sagte Dammann-Tamke. Ansonsten sei die Haltung von Schafen auf Deichen oder in der Lüneburger Heide kaum mehr möglich.

Lies: Bundesnaturschutzgesetz anpassen

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), selbst Teilnehmer der Verhandlungen in Berlin, bezeichnete die Beschlüsse zum Wolf als "gewaltigen Schritt nach vorn". Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er: "Wir werden künftig schneller, flexibler und sicherer reagieren können, wenn es zu Problemen mit dem Wolf kommt."

Laut Lies wird dazu die Anpassung des Bundesnaturschutzgesetzes notwendig. "Wir reden hier nicht über willkürliche Wolfsabschüsse oder die Auslöschung des Wolfes. Es geht um die Grundlage für ein rechtssicheres Vorgehen, wenn es zu zu vielen Wolfsrissen kommt oder die Wolfspopulation regional das verträgliche Maß übersteigt."


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