Das sagt die AfD zur Landwirtschaft - Eine Analyse von Bauer Willi

Am 27. Januar wollen die AfD-Politiker Franz Bergmüller und Peter Felser über die bäuerliche Landwirtschaft diskutieren. Eingeladen hat der AfD-Mittelstandsverband nach Lauben (Oberallgäu). Teilnehmen sollte auch BDM-Chef Romuald Schaber.

Am 27. Januar wollen die AfD-Politiker Franz Bergmüller und Peter Felser über die bäuerliche Landwirtschaft diskutieren. Eingeladen hat der AfD-Mittelstandsverband nach Lauben (Oberallgäu). Teilnehmen sollte auch BDM-Chef Romuald Schaber. Er hält es zwar für wichtig, mit allen Parteien und Politikern zu sprechen, nach den Äußerungen des thüringischen AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke hat er seine Teilnahme aber abgesagt.
 
Bauer Willi nimmt dies zum Anlass, die AfD hinsichtlich Ihrer Positionen zur Landwirtschaft genauer zu überprüfen. Er hat sich das Bundesprogramm und die Programme einzelner Landesverbände angesehen und sich dabei ausdrücklich auf die Themen rund um die Landwirtschaft beschränkt.Hier seine Ergebnisse, zuerst veröffentlicht auf www.bauerwilli.com:
 
„Gleich zu Beginn stelle ich fest, dass der Bereich Landwirtschaft keine primäre Rolle spielt sondern meist nur mit wenigen Worten erwähnt oder in andere Kapitel eingeschoben sind. Ich werde daher hier die mir besonders auffälligen Aussagen aufführen, die natürlich in ihrem Zusammenhang mit dem Originaltext gesehen werden müssen. Es geht mir hier mehr um die grundsätzliche Ausrichtung als um das wortgetreue Zitat, das in den Quellen nachgelesen werden kann.

Die AfD spricht sich in ihrem Bundesprogramm aus

  • gegen den Einsatz von Glyphosat aus (bis die Unschädlichkeit nachgewiesen ist)
  • für die gesetzliche vorgeschriebene artgerechte Haltung von Tieren, (bei nicht artgerechter Massentierhaltung in der Landwirtschaft)
  • Tierhaltende Betriebe dafür verantwortlich zu machen, dass ihre Produkte frei von Antibiotikarückständen und MRSA-Keimen sind
  • den Einsatz von Gentechnik in Medizin und Landwirtschaft nur nach sorgfältiger Prüfung zu genehmigen und gentechnisch veränderte Futter- und Lebensmittel zu kennzeichnen
  • Abhängigkeit von multinationalen Saatgutkonzernen verringern
  • Subventionierung der Biogasanlagen durch Abschaffung des EEG zu beenden
  • gegen Subventionsverteilung nach dem Gießkannenprinzip
  • für rückstandsfreie Nahrungsmittel und marktgerechte Preise
Besonderheiten in den einzelnen Bundesländern

Baden-Württemberg

  • soll gentechnikfreie Region werden
  • Tiere sind vor unnötigem Leid zu schützen
  • regionale Vermarktung von Marken wie „Alblamm“ und „Albbüffel“
  • Tierversuche möglichst vermeiden
  • Kennzeichnungspflicht für Tierhaltungsstandards
Mecklenburg-Vorpommern
  • Ablehnung der zusätzlichen Subventionierung von Öko-Landwirtschaft
  • Aufhebung des Russland-Embargos
  • Keine Monokulturen, deshalb gesetzliche Maximalzyklen für bestimmte Pflanzen (gemeint sind wohl Fruchtfolgen)
  • Strengere Überwachung der landwirtschaftlichen Standards, mehr Geld für Kontrollinstanzen
Sachsen
  • keine Flächenbeihilfe für Energiepflanzen
  • Wildtiermanagement statt Wolfsmanagement
Sachsen-Anhalt
  • Keine Gentechnik, wohl aber Kennzeichnungspflicht und Forschung
  • keine pauschalen Beihilfen, sondern Focus auf Leistungen der Landwirte für Artenschutz, Gewässerschutz, Bodenschutz und Landschaftsbild
  • Massentierhaltung ist entgegenzuwirken
  • Ausverkauf von Ackerland an Spekulanten stoppen
  • sofortiges Verbot von Glyphosat in der Vorerntezeit (Stand März 2016)
Thüringen
  • Energiepflanzenanbau zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion stoppen, Maismonokultur fördert die Bodenerosion (Hochwasser durch Bodenverschlämmung), fördert die Nitratbelastung im Trinkwasser und gefährdet die biologische Vielfalt
  • erhebliche Absenkung der Förderung erneuerbarer Energien
  • kein subventioniertes Bioobst für den Ramschtisch sondern geprüfte Bioware und konventionelle Lebensmittel im Verhältnis zum Bedarf
  • Massentierhaltung so tiergerecht zu gestalten, dass kein vorbeugender Einsatz von Antibiotika mehr notwendig ist
  • sachliche Aufklärung über Chancen und Risiken der Gentechnik, keine Verteufelung
Bauer Willis ganz persönliches Fazit:

