Depression

Herzinfarkt der Seele: Burnout bei Landwirten

Landwirte sind immer häufiger von Burnout betroffen. Wie erkennen Sie eine Überlastung? Was können Sie dagegen tun? Bernadette Schönauer klärt auf.

Landwirte sind immer häufiger von Burnout betroffen. Wie erkennen Sie eine Überlastung? Was können Sie dagegen tun? Bernadette Schönauer klärt in der aktuellen top agrar-Österreich auf.

Morgens und abends in den Stall, den Hofladen betreuen, die Gäste und Kinder versorgen, die Schwiegermutter pflegen und sich um den Bürokram kümmern. Landwirte habe eine Vielzahl an Aufgaben, die sie täglich fordern. Kommen dann Arbeitsspitzen, wie jetzt die Erntezeit dazu, erreichen viele ihre Belastungsgrenze. Das Arbeitspensum ist erst erfüllt, wenn alle Aufgaben erledigt sind. Ausfallen ist meist keine Option.

Bis zur Belastungsgrenze

Doch viele Landwirte können auch nach Arbeitsende nicht abschalten und finden kaum Zeit, um ihre Akkus aufzuladen. Die Gedanken kreisen ständig um bevorstehende Aufgaben. Schlafprobleme sind dann keine Seltenheit. Werden solche Signale zu lange ignoriert, steigt das Risiko, in ein Burnout zu schlittern.

Genau so ist es Georg M. ergangen. Der 56-jährige Milchbauer gestand sich seine Erschöpfung lange nicht ein. Nach und nach wuchs ihm die Arbeit dermaßen über den Kopf, dass er eines Tages nicht einmal mehr aus dem Bett kam. Angefangen hat alles ganz harmlos: Er und seine Familie entschieden sich vor ein paar Jahren, ein zusätzliches Standbein aufzubauen. Durch die Schwankungen im Milchpreis hatten sie mit finanziellen Unsicherheiten zu kämpfen.

Was die Lage auf lange Sicht entspannen sollte, wurde zur Zerreißprobe. Der Landwirt erinnert sich: „Von Juni bis August fiel am meisten Arbeit an. Das hat sich früher im Winter wieder etwas ausgeglichen. Als wir dann das Nebenhaus renovierten, um Zimmer für Gäste zu vermieten, war das ganze Jahr über Hochbetrieb.“

Körper und Seele streiken

Als der Umbau gerade in vollem Gang war, erkrankt die Schwiegermutter. „Die Pflege hat aus Kostengründen meine Frau übernommen – neben Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt. Von da an war ich alleine für die Arbeit am Hof zuständig“.

M. schob dann die Erholung nach intensiven Belastungsphasen zu lange auf. Körper und die Psyche reagierten auf den Stress. Spürbar wurden zuerst körperliche Beschwerden: Energielosigkeit, Kreislaufprobleme und Rückenschmerzen sind häufige Folgen von Überarbeitung. Nicht selten treten diese Symptome dann in Hochstressphasen auf.

Viele Betroffene nehmen diese Warnsignale gar nicht wahr oder ignorieren sie. Sie arbeiten weiter über ihre Grenzen hinaus. Sinkt als Folge ihre Leistungsfähigkeit, ist das häufig der Beginn einer Abwärtsspirale. Die Angst steigt, die Anforderungen nicht mehr bewältigen zu können.

Nach getaner Arbeit fällt es...


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