BMUB veröffentlicht den Nitratbericht 2016

Das Bundesumweltministerium (BMUB) hat heute den Nitratbericht 2016 der Bundesregierung veröffentlicht. Es tut dies ein halbes Jahr später, als es das Dokument an die EU-Kommission geschickt hat. An der Nitratbelastung des Grundwassers hat sich in den vergangenen vier Jahren wenig verändert.

Gülleausbringung (Bildquelle: Annaburger)

Das Bundesumweltministerium (BMUB) hat heute den Nitratbericht 2016 der Bundesregierung veröffentlicht. Es tut dies ein halbes Jahr später, als es das Dokument an die EU-Kommission geschickt hat. An der Nitratbelastung des Grundwassers hat sich in den vergangenen vier Jahren wenig verändert.

Bereits zum 29. Juli 2016 hat das BMUB den Nitratbericht 2016 an die EU-Kommission geschickt. Am heutigen Dienstag hat das Ministerium das Papier, das alle vier Jahre erstellt wird, veröffentlicht. Top agrar hatte darüber online bereits vorab kurz nach Weihnachten berichtet. Der Bericht wertet erstmals ein neues Messnetz für die Nitratgehalte im Grundwasser aus. Auf Verlangen der EU-Kommission hat die Bundesregierung die Messstellen von 162 auf knapp 700 erhöht. Tatsächlich sinkt durch die Erweiterung der Messstellen der Anteil der Messstellen, die den europaweit zulässigen Nitratgehalt von 50 mg/l überschreiten. Während das alte Messnetz für den Zeitraum von 2008 bis 2011 einen Anteil von knapp 50 Prozent aller Messstellen auswies, die den Grenzwert überschreiten, sind es nach dem neuen Messnetz nur noch 28 Prozent der Messstellen, die den Grenzwert überschreiten.

Sehr geringfügige Verbesserung hin zu niedrigeren Nitratgehalten

Der neue Nitratbericht zeigt aber auch, dass sich seitdem bei der Nitratbelastung des Grundwassers kaum etwas verändert hat. Denn auch im neusten Zeitraum von 2012 bis 2014 überschreiten laut dem Bericht die Nitratgehalte an 28 Prozent aller untersuchten Grundwassermessstellen des neuen deutschen Nitratmessnetzes den Grenzwert von 50 mg/l. Dabei weisen rund 33 Prozent der Messstellen im Vergleich abnehmende Nitratkonzentrationen und gut 27 Prozent der Messstellen zunehmende Nitratgehalte auf. Bei gut 40 Prozent sind die Nitratkonzentrationen im Vergleich zwischen den Beobachtungszeiträumen 2008-2011 und 2012-2014 gleichbleibend geblieben. Auch bei diesen Tendenzen unterscheiden sich die Ergebnisse laut dem alten und dem neuen Messnetz kaum, heißt es im Nitratbericht. Zusammenfassend ist laut dem Bericht keine Verschlechterung aber auch nur eine „sehr geringfügige“ Verbesserung hin zu niedrigeren Nitratgehalten im Grundwasser eingetreten.

Keines der Messnetze zeigt Veränderungen

Neben dem neuen Messnetz der Bundesregierung für den Nitratbericht gibt es auch noch ein noch größeres Messnetz der Europäischen Umweltagentur (EUA). Dies umfasst mehr als 1200 Messstellen in Deutschland und berücksichtigt zusätzlich zu den Messstellen in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen auch solche aus ungenutzten Gebieten. Laut dem Nitratbericht lagen hier 18,1 Prozent der Grundwassermessstellen über dem Schwellenwert für Nitrat von 50mg/l. Im letzten Bericht von 2012 waren es 18,3 Prozent gewesen. Insgesamt ist auch hier „bundesweit keine Verminderung der Nitratbelastung des Grundwassers im Vergleich der beiden letzten Berichtszeiträume zu erkennen“, schreibt das BMUB in seinem Nitratbericht.

BMUB drängt auf Verschärfung der Düngeregeln

Der Staatssekretär im BMUB, Jochen Flasbarth, wertet das als eine schlechte Nachricht. „Wir haben viel zu hohe Düngereinträge aus der Landwirtschaft in die Gewässer. Während wir aus den kommunalen Gewässern oder auch aus der Industrie beispielsweise große Fortschritte erzielt haben, haben wir aus der Landwirtschaft eben immer noch diese hohen Einträge“, sagte er zur Veröffentlichung der Zahlen dem WDR. Seine Chefin, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), verwies auf die Kosten, die hohe Nitratwerte verursachten. „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen“, sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. Es sei im Sinne des Gemeinwohls, mit verschärften Düngeregeln stärker als bisher gegenzusteuern, forderte sie.

Düngepaket soll im März 2017 beschlossen sein

Die Veröffentlichung des Nitratberichtes fällt in eine brisante Zeit. Am 16. Januar findet eine zweite Anhörung zur Reform des Düngegesetzes im Agrarausschuss des Bundestages statt. Für den 19. Januar ist dann der Beschluss des Düngegesetzes im Bundestag geplant. Kern des neuen Düngegesetzes ist unter anderem die Einführung der Hoftorbilanz für viehstarke Betriebe ab 2018. Laut Berechnungen des BMEL sollen davon maximal 12.000 Betriebe betroffen sein. Über die neue Düngeverordnung, welche die konkreten Details für die Düngung wie etwa die Sperrfristen und die N-Obergrenzen enthält, wird der Bundesrat vermutlich erst im März 2017 endgültig entscheiden.

EU-Kommission wartet auf Antworten

Im November 2016 hatte die EU-Kommission die Bundesrepublik wegen Verstößen gegen die EU-Nitratrichtlinie verklagt. Noch im Januar muss die Bundesregierung darauf eine Erwiderung übermitteln. Im Falle einer Verurteilung drohen Deutschland hohe Geldstrafen. Die Nitratrichtlinie sieht vor, die Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen zu verhindern.

Die Nitratberichte von 2016, 2012 und 2008 der Bundesregierung im Original finden Sie hier.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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