Harter Wettbewerb: Überleben Biohöfe nur auf Kosten ihrer Mitarbeiter?

Auf Biohöfen geht es den Tieren gut, die Mitarbeiter werden aber vernachlässigt und stehen unter massivem Druck. So lässt sich ein Artikel der ZEIT zusammenfassen. Darin schildert ein 20-Jähriger Landwirtssohn, wie es ihm auf einem Bioland-Milchbetrieb in Niedersachsen erging.

Auf Biohöfen geht es den Tieren gut, die Mitarbeiter werden aber vernachlässigt und stehen unter massivem Druck. So lässt sich ein Artikel der ZEIT zusammenfassen. Darin schildert ein 20-Jähriger Landwirtssohn, wie es ihm auf einem Bioland-Milchbetrieb in Niedersachsen erging: Über 12 Stunden Arbeit am Tag, nur jedes zweite Wochenende war frei. Eine 40-Stundenwoche wie im Vertrag vereinbart lehnte sein Chef ab.

Nachts habe er nicht mehr schlafen können, weil er so gestresst war, berichtet der Angestellte. Dann wurde er krank und kündigte. „Ich glaubte an eine Landwirtschaft, die mehr Rücksicht auf Tiere und Umwelt nimmt. Dass es auf Biohöfen ausgerechnet Probleme im Umgang mit Menschen geben könnte, habe ich nicht bedacht“, sagt er.

Wie die Zeitung dazu feststellt, kümmern sich zwar viele Landwirte um das Wohl ihrer Tiere, aber nicht um das ihrer Angestellten. Sie forderten Überstunden, zahlten schlecht, hielten sich nicht an Regeln und übten Druck aus.

Auch andere Auszubildende, Erntehelfer und Mitarbeiter auf verschiedenen Biohöfen bestätigten nach Informationen der ZEIT, bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit zu arbeiten – oft auch darüber hinaus. So wie eine junge Landwirtin, die auf einem Demeter-Betrieb ihre Lehre machen wollte. Dort habe sie im Schnitt um die 70 Stunden pro Woche gearbeitet, auch sonntags vier Stunden, erzählt sie. Das wären 30 mehr, als ihr Vertrag vorsah.

Ihr Chef bestätigte die Schilderungen gegenüber der Zeitung. "Ich sage meinen Auszubildenden immer: Wenn ihr Landwirtschaft machen wollt, könnt ihr die gesetzlichen Arbeitszeiten vergessen", sagt er. Etwa jeder dritte seiner Auszubildenden breche deswegen die Lehre ab. Allein sei er mit seiner Einstellung nicht, sagt er, die meisten anderen Betriebe würden das auch so machen. Wer die vorgeschriebenen Arbeitszeiten einhalten wolle, könne wirtschaftlich nicht überleben. "Die Preise für Bioprodukte sind schreiend zu niedrig", sagt er.

Mindestlohn in Landwirtschaft ein Fremdwort

Benjamin Volz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frankfurt kennt das Phänomen. "Es gibt viele Landwirte, die versuchen, den Mindestlohn zu umgehen – etwa durch unvergütete Überstunden –, weil für sie im Vordergrund steht, dass der Hof existieren muss", sagt er.

Tatsächlich herrscht in der Biobranche ein besonders starker Preisdruck. Bioprodukte sind in der Herstellung teurer als konventionelle, weil sie viel mehr Arbeit machen. Doch die Bereitschaft der Kunden, mehr zu zahlen, hat Grenzen.

Kontrollen der Arbeitsbedingungen auf ihren Höfen müssten die meisten Biolandwirte kaum fürchten. Jedenfalls nicht durch die Verbände, in denen viele von ihnen organisiert sind, so die ZEIT weiter. Auch bei den Arbeitsbedingungen würden die Verbände wegschauen. Demeter kontrolliere sie momentan gar nicht, bestätigt Vorstandsmitglied Alexander Gerber. "Über immer mehr Richtlinien bringt man Eigenverantwortung und Innovationskraft zum Absterben", sagt er. In Zukunft sollen sich Mitgliedsbetriebe aber freiwillig verpflichten können, Arbeitsbedingungen zu verbessern und höhere Löhne zu zahlen – sie müssten das aber nicht.

Bioland dagegen habe jetzt soziale Kriterien in seine Richtlinien aufgenommen und das Thema "Mensch" zum Schwerpunkt seiner Arbeit erklärt.

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