DLG-Präsident fordert Wirtschaftsminister für ländlichen Raum

„Einen Wirtschaftsminister für den ländlichen Raum“ fordert der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Ein solches Ressort müsse der wachsenden Ungleichheit zwischen Stadt und Land entgegentreten.

„Einen Wirtschaftsminister für den ländlichen Raum“ fordert der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT. Ein solches Ressort müsse der wachsenden Ungleichheit zwischen Stadt und Land entgegentreten, denn diese sei ein Grund für die Erfolge populistischer Parteien in den USA und in Europa. „Dieses Thema muss jedem Politiker in Europa unter den Nägeln brennen“, so Bartmer.
 
In einem Heimatministerium, wie es die mögliche Große Koalition plant, sieht der DLG-Präsident diese Aufgabe falsch aufgehoben. In abgehängten Regionen komme es darauf an, die Infrastruktur aufzubauen und die Wirtschaft zu stärken. „Ich bezweifle, dass wir diese Probleme mit dem Begriff Heimat richtig adressieren.“

Nachhaltigkeitszertifikate für Betriebe einführen

Bartmer sprach sich darüber hinaus für Nachhaltigkeitszertifikate im einzelnen Betrieb aus. "Statt auf die Wirkung bestimmter Instrumente zu vertrauen, sollen konkrete Erfolge gemessen werden. Damit werden wir dem komplexen Anspruch besser gerecht. Lasst uns jeden einzelnen Betrieb messen und entsprechend fördern", so der Landwirt aus Sachsen-Anhalt.

Die DLG habe so etwas bereits erprobt und anhand von Werten wie zum Beispiel der Nährstoffbilanz, dem Pflanzenschutzeinsatz oder dem Energieverbrauch die Nachhaltigkeit der deutschen Landwirtschaft geprüft. Hierbei habe sich gezeigt, dass die Landwirtschaft bei vielen Indikatoren schon deutlich besser geworden sei, besonders wenn man sehe, dass zugleich bei vielen Produkten größere Mengen erzeugt worden sind.

Bartmer schränkt aber ein: "Wir können nicht erwarten, dass alle 275 000 Betriebe in Deutschland sofort mitmachen. Als Wahlmöglichkeit könnten Nachhaltigkeitszertifikate den Betriebsleitern jedoch ein Feld für mehr Kreativität eröffnen."

Arbeitsteilung unausweichlich, stößt aber an Grenzen

Der von Kritikern häufig geforderte autarke Bauernhof, der in kleinen Kreisläufen operiert, wird dabei laut Bartmer zu Unrecht als besonders nachhaltig idealisiert. "Wenn wir jetzt zum Beispiel in Deutschland damit anfangen, selbst Eiweißfutter herzustellen, statt Soja zu importieren, dann ist das ökonomischer wie ökologischer Unsinn, weil wir den Acker mit wenig ertragsfähigen Eiweißpflanzen statt mit dem Weizen bestellen, der hier gut gedeiht", erklärt der ehem. DLG-Präsident. Umgekehrt müssten dann andere Länder selbst ihren Weizen anbauen, auf weniger geeigneten Flächen. Deshalb müssten sie zusätzliches Land kultivieren, möglicherweise auf Kosten der Artenvielfalt.

In Deutschland habe sich die Produktion in einigen Regionen allerdings schon zu sehr auf die leistungsfähigsten Kulturen wie Weizen, Mais oder Raps konzentriert – mit allen negativen Konsequenzen, ist auch Bartmer klar. Wie er dazu im Zeit-Interview sagte, erfahre der Vorteil der Arbeitsteilung genau darin eine Grenze. Mehr Vielfalt und Multifunktionalität würden hier weiterführen.
 

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