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Intensivierung der Agrarproduktion ist gesellschaftlich getrieben

Den Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Wohlstand und niedrigen Lebensmittelpreisen hat Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck herausgestellt. Nur wer nicht fast sein gesamtes Einkommen für Essen ausgebe, könne auch noch Geld für Bildung, Kultur, Gesundheit und auch den Konsum ausgeben.

Lesezeit: 2 Minuten

Den Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Wohlstand und niedrigen Lebensmittelpreisen hat Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck herausgestellt. Nur wer nicht fast sein gesamtes Einkommen für Essen ausgebe, könne auch noch Geld für Bildung, Kultur, Gesundheit und auch den Konsum ausgeben, erklärte Habeck vergangene Woche im Kieler Landtag. Anlass war eine Große Anfrage der SPD zur Ernährungswirtschaft in Schleswig-Holstein.


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Damit Nahrungsmittel preisgünstig seien, müssten die Produktionsmethoden immer effektiver werden, die Ackerschläge und Ställe größer, die Verfahren standardisiert und die Praktiken spezialisiert, erläuterte der Minister. Die Konsequenz sei ein Strukturwandel, der alle 23 Jahre die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe durch zwei teile. So habe sich die Zahl der Höfe in Schleswig-Holstein in den vergangenen 20 Jahren von etwa 30 000 auf jetzt 15 000 halbiert.


Von 1 Euro Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel erhalte der Landwirt heute nur noch 21 Cent, also 21 %, berichtete Habeck weiter. Anfang der siebziger Jahre habe dieser Anteil noch 47,5 % betragen. „Die Lebensmittel werden von Jahr zu Jahr buchstäblich weniger wert“, beklagte der Ressortchef. Die Verbraucher wollten aber nicht nur günstige und viele Nahrungsmittel, sondern auch solche, deren ethische Qualitäten hoch seien.


„Die Intensivierung der Produktion hat nichts mit bösen Bauern zu tun. Sie ist gesellschaftlich getrieben“, konstatierte der Grünen-Politiker. Die Intensivierung habe aber zu Problemen geführt, die nun die Gesellschaft umtreibe: Wie schützen wir Gewässer und Umwelt? Wie geht es den Tieren, die wir halten, um sie zu essen? Welche Effekte hat unsere Produktion auf Böden, Klima oder die biologische Vielfalt? Der entscheidende Punkt sei, dass diese Fragen nicht gegen die Landwirtschaft gerichtet seien, sondern sich hier offensichtlich ein neuer Markt auftue, so Habeck.


Während die rein quantitative Ausrichtung der Produktion das Überleben vieler Betriebe gefährde, eröffne sich hier langsam ein zweiter Markt, der gesellschaftliche Werte in Preisvorteile übersetzen könne. Die politische Aufgabe muss daher laut Minister sein, neue Absatzformen entwickeln zu helfen beziehungsweise die Prozesse zu unterschützen, die ein gesellschaftlich gewolltes Gut hervorbringen, das aber in der Entlohnung noch nicht seinen Niederschlag findet, etwa Tierschutz.

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