Berlin

DLG-Talk über Nitrat: Zwischen Nachschärfen und EU-Vertragsverletzungsverfahren

Düngung und Gewässerschutz können miteinander in Einklang gebracht werden. Darüber sind sich DLG-Präsident Hubertus Paetow und VKU-Vizepräsident Karsten Specht einig.

An der Umsetzung der europäischen Wassergesetzgebung in Deutschland scheiden sich die Geister. Die EU-Kommission ist weiterhin davon überzeugt, dass Deutschland die Umsetzung der geltenden EU-Nitratrichtlinie bisher schuldig geblieben ist. Nun drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe.

Zwischen Bund und Ländern dauern die Diskussionen über zielgerichtete und effiziente Maßnahmen an. Denn Deutschland muss darlegen, wie es die Nitrateinträge in die Gewässer und damit in die Trinkwasserressourcen zukünftig weiter reduzieren wird, erklärt die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Gleichzeitig werden die vorgeschlagenen Maßnahmen von den Landwirten kontrovers diskutiert und führen zu Protesten. Viele Landwirte fürchten in der Umsetzung für ihre Betriebe negative wirtschaftliche Folgen.

Über den aktuellen Stand haben sich am 5. November in Berlin DLG-Präsident Hubertus Paetow und Karsten Specht, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) im Rahmen des sogenannten DLG-Talks ausgetauscht. Für die beiden steht fest: Düngung und Gewässerschutz können miteinander in Einklang gebracht werden.

DLG-Präsident Paetow: „Es ist unstreitig, dass wir die Nitratauswaschungen ins Grundwasser eindämmen müssen. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der Böden darf man die Anforderungen vom Allgäu bis nach Flensburg aber nicht über einen Kamm scheren. Deshalb müssen die Anforderungen spezifisch auf jeden Standort zugeschnitten sein – und die Wirkung durch Messungen kontrolliert werden. So kann jeder Landwirt seine Düngeeffizienz überprüfen. Es besteht zweifelsfrei in einigen Regionen Handlungsbedarf. Aber wir brauchen intelligentere Lösungen als die, die derzeit diskutiert werden, wie etwa eine pauschale Deckelung der Nährstoffobergrenzen.“

VKU-Vizepräsident Specht: „Übermäßig aufgebrachte Düngemittel gefährden die Qualität der Trinkwasserressourcen – und damit die nachhaltige Wasserversorgung unserer Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe. Wir müssen das Agrarsystem deswegen auf neue Füße stellen. Um Gewässer bestmöglich zu schützen, sollte sich die Düngung nicht am maximalen Ertrag orientieren, sondern am optimalen Einsatz von Düngemitteln. Böden in nitratbelasteten Gebieten gehören auf eine Schlankheitskur.“ Für den VKU-Vizepräsidenten müssen die zuständigen Behörden der Wasser- und Landwirtschaft zudem in die Lage versetzt werden, aufgrund der vorliegenden Daten nachzusteuern. Specht: „Zentral dafür ist die Einführung eines flächendeckenden, schlagbezogenen und transparenten Effizienzmonitorings auf Basis digitaler Datenübermittlung.“

Paetow und Specht waren sich abschließend sicher, dass es gelingen könne, Stoffströme digital – am besten in Echtzeit – zu dokumentieren. Wenn die Behörden dann direkten Zugriff auf diese Daten hätten und sie auswerten könnten bzw. wenn nötig eingreifen, habe man die notwendige Transparenz im System und eine echte Lösung auf dem Tisch.

Karsten Specht (Bildquelle: DLG)

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Reinhard Friedrich

Die kommunalen Unternehmen

werden ihre Nährstoffeinträge in öffentlichen Gewässer sicher auch digital erfassen und öffentlich machen?

von Fritz Ritterbusch

Überwachung!

fängt mit der Digitalisierung in der Landwirtschaft an und endet dort wo sich die populistischen propaganda AKTEURE einzelner politischer Parteien dieses Systems bedienen. ( Erich Mielke und seine Stasi werden sicher noch mal auferstehen)

von Malte Voerste

Toll wenn ein Vertreter der Landwirtschaft die digitale Überwachung fordert und wir funktionierende Technik in den Osten verkaufen um mit Kreditfinanzierung das Hamsterrad weiterdrehen zu können.

von Albert Maier

Wenn man den Bauern aufschwatzt...

... sie wären Schuld daran, dass die Erde eine falsche Drehrichtung hat, dann fangen Bauernorgnisationen wie DLG oder DBV sofort an, technisch-digitale Lösungen für das Problem zu finden....

von Albert Maier

Totale Überwachung!

"Zentral dafür ist die Einführung eines flächendeckenden, schlagbezogenen und transparenten Effizienzmonitorings auf Basis digitaler Datenübermittlung.“ Viele haben es befürchtet, jetzt wird es unverblümt gefordert. Die vom DBV so herbeigesehnte Digitalisierung der Landwirtschaft hat nur einen einzigen Zweck, die totale Überwachung der Landwirtschaft. Das ist das Ende eines Berufstandes!

von Wilhelm Grimm

Überzeugend ist die DLG nicht.

Die Knackpunkte wie Messstellen, "Rote Gebietskulisse" und falsche Düngungsverordnung sowie das Verschweigen der unteschiedlichen Verursacher von Einträgen in Gewässer und Grundwasser und auch die ungenügenden Maßnahmen der Wasserversorger selbst, werden in der Öffentlichkeit nicht diskutiert.

von Gerd Uken

Und genau deshalb brauchen wir

an jeder Milchkanne(Güllefass) funktionierendes Internet damit Standort genau gedüngt wird-alles klar.

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