Pro und Kontra

Dauerhafte Subventionen für mehr Tierwohl? Plus

Unter den Landwirten gehen die Meinungen zum geplanten Umbau der Tierhaltung auseinander. Wir sprachen mit einem Befürworter und einem Kritiker. Hier ihre Argumente...

Darum geht’s: Die Borchert-Kommission empfiehlt, die Nutztierhaltung mit staatlichen Mitteln grundlegend umzubauen. Nur so hätten die Tierhalter in Deutschland eine Zukunft. Unter Landwirten gehen die Meinungen zu dem Konzept weit auseinander.

Pro

von Philipp Schulze Esking, Schweinemäster und Mitglied der Borchert-Kommission

In den letzten zehn Jahren haben wir in Deutschland fast 40% der schweinehaltenden Betriebe verloren. Laut einer Umfrage der ISN plant jeder dritte Mäster in den nächsten Jahren den Ausstieg. In der Ferkelerzeugung ist die Perspektive noch düsterer: Über die Hälfte der Ferkelerzeuger gibt an, in den nächsten zehn Jahren den Betrieb aufgeben zu wollen. Als Hauptgrund hierfür nennen Dreiviertel der Befragten die Summe der Auflagen. Spanien baut seinen Bestand hingegen seit Jahren aus und hat uns mittlerweile überholt.

Marktanteile sind Ausdruck von Wettbewerbsfähigkeit in offenen globalen Märkten. Angesichts unseres aktuellen Ordnungsrahmens kann heute kaum noch ein Schweinehalter wirklich glauben, um die europäische oder gar die globale Kostenführerschaft wetteifern zu können. Und vor uns liegen noch die Änderung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung, unbeantwortete K-Fragen, die anhängige Normenkontrollklage, die Novelle der TA Luft, die Verschärfung der Düngeverordnung, die NEC-Richtlinie, Klimaschutzziele usw.

Natürlich können wir so weitermachen wie bisher. Wir können versuchen, über unsere Interessenvertretungen jede Einzelbaustelle irgendwie noch einigermaßen vorm fachlichen Absaufen zu retten. Wir können auf die Straße gehen. Und wir können darauf hoffen, dass der Verbraucher irgendwann nicht nur mehr Tierwohl fordert, sondern es auch an der Theke bezahlt. Wahrscheinlich aber führt diese Strategie dazu, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit schleichend weiter sinkt und wir einen dramatischen Strukturwandel in der Tierhaltung erleben. Und damit noch mehr Produktion ins Ausland verlagert wird. Und am Ende werden die Verbraucher ohne einheimische Tierhaltung genauso gut leben können, wie sie ohne einheimische Textilproduktion zu leben gelernt haben.

Was wir stattdessen...


Diskussionen zum Artikel

von Henrik Plaas-Beisemann

Fragen

Ich frage mich ernsthaft, ob die Zahlungen kommen, und ob sie Akzeptanz über Jahre behalten. Ich persönlich sehe bei der Einführung einer Abgabe noch massive Probleme mit dem Europarecht und der WTO. Wie lässt es sich begründen, dass ein rumänischer Landwirt auf einem freien ... mehr anzeigen

von Kirsten Wosnitza

Sehen was geht und nicht beschreiben, was alles nicht geht

Danke Herr Schulze-Esking für Ihre klareb Worte und Bekenntnis zu einer zukunftsfähigen Tierhaltung in Deutschland. Es gilt nach vorne zu schauen und den Schulterschluss mit der Gesellschaft zu wagen. Dann kann auch erklärt werden, warum die Landwirte nicht das Sozialamt der Nation ... mehr anzeigen

von Bernhard ter Veen

hören Sie bitte auf

mit diesem Schwachsinn von Nachhaltigkeit immer. Das Wort allein hat KEINERLEI Sinnerfüllende Definition. Jeder kann etwas anderes daraus ableiten... und ausserdem die derzeitige Tierhaltung bei den Allermeisten Bäuerlichen Familienbetrieben ist die, wenn Sie es mal so hören wollen, ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

Alternativlos

Wir sehen ja seit Jahren, dass der Markt deutsche Standards nicht honoriert. Das beste Beispiel sind die Ferkelerzeuger. Wenn man also die Tierhaltung in D erhalten will, wird die zusätzliche Subvention mit "Tierwohlgeldern" unumgänglich sein..... Willkommen in der Planwirtschaft!!!! ... mehr anzeigen

von Klaus Jensen

Ich hör lieber auf als der ewige Subventionsempfänger zu sein...

Diese Erkenntnis haben mich die Flächenprämien gelehrt. Ohne diese ginge es uns besser....MfG Jens Martin Jensen

von Alfons Hümmer

Ich kann den Ausführungen von Albert Bosche voll und ganz zustimmen. Nur der Preis einer Ware bestimmt deren Wertigkeit. Sollten sich zukünftig Teile der Gesellschaft es sich nicht mehr leisten können, Fleisch zu essen, muss eventuell der Satz für Hartz-4-Empfänger oder sonstige ... mehr anzeigen

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