Viele der getroffenen Aussagen sind nicht neu, sondern erinnern in ihrer Ausrichtung an auch von anderen Parteien schon gemachten Statements, insbesondere der Grünen. Bei bestimmten Standpunkten (z.B. Gentechnik) sind Widersprüche zwischen den Programmen des Bundesprogramms und innerhalb der Landesverbände zu erkennen.

Begriffe wie „Massentierhaltung“ werden nicht näher erläutern. Energiepflanzenanbau und Biogasanlagen sieht diese Partei kritisch, insbesondere den Anbau von „Maismonokulturen“, der allerlei schädliche Auswirkungen nachgesagt werden, die fachlich nur schwer haltbar sind. Auch die Aussagen zu Antibiotika und MRSA-Keimen zeugen von keiner hohen fachlichen Kompetenz.

Bezüglich der Subventionen stehen sie – wie die Grünen – auf dem Standpunkt, dass öffentliche Gelder nur für öffentliche Leistungen bereitgestellt werden sollen. Ich interpretiere dass als Verschiebung von der ersten in die zweite Säule, was man ja auch schon von anderen Parteien gehört hat.

Die Wertung der hier zitierten Aussagen möge nun jeder selbst vornehmen. Mir erscheint es jedenfalls notwendig, auch mit der AfD dann in einen Dialog einzutreten, wenn erkennbar ist, dass sie sich von bestimmten radikalen Tendenzen innerhalb der eigenen Reihen klar und deutlich distanziert. In ihrem jetzigen Zustand ist sie für mich persönlich nicht wählbar. Meine geplante Teilnahme an einer Podiumsdiskussion habe ich deshalb abgesagt.

Selten war ich so gespannt auf eure Reaktionen!

Euer Bauer Willi“

Die Redaktion empfiehlt

Der BDM-Vorsitzender Romuald Schaber hat sich entschlossen, seine Teilnahme an der Podiumsdiskussion der AfD zum Thema „Zukunft der Landwirtschaft“ am 27. Januar im Allgäu abzusagen.


Diskussionen zum Artikel

von Henrik Plaas-Beisemann

Typisch AfD

Pauschalaussage ohne fachlichen Hintergrund, die sich zum Teil widersprechen und nach dem Kriterium des Applaus der Massen gewählt wurden. Mein Fazit: Nicht wählbar.

von Eckehard Niemann

Hallo, liebe top-agrar-Redaktion, die Kommentar-Funktion, welche "Likes" auf 1x pro Person begrenzt, ist immer noch defekt

Deshalb sind die Zahlen bei "Das meinen unsere Leser" nicht aussagefähig und offenbar von manchen Leuten einseitig systematisch nach oben getrieben

von Eckehard Niemann

Schein-Unterstützung

Alle Landwirte sind aufgefordert, sich auch weiterhin nicht für völkisch-rassistische und zugleich hohl-oberflächliche AfD-Parolen instrumentalisieren zu lassen: „Bauern brauchen eine partei-unabhängige, starke Interessenvertretung mit gesellschaftlicher Solidarität – und keine ... mehr anzeigen

von Friedrich Meierjohann

Bündnis 33 Die Braunen

In Sachen Agrarpolitik würden sich die Grünen mit der AfD gut verstehen. Zeit für den politischen Zusammenschluss. Vielleicht verstehen sich Populisten beider Richtungen extrem gut. Da könnte was gehen zwischen Höcken Bernd und Eckhard Göring!

von Hermann Stroemer

Ganz rechts

und ganz links sind sich halt immer noch so ähnlich...

von Lucia Heigl

AfD nur in Bezug auf Landwirtschaft?

Es gibt nicht die Teile der AfD, die gar nicht so schlimm sind und damit wählbar - es gibt nur ein komplettes 'geht gar nicht'... da hilft es auch nicht, wenn sich Bauer Willi seinen Werbeauftritt auf dem AfD-Podium jetzt schönredet!

von Wilhelm Grimm

Gute Zusammenfassung von Bauer Willi.

