DJV: Jäger nicht für Zunahme von Schwarz- und Rehwild verantwortlich!

Das ZDF-Magazin „planet e“ hat in seiner Januarsendung behauptet, die Zunahme an Wildschweinen und Rehen in den Wäldern sei auf die Jäger zurückzuführen, die absichtlich zu viel fütterten, sogar „mästen“, um mehr Waldtiere schießen zu können.

Das ZDF-Magazin „planet e“ hat in seiner Januarsendung behauptet, die Zunahme an Wildschweinen und Rehen in den Wäldern sei auf die Jäger zurückzuführen, die absichtlich zu viel fütterten, sogar „mästen“, um mehr Waldtiere schießen zu können.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) stellt dazu jetzt klar, dass die Jagd in Deutschland eine wichtige Funktion für die Reduzierung der Population von Paarhufern hat. Die Zunahme dieser Populationen in Wald und Feld sei ein europaweiter Trend, der mit vielen Einflussfaktoren zusammenhängt.

  • Zahlreiche Studien belegen, dass die Zunahme an Paarhufern mit dem vermehrten Anbau von Raps und Mais zusammenhängt, der nicht durch die Jäger, sondern durch die Landwirtschaftspolitik bestimmt wird. Eine Entwicklung die seit den 1960er Jahren stetig zunimmt.
  • Dass Jäger „füttern, um mehr Wild zu schießen“ ist absurd. Denn die Jagd in Deutschland unterliegt gesetzlichen Regelungen im Bundesjagdgesetz und den Landesjagdgesetzen.
  • Andere Wissenschaftler (Hayssen et al. 1993, Pepin und Mauget 1989) weisen beispielsweise auf die Bedeutung der Eichelmast für die Populationsentwicklung beim Wildschwein hin. 
  • Ostfeld und Keesing (2000) zeigen auf, dass die Baummast in jedem Jahr anders ausfällt und dies größere Abweichungen bei der weiblichen Fruchtbarkeit auslöst. Herrero et al. belegen ebenfalls den Zusammenhang von Fraßverfügbarkeit und Wildschweinpopulation. 

Fichte gehört nicht nach Deutschland?

Eine weitere Behauptung der ZDF-Sendung war, dass der geringe Bestand von Laubwald auf die großen Wildbestände zurückzuführen sei. Kleine Laubbäume hätten wegen der „vielen großen Pflanzenfresser“ keine Chance, sich zu entwickeln. Der Förster Peter Wohlleben erklärte in dem Beitrag dann, die heimischen Nadelwälder seien „hier so heimisch wie Kokospalmen oder Eukalyptusbäume.“

Hierzu stellt der Jagdverband klar, dass die gemeine Fichte (Picea abies) in Europa heimisch ist und in Deutschland seit ca. 300 Jahren gezielt angepflanzt wird, aufgrund von Holzmangel und großflächiger Ausplünderungen der Wälder.

  • Fichten gelten auch als „Brotbaum“ der Waldbesitzer, da sie geringe Standortansprüche haben, gerade und schnell wachsen und sich ihr Holz sehr gut verwenden lässt.
  • Die Fichte zählt aufgrund ihres schnellen Wachstums zu den wichtigsten forstwirtschaftlich genutzten Baumarten. 
  • Der Anbau von Fichten in Deutschland war und ist wirtschaftlich motiviert (insbesondere seit dem 2. Weltkrieg) und hat nichts damit zu tun, dass Laubbäume weggefressen würden. 
  • Im Übrigen zeigen Bundes- und Landeswaldinventuren eine Zunahme von Laubbäumen, also das exakte Gegenteil dessen, was der Fernsehbeitrag behauptet. 
  • Heute ist die gemeine Fichte in Deutschland mit über 28 % Flächenanteil am Wald die häufigste Baumart. Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden weite Flächen mit Fichtenreinbeständen aufgeforstet.
Dies ist nur ein Auszug aus dem „Faktencheck“ des DJV. Auf einer Sonderseite widerlegt er zahlreiche weitere Behauptungen aus planet e. Zum Faktencheck...

Der DJV hat außerdem eine Petition gegen die ZDF-Berichterstattung gestartet. Mehr dazu im unteren Teil folgender Meldung: DJV-Präsident prüft rechtliche Schritte gegen ZDF-Doku

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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