Handel verdient auf Kosten der Landwirte

Unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittelkette gehen vor allem zulasten der Landwirte. Dies geht aus dem vom EU-Abgeordneten Paolo De Castro erarbeiteten Bericht über die Geschäftsbeziehungen unter Landwirten, Zwischenhandel und Discountern hervor. Nur 20 Prozent vom Steakpreis an der Kasse bleibt beim Bauern.

Unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittelkette gehen vor allem zulasten der landwirtschaftlichen Produzenten. Dies geht aus dem vom italienischen Europaabgeordneten Paolo De Castro erarbeiteten Bericht über die Geschäftsbeziehungen unter Landwirten, Zwischenhandel und Discountern hervor. Vom Endverbraucherpreis von landwirtschaftlichen Produkten bleiben dem Bauern demnach nur 23 Prozent. 53 Prozent der Gewinne hingegen streicht der Handel ein.
 
“Es ist ein Skandal, dass vom Grillsteakpreis im Supermarkt nur 20 Prozent der Erlöse beim Tierhalter bleiben”, geißelt Copa-Cogeca Generalsekretär Pekka Pesonen die unfairen Handelspraktiken zwischen Europas Landwirten, dem Handel, Supermärkten und Discountern.
 
Die europäische Interessenvertretung der Landwirte und Genossenschaftsbetriebe (Copa Cogeca) begrüßt den Berichtsentwurf des Europäischen Parlaments (EP) zum Richtlinienentwurf der EU-Kommission für die Bekämpfung unlauterer Handelspraktiken in der Lebensmittelversorgungskette. Ziel der Kommissionsinitiative ist es, den Erzeugern - die als schwächstes Glied in der Lebensmittelkette gelten – zu fairen Erlösen am Markt zu verhelfen.
 
Landwirtschaft schneidet gegenüber anderen Wirtschaftssektoren in der EU schlecht ab

Nach einem Treffen mit dem italienischen Europaabgeordneten, Paolo de Castro, dem Autor des Berichts des EP-Landwirtschaftsausschusses sagte der Generalsekretär von Copa und Cogeca, Pekka Pesonen: „Wir unterstützen die Arbeit Herrn De Castros zu diesem zentralen Thema voll und ganz. Landwirte erhalten nur 23 % des Mehrwerts landwirtschaftlicher Erzeugnisse, während dem Handel ein Anteil von 53 % zufließt und dieser Prozentsatz steigt.
 
Auch im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren in der EU schneidet die Landwirtschaft schlecht ab. Das Einkommen der Landwirte beträgt nach Recherchen des Europäischen Parlaments nur 46,5 Prozent der Durchschnittseinkommen in anderen Wirtschaftsbereichen.
 

Daher fordert der Copa Cogeca-Generalsekretär einen gerechteren Verdienstanteil in der Lebensmittelkette. Der Gewinn für den Milchbauern. Tierhalter, Pflanzenzüchter oder Gemüse- beziehungsweise Obstproduzenten für jeden Euro, den der Verbraucher an der Kasse zahle, müsse anteilmäßig steigen. “Wir können nicht länger hinnehmen, dass andere aus unlauteren und unethischen Geschäftspraktiken finanzielle Vorteile ziehen“, so Pesonen
 
So hat der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D) im Europäischen Parlament angehörende De Castro erstmals eine Definition von unlauteren Handelspraktiken vorgelegt. Demnach sei unter unfairen Handelspraktiken jedes Geschäftsgebaren zu verstehen, das von guten Geschäftspraktiken und Standesregeln abweiche und das Vertrauen in gute Führung einseitig zulasten eiens Handelspartrners verletze und zu ungerechtfertigten und disproportionalen Vorteilen eines Geschäftspartners zulasten des anderen Marktteilnehmers führe.
 
