„Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen!“

Eine zukunftsfähige Agrarreform – das forderten die Teilnehmer der „Wir haben es satt!“-Demonstration zum Auftakt der „Grünen Woche“ in Berlin. Um die Fotostrecke anzuschauen, klicken Sie auf die Pfeile im Newsbild.

Tausende Menschen und laut Polzei 171 Traktoren aus ganz Deutschland beteiligten sich an der Demonstration und fordern, dass „der Agrarindustrie endlich der Geldhahn abgedreht werden muss“. Eine Sprecherin der Berliner Polizei sagte, dass etwas mehr als die von den Veranstaltern gemeldeten 12.000 Personen auf der Straße waren. Die Veranstalter sprachen von rund 35.000 Demonstranten.

Die Teilnehmer trafen sich um 12 Uhr am Brandenburger Tor, um von dort aus gemeinsam zur Agrarministerkonferenz im Auswärtigen Amt zu ziehen. Dort gab es ein Kochtopf-Konzert, um die Konferenz zu stören.

Ökologische und Bäuerliche Landwirtschaft gefordert

Die 60 Milliarden Euro an jährlichen EU-Agrargeldern müssten künftig Höfesterben, Klimaüberhitzung und Artensterben stoppen, anstatt diese Effekte der industriellen Landwirtschaft zu beschleunigen. „Gutes Essen, eine klimagerechte Landwirtschaft und der Erhalt der Höfe - das steht gerade auf dem Spiel!“, heißt es von den „Wir haben es satt“-Initiatoren.

2019 entscheide die Bundesregierung bei der EU-Agrarreform (GAP) maßgeblich mit, welche Landwirtschaft die EU Jahr für Jahr mit 60 Milliarden Euro unterstützt. Aktuell gelte: Wer viel Land besitzt, bekommt viel Geld. Damit müsse Schluss sein. Der Umbau zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft könne nicht mehr warten.

Klöckner in der Verantwortung

Besonders in der Verantwortung stehe dabei Agrarministerin Julia Klöckner. Sie dürfe die wichtigen Zukunftsthemen nicht weiter ignorieren und müsse dafür sorgen, dass mit Steuergeld nur noch enkeltaugliche Landwirtschaft honoriert werde. „Wir haben es satt!“-Sprecherin Saskia Richartz verlangt einen Stopp der Subventionspraxis, bei der Milliardenbeträge direkt an industrielle Großbetriebe weitergeleitet werde: „Ministerin Klöckner, jetzt heißt es Liefern statt Labern. Wenn 2019 bei der EU-Agrarreform die Milliarden Agrarsubventionen neu verteilt werden, muss klar sein: keinen Cent mehr für die Agrarindustrie! Steuergeld muss bäuerliche Betriebe unterstützen, die Umwelt und Klima schützen und unsere Rinder, Schweine oder Hühner gut halten!"

Klöckner: Kleine Betriebe nicht automatisch nachhaltiger

Julia Klöckner sprach sich mit Blick auf die Demonstration für eine Zusammenfführung statt eine Polarisierung aus. Sie nannte als wichtigstes Ziel für die zukünftige globale Landwirtschaft, die Bevölkerung zu ernähren. "Wir werden die Menschen nicht satt machen mit einem Teilausstieg aus der Agrarproduktion", sagte sie heute in Berlin. Wichtig sei es ihr im Umwelt- und Tierschutz die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei sage die Betriebsgröße nichts darüber aus, wie nachhaltig ein Betrieb produziert. "Es zählt wie man in der Produktion damit (Anm. d. Red.: Umwelt- und Tierschutzauflagen) umgeht, ob sie jetzt drei Betriebe haben, die die Umweltauflagen erfüllen oder einen Betrieb. Wichtig ist es das Ziel, umweltgerecht zu produzieren, zu erreichen."