Die holprigen Programme der AfD zur Landwirtschaft zeigen, dass diese Partei nur wenige Landwirte in ihren Reihen hat. Die AfD wird aber trotzdem von der bauernfeindlichen Haltung großer Teile unserer Parlamentarier profitieren können. Ist es denn nicht auch ein Skandal unserer ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

Hallo Willi,

im großen und ganzen bestehen die AfD Ansichten aus den allgemeinen Kritikpunkten, die der Landwirtschaft derzeit vorgeworfen werden. Die AfD ist ja bekannt dafür, dem Volk aufs Maul zu schauen und dann dass zu wiederholen, was die Leute hören wollen. Da die Schwerpunkte durchaus ... mehr anzeigen

von Thomas Egolf

Könnte auch durchaus positiv gesehen werden,

Zitat Bauer Willi: "Gleich zu Beginn stelle ich fest, dass der Bereich Landwirtschaft keine primäre Rolle spielt sondern meist nur mit wenigen Worten erwähnt." Wenn die AfD kein besonderes Interesse an der Landwirtschaft hat, so lässt sie sie vielleicht auch in Ruhe ihre Arbeit tun.

von Hans Merk

Mal Langsam. - Das ist zunächst eine Protestpartei

Und mein Protest richtet sich wie bei vielen anderen auch gegen den Linksruck der CDU unter Dauerkanzlerin Merkel und unseren Ministerpräsidenten Drehhofer der erst tönt ohne Obergrenze gibt's keine Koalition und nun das Ganze schon wieder - wie so oft - relativiert. Wie ich haben ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Zwickmühle!

Ich denke, viele befinden sich bei der AFD in der moralischen Zwickmühle. Man weiß nicht was man sich "einkäuft". Nur ein weiter so ist auch nicht gerade sinnvoll. Denn, da weiß man mit Gewißheit das es abwärts geht. Wenn ich zurückdenke an die Anfangszeit der Grünen, dann war das ... mehr anzeigen

von Wilhelm Gebken

Hallo Bauer Willi, danke dass Du Dir Zeit für dieses Thema nimmst. Meine Analyse:

Ich stimme Dir zu, es ist sehr wenig Kompetenz in den AfD-Aussagen zur Landwirtschaft zu erkennen. Ich hatte mir schon überlegt das zu ändern, aber jetzt kommt´s: Die AfD kann gar nichts Besseres tun, als die Dumm-Statements von RotRotGrün zu wiederholen. Warum soll sie sich im ... mehr anzeigen

von Josef Meier

Wahlempfehlung für das Jahr 2017.

Kollegen, Kameraden, Leser und Genossen! Wählt den Frieden, Stabilität und Wohlstand. Wählt die CDU / CSU! Nein, ich bin nicht verrückt. Nach langem Nachdenken musste ich feststellen, dass mein Leben durchaus stabil ist und das habe ich der langjährigen und erfolgreichen Regierung ... mehr anzeigen

von Peter Brouwer

AFD nein Danke

Es ist schon traurig das Top Agrar überhaupt über diesen Haufen redet. Ich hoffe das diese AFD wider so schnell verschwindet wie sie gekommen ist.

von Rudolf Rößle

Wertung

funktioniert nicht, ist mehrmals anklickbar. Was stimmt in den Köpfen der Politiker und Bürgern nicht, wenn sich Teile der Politik, Religion radikalisiert. Wir wollen doch Alle gesund,friedlich und angstfrei leben. Demokratie ist lebendig, nicht radikal. Kann gute Dinge vorantreiben und ... mehr anzeigen

von Bernhard ten Veen

wieder wie immer...

mehr als 2 Bauernmeinungen unter einen Hut bringen geht nicht. immer ist es die selbe Laier. Jeder schaut zuerst auf mich und mir und meins. die Wahl zum Bundestag ist erst im Herbst. Gebt den Politikern zeit um sich gegenseitig zu Zerfleischen. Für uns Landwirte ist momentan keine der ... mehr anzeigen

von Volker Greve jun.

In S.-H. haben wir im Wahljahr 2017 Landtagswahlen . Die CDU wird ohne Probleme die Grünen mit ins Boot holen um zu regieren . Wenn man sich die ideologischen Differenzen zwischen der " alten " CDU und dem Programm der Grünen in Erinnerung ruft , dann geht es jetzt nur noch um ... mehr anzeigen

von Volker Greve jun.

Bravo Herr Josef Meier , habe Ihre Satire erst nicht als solche erkannt . ... und die tollen russischen Frauen für kleines Geld ... hahaha, da ist das Jungbauernproblem auch noch gelöst .

von Eckehard Niemann

@Josef Meier

Hallo, Herr Meier, ich finde Ihre angeblich satirischen Auslassungen abstoßend und chauvinistisch-frauenverachtend, vor allem diese: "Mein tiefer Wunsch wäre es, dass sich Deutschland der Russischen Föderation anschließt, aber das ist nur eine Fiktion. Kaum auszudenken, wenn ... mehr anzeigen

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