Copa Cogeca spricht sich für gesetzliche Regelungen auf EU-Ebene aus

Um dies abzustellen benötige es gesetzlicher Regelungen auf EU-Ebene, weil freiwillige Verinbarungen bisher zu keiner die Landwirte und Erzeuger befriedigenden Situation und Teilhabe geführt habe, so Copa Cogeca. Daher müsse der Anwendungbereich der Kommissions-Richtlinie auf alle Unternehmen in der Handelskette ausgeweitet werden. Die im Bericht von De Castro eingeführten Änderungsanträge gingen in die richtige Richtung, so Pesonen.
 
Der Bericht von De Castro soll in der nächsten Woche im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel diskutiert und nach der Sommerpause voraussichtlich im Oktober im Gesamtplenum des Parlaments beschlossen werden.


Diskussionen zum Artikel

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von Heiko Dierks

Mir kommt jedes mal die Galle hoch wenn ich sehe das der Liter GVO freie Milch im Handel 20 bis 30 cent mehr kostet und unsere Meierei nur 2,5 cent Zuschlag bekommt. Seit 25 Jahren gehe ich zur Meiereiversammlung. Jedes Mal wurde uns eingepredigt das wir wachsen müssen um den Handel paroli zu bieten. Jetzt haben wir 13 Mrd Liter Anlieferung..... Garnichts können wir... Das ist die traurige Wahrheit

von Gerhard Steffek

Erstaunlich -

diese "Erkenntnis" und der Sinneswandel. Wobei die "Erkenntnis" so alt ist wie Methusalems Bart. "Wer pflügt und erntet, soll damit rechnen können, selbst einen Teil vom Ertrag zu bekommen", steht schon im Korintherbrief. Aber wie das Beispiel der von der DLG mit silber prämierten Geflügelwurst zeigt ist anscheinend alles möglich. Im Mittelalter hatte man solche "Lebensmitteltäuscher" entsprechend rigoros bestraft, wobei auch das oftmals nichts half. "Die Welt hat genug für die Bedürfnisse eines jeden. Doch nicht für die Gier des Einzelnen."paßt hier sinnigerweise. Das Ansinnen mag jetzt zwar stimmen, doch wie wollen sie es umsetzen? Die Preise festsetzen? Das würde aber den Markt aushebeln. Wobei haben wir hier überhaupt einen Markt, oder ist es nur ein Preisdiktat des LEH-Oligopols und wer setzt sich letztendlich durch? Hier denke ich liegt der Hase im Pfeffer und solange gut gemeint noch lange nicht gut gemacht ist wird das ganze nur Wunschdenken bleiben.

von Christian Bothe

Das ist ja wahrlich keine neue Erkenntnis,aber der LEH kauft immer dort ein,wo das landwirtschaftliche Produkt am billigsten ist und deklariert das u.a. noch als Eigenmarke.Dazwischen haben wir dann noch die Verarbeitungsbetriebe und den Getreidehandel beispielsweise, welche auch ihren Obulus verdienen möchten.Also ist der Landwirt ausgeliefert und das trotz Tierwohllabel,Regionalität,QS,QM usw. Da wird sich ohne staatliche Eingriffe(freie Marktwirtschaft...)auch nichts ändern.Das heißt im Umkehrschluss :industriemässige Pflanzen - und Tierproduktion,um entsprechende Mengen,Qualitäten von Produkten effektiv zu produzieren,um diese dem LEH für eine evt.Listung bereitzustellen.So läuft das Geschäft und ich spreche aus Erfahrung...

von Rudolf Rößle

Frage

Was passiert wenn die Molkereien ihre Preise bei den Eingaben angemessen erhöhen? Die Molkerei sagt sie fällt dann aus dem Sortiment heraus. Wie also soll das neue gerechtere Verteilsystem nun umgesetzt werden?

von Gerd Schuette

Herr Paolo de Castro hat treffend beschrieben und belegt, daß die Landwirte das schwächste Glied in der Kette sind und das Handlungsbedarf besteht. Der Generalsekretär von Copa und Cogeca, Pekka Pesonen, fordert zurecht staatliches Eingreifen in Form von gesetzlichen Regelungen. Dies ist auch eine Botschaft an alle, die immer wieder betonen "der Staat möge sich raushalten" und "der freie Markt regele das alleine".

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