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Hornloses Fleckvieh ist raus aus den Kinderschuhen

Die Zucht von natürlich hornlosem Fleckvieh hält immer mehr Einzug in die Praxis. Wie der aktuelle Stand ist, erklärte Bernhard Luntz, LfL Tierzucht Grub, in der top agrar-Österreich. Die Enthornung von Kälbern ist mittlerweile nicht nur in den Laufstallbetrieben eine gängige Praxis.

Lesezeit: 5 Minuten

Die Zucht von natürlich hornlosem Fleckvieh hält immer mehr Einzug in die Praxis. Wie der aktuelle Stand ist, erklärte Bernhard Luntz, LfL Tierzucht Grub, in der top agrar-Österreich.

 

Die Enthornung von Kälbern ist mittlerweile nicht nur in den Laufstallbetrieben eine gängige Praxis. Dabei soll vor allem das Verletzungsrisiko bei Mensch und Tier verhindert werden. Aber auch auf Zuchtviehauktionen sind fast nur noch enthornte Tiere gefragt und erzielen wesentlich höhere Preise gegenüber den Behornten.

 

Die öffentliche Diskussion hat dabei zunehmend das Thema „Tierwohl und Tierschutz“ im Visier und setzt sich auch kritisch mit dem Enthornen der Kälber auseinander. Mit schärferen Tierschutzauflagen ist somit zukünftig zu rechnen. Eine Art Königsweg ist sicherlich die Zucht von natürlich hornlosen Rindern.


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Hornlose Stiere immer beliebter


Noch vor einigen Jahren war es eine mühevolle Angelegenheit, die Milcherzeuger vom Einsatz hornloser Stiere zu überzeugen. Die Situation hat sich aber spätestens seit dem Verkauf des Stieres „Irola PS“, aus der Gruber Fleckviehherde stammend, deutlich geändert. Mittlerweile sind auch Hochzuchtbetriebe bereit, Spitzenkühe mit hornlosen Stieren zu besamen.

 

Im letzten Jahr wurden in Bayern knapp 10 000 Kälber mit Hornstatus registriert (siehe Übersicht 1). Alle Besamungsstationen sind emsig bemüht, hornlose Stiere mit interessanten Zuchtwerten zu erwerben. Mittlerweile stehen an den bayerischen Stationen mehr als 80 Vererber, die für den Einsatz in der Doppelnutzung geeignet sind. Sicherlich hat das Segment der Hornlosstiere enorm vom Verfahren der genomischen Selektion profitiert, da somit in dieser noch wenig verbreiteten Zuchtrichtung eine Vielzahl an aktuellen Kandidaten schnell verfügbar wurde.

 

Vielversprechend ist auch der Blick in die aktuelle Liste der genomisch untersuchten Stierkälber. Es werden noch in diesem Jahr hochinteressante Jungstiere mit exzellenten Merkmalszuchtwerten auf den bayerischen Auktionen angeboten. Die Aufnahme des Hornloskürzels in diese Kandidatenliste ist in den nächsten Wochen geplant, um eine schnelle Selektion nach dieser Zuchtvariante vorzunehmen.


Zuchtprogramm forcieren


Trotz der erfreulichen Zunahme der hornlosen Besamungen und dem mittlerweile auch reichhaltigem Angebot müssen weitere Anstrengungen für die Zukunft unternommen werden. Für das absolute Spitzensegment in den Fleckviehtoplisten sollten mehr hornlose Stiere zur Verfügung stehen. Aktuell müssen bei hohen GZW’s z.T. Kompromisse im Exterieur hingenommen werden.

 

Außerdem ist das Angebot an reinerbigen Hornlosen noch zu gering. Die Verbreitung des gewünschten Gens geht aber mit PP-Bullen um ein Vielfaches schneller als mit der Pp-Variante. In Bayern wurde deshalb das Programm Bayern-Polled (BP) seit Jahresbeginn gestartet. Dabei werden den Zuchtorganisationen in regelmäßigem Abstand interessante Jungrinder und Kühe mit Hornstatus vom Landeskontrollverband gemeldet, um eine Auswahl als Stiermutter vorzunehmen. Die Selektionsgrenze wurde dabei ab 115 GZW festgelegt.