"Protest der leeren Töpfe"

Mit Töpfen schlagen die Demonstranten Alarm für die Agrarwende! Die Sitte mit leeren Kochtöpfen zu demonstrieren kommt ursprünglich aus Südamerika. Im "Protest der leeren Töpfe" haben im Jahr 2014 rund 2000 Frauen mit dem Schlagen auf leere Töpfe und Pfannen gegen die Nahrungsmittelknappheit im Land protestiert.

Seit 2011 findet die Großdemonstration anlässlich der Grünen Woche in der Hauptstadt statt. Jedes Jahr beteiligen sich mehrere Tausend Menschen an dem Protest, zahlreiche Trecker begleiten den Zug.

Topfkonzert (Bildquelle: Schulze Harling)

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Vor dem Brandenburger Tor warben Freitagvormittag Landwirte für einen fairen Dialog. Um die Fotostrecke anzuschauen, klicken auf die Pfeile im Newsbild.

Faire Milch des BDM in finanzieller Schieflage

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Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Wenn ich mir so die Demonstranten anschaue,

dann würde ich die am liebsten alle zusammenfangen und die alle mal für ein Jahr auf einen Bauernhof stecken. Sollen sie doch mal selber die Arbeit machen. Jeder Bauer, der hier auf dieser Demo mitmacht ist ein naiver Nestbeschmutzer, der nicht weiß was er sich da für einen Feind ins Bett holt, wissen die doch alle selber nicht von was sie reden.

von Hans-Gottfr. Gresshöner

Artgerechter Trecker

Ich hab noch einen Massey Ferguson 35 Bj.1961. Würde es was bringen,wenn ich mit dem nächstes Jahr zum Brandenburger Tor fahren und teilnehmen würde,vielleicht noch ne Spendendose am Schlepper anbringen.....

von Bernd Schmitz

Herr Bothes Einstellung

ist genau der Weg, wie man eine Landwirtschaft von der Gesellschaft isoliert, die sie ernährt und von der sie bezahlt werden will. Was wollen sie mit der aufgeführten Produktionsweise erreichen? Weiteren Verlust an Wertschöpfung, wie es die Spezialisierung der Höfe und der Aufbau der gut verdienenden Ernährungsindustrie gebracht haben. Sich den notwendigen Fakten wie Klimaschutz, weniger Recourcenverbrauch und Humusaufbau nicht zu stellen ist realitätsfern. Sie brauchen von Europa aus niemanden, der hungert satt zu machen. Das zerstört mehr als es je nutzen könnte. Wenn sie nun auch noch ein modernes Nutzfahrzeug nicht mehr mit einem schonenden Bewirtschaftungsverfahren in Verbindung bringen können, dann frage ich mich schon, wie weit sie von der Realität entfernt sind

von Gerd Uken

Nur für diejenigen die es interessiert

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Bauern-kaempfen-fuer-gerechte-Agrarsubventionen,shmag59974.html 20% der deutschen Betriebe erhalten 80% der Subventionen......

von Christian Bothe

Demo

Eine schöne Spielwiese am Brandenburger Tor und dann noch mit Traktoren...Ich habe heute schon mal dazu etwas kommentiert. Ob 12000 oder mehr Teilnehmer, das ganze wird nichts an der Notwendigkeit der Entwicklung einer starken nachhaltigen industriell effektiven LW ändern. Und genau das brauchen wir und den entsprechenden wissenschaftlichen Vorlauf für jedwede Betriebs-und Rechtsform! Die grüne Gentechnik und neue Züchtungsverfahren gehören dazu genau wie die Digitalisierung. Eine Agrarwende braucht kein Mensch, auch wenn es die Medien ständig dem landwirtschaftlich unbedarften Bürger vorgaukeln und dieser am Ende nur billig einkaufen möchte und dann noch billige Bioqualität...