 

Bei Jungrindern und Jungkühen wird eine genomische Untersuchung empfohlen, um die Sicherheit der Zuchtwerte zu erhöhen. Ebenso sollte zur Absicherung des Hornstatus auch ein Gentest erfolgen. Durch die Einbeziehung von Superovulation und Embryotransfer lassen sich somit vielversprechende Stierkälber erzeugen, die dann auch wieder über die genomische Testung selektiert werden. Es ist auch wichtig, weiterhin einen Teil der hornlosen Stiermütter mit den Spitzenvererbern aus dem gehörnten Bereich zu belegen. Dadurch erfolgt eine breite Streuung des Hornlosgens auf unsere bewährten Fleckviehlinien.


Nichts überstürzen!


Bei aller Euphorie für die Zucht hornloser Fleckviehtiere: Der hohe züchterische Qualitätslevel der Rasse darf nicht durch einen undifferenzierten Einsatz von Hornlosgenetik gefährdet werden. Mit züchterischem Augenmaß wird sich das gewünschte Gen Zug um Zug in der Population verbreiten. Aber das geht nicht von heute auf morgen.

 

Diese Erkenntnis muss in den gesellschaftlichen und politischen Diskussionen immer wieder betont werden. Für die bayerische Fleckviehpopulation könnte nach einer Hochrechnung der Anteil der natürlich hornlosen Kühe im Jahr 2022 bei ca. 10 % liegen. Somit wird das fachgerechte und schonende Veröden der Hornanlage noch lange Zeit auf den Milchviehbetrieben im Arbeitsgeschehen einzuplanen sein.


Auf die richtige Kennzeichnung kommt es an


Bei der Vererbung des Hornlosgens handelt es sich um einen dominantrezessiven Erbgang, der von einem Genort auf Chromosom 1 gesteuert wird. An dem betreffenden Genort wird das Allel mit P (hornlos) oder p (horntragend) gekennzeichnet. Da immer von beiden Elterntieren jeweils ein Allel vererbt wird, werden auch für den Genotyp zwei Buchstaben angegeben. Nachfolgend sind die sechs verschiedenen Kennzeichnungsfälle aufgeführt:


  • PP = homozygot (reinerbig) hornlos
  • PP* = homozygot nach Ergebnis Gentest
  • Pp = heterozygot (mischerbig) hornlos
  • Pp*= heterozygot nach Ergebnis Gentest

  • P = genetisch hornlos, exakter Genotyp (Pp oder PP) ist noch nicht bekannt
  • PS = genetisch hornlos mit Wackelhornansatz (Kruste/n).



Die Kennzeichnung des Gentyps mit * bedeutet, dass ein Gentest (bei Gene-Controll in Grub verfügbar) den richtige Hornstatus sicher bestätigt hat. Die richtige Eintragung des Hornloskürzels in die Datenbank ist wichtig, damit es in den nächsten Generationen nicht zu unplausiblen Ergebnissen kommt.

 

Zusätzlich wird die Hornanlage auch von einem weiteren Genort beeinflusst, der zur Ausprägung von Wackelhörnern führen kann. Diese können sich auch erst nach einigen Lebenswochen am Tier entwickeln, so dass nachfolgend der schon vergebene Hornstatus korrigiert werden muss.

 

Die richtige Kennzeichnung ist dann PS, wobei nach unseren Erfahrungen nur bei mischerbigen Tieren Wackelhörner auftreten. Auch eine kleine Kruste an der Hornanlage ist als Wackelhorn zu deklarieren. Für diesen Genort gibt es noch keinen Gentest. (ad, aus der aktuellen top agrar 5/2013)

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