von Berthold Lauer

Tolle Bilder gestern Abend in der Tagesschau: Kleinbaeuerliche Landwirtschaft mit solchen Traktoren?? nächstes Jahr strick ich mir auch einen Pullover und bin dabei! Dazu noch ein Jungbauer der von einem solchen Traktor herunter die schlechten Milchpreise beklagt und dass die "Großen" ihn "totmelken".Und der Gemuesebauer dem es schwerfaellt, von seinen 2 ha zu leben! Weiter so Jungs, euch gehört die Zukunft!

von Erwin Schmidbauer

Manche scheinen geflissentlich zu übersehen, dass es bereits Ökobetriebe gibt, die Großbetriebe sind oder das Klischee "Massentierhaltung" durchaus erfüllen. Es hat andere Gründe als die Agrarförderung, dass die Betriebe immer größer werden.

von Uwe Lamparter

Und vorneweg

die größten und neuesten Modelle der Schlepperhersteller...

von Willy Toft

In den Medien nur die Demo "Wir haben es satt", von der grünen Woche nur .......

ein kleiner Hinweis! So kann man die Meinung auch manipulieren, und zu wessen Gunsten? Mit volle Mägen auf leere Töpfe schlagen, ist ein besonderes Phänomen, das es wahrscheinlich nur hier gibt!!!

von Gerd Uken

Man muss vielleicht mal den Sinn des GNzen hinterfragen

Kreislaufwirtschaft: Sojaimport-Schweineexport,Schweineörchen u. MMP u. Butter Export für Weltmarkt. Gülletourismus in unserem Land - der Bevölkerung bei uns schwer zu vermitteln. Und wer verdient an allem?? Wenn wir die Überproduktion in den Griff bekommen u. Trump auf Abstand dann könnte auch der Preis wieder „ normal“ werden denn das was knapp ist bleibt teuer und versiegt nie! Alte Bauern/Händler weissheit

von Wilhelm Grimm

Unsere Fernsehnachrichten zu "Grünen Woche"

lenken die öffentliche Meinung in von ihnen gewünschte Richtungen. Das ist Meinungsmanipulation und führt zur Gehirnwäsche.

von Wilhelm Grimm

Die Grüne Woche gibt es im Fernsehen nicht, aber

die Kritik an der EU und der Agrarpolitik ist nicht mehr zu überbieten. Die Medien werden immer verlogener. Fernsehen auf den verlogenen Pfaden von "Spiegel" und anderen gekauften Journalisten ?

von Lars Henken

Leere Töpfe? Ernsthaft?

Kommt es nur mir so vor oder ist das irgendwie, etwas dekadent sich mit Frauen in Südamerika, die für mehr Lebensmittel demonstrieren auf eine Stufe zu stellen. Tut mir leid, da kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Die "Kochgeschirr-Trommler von Berlin" haben ganz gewiss keinen Hunger oder geht es hier um ideologische Lebensmittelknappheit? Jeder kann demonstrieren wie er möchte, aber solche Aktionen finde ich schon traurig.

von Wilhelm Grimm

Leere Köpfe führen zu leeren Töpfen.

Die für mich schlimmste Entwicklung dieser Propagandafeldzüge gegen etwa 94% der deutschen Landwirte ist die Instrumentalisierung der zahlreich mit gebrachten Kinder im hysterischen Kampf gegen die moderne Landwirtschaft.

von Heinrich Esser

Recht haben sie...

...mit ihrer Forderung die Subventionen neu zu verteilen. Es kann echt nicht sein, dass die Großen profitieren und die kleinen und mittleren dann unter den Effekten (Pachtsteigerungen, billige Lebensmittel,...) zu leiden haben. Auch der DBV könnte mal Farbe bekennen, aber ich befürchte, das haben die schon und zwar gegen die Bauern und für Großbetriebe und Industrie.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Protest der leeren Töpfe

Mit leeren Kochtöpfen gegen die Lebensmittelknappheit zu demonstrieren hat eine gewisse Logik. Aber mit leeren Töpfen gegen den Überfluss zu demonstrieren ist eine deutsche Besonderheit.

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