Erntebericht 2021

Klöckner bilanziert kein einziges „Normaljahr“ in ihrer Amtszeit

Der Erntebericht 2021 des Bundeslandwirtschaftsministeriums fällt ernüchternd aus. Agrarministerin Klöckner will den Betrieben mit der überarbeiteten Ackerbaustrategie bei der Klimaanpassung helfen.

Der Erntebericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zeigt für 2021 nur ein unterdurchschnittliches Gesamtergebnis. „Die Landwirte waren lange optimistisch, die Ernte ist aber ins Wasser gefallen", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Mittwoch bei der Erntebilanz des BMEL für 2021.

Unterdurchschnittliche Ernte 2021

Basierend auf den vorliegenden Ertragsfeststellungen stellt das BMEL für 2021 eine Getreideerntemenge von 42,1 Mio. t fest. Das sind 2,7 % weniger als im Vorjahr und 4,8 % weniger als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020. Die Erntemenge von Winterweizen liegt 3,5 % unter dem Vorjahresergebnis, obwohl die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 4,4 % zugenommen hat. Der Raps erreicht mit 3,5 Mio. t in etwa das Vorjahresniveau, allerdings liegen die Erträge pro Hektar mit 3,5 t um fast 4,5 % niedriger als der Vorjahreswert.

Landwirtschaftsministern Klöckner stellte die Landwirtschaft bei der Veröffentlichung der Zahlen als einen der Wirtschaftsbereiche heraus, der besonders unter Extremwetterereignissen und dem Klimawandel leidet. „Wir hatten in den letzten vier Jahren kein einziges Normaljahr“, sagte Klöckner. Sie verwies auf das Dürrejahr 2018, in dem die Bundesregierung Dürrehilfen gezahlt habe und die darauf folgenden zwei Jahre, die auch vor allem durch Trockenheit und Extremwetter gekennzeichnet gewesen seien. In diesem Jahr kam es im Juli zur Flutkatastrophe im Westen und zu heftigen Starkregenereignissen in weiteren Regionen.

Ackerbaustrategie mit "Praktiker-Tüv"

Um die Einkommen und die Ernten zu sichern, sei eine Klimaanpassung für die Betriebe notwendig, sagte Klöckner. Helfen soll dabei die nun überarbeitete Ackerbaustrategie 2035, die Klöckner parallel zur Erntebilanz vorstellte. „Die Ackerbaustrategie ist unser Instrumentenkasten für die Klimaanpassung in der Landwirtschaft“, sagte sie.

Klöckner hatte einen ersten Entwurf der Ackerbaustrategie bereits im Dezember 2019 vorgestellt und danach einen großen Beteiligungsprozess angestoßen. Dabei habe es von Verbänden und von mehr als 1.000 Praktikern rund 4.000 Anmerkungen gegeben, die gesichtet und eingearbeitet worden seien. „Wir haben jetzt eine Ackerbaustrategie mit Praktiker-Tüv“, sagte Klöckner.

Keine weitere regulatorische Vorgaben

Die sechs Leitlinien und zwölf Handlungsfelder aus der Ackerbaustrategie sollen nun auf bis zu 120 bereits ausgewählten Demonstrationsbetrieben angewendet und ausprobiert werden. Die Erfahrungen daraus sollen dann von anderen Betrieben in der Praxis weiter verwendet werden können. Dabei geht es zum Beispiel um den Aufbau von Humus, die Etablierung von 5-jährigen Fruchtfolgen, eine erhöhte Düngereffizienz mit reduzierten Nährstoffüberhängen und mehr integrierten Pflanzenschutz.

Klöckner schloss weitere regulatorische Vorgaben für die Landwirtschaft zur Klimaanpassung aus. „Ich bin für Fachlichkeit“, sagte Klöckner. Es läge nicht an den Landwirten, dass sie denen zur Klimaanpassung etwas vorschreiben müsse. Diese stünden selbst vor der Herausforderung im Umgang mit dem Klimawandel, so Klöckner. Als politisches Handlungsfeld hob Klöckner allerdings die Zulassung neuer Pflanzenzüchtungen mittels CrisPRCas heraus. Dort müsse auf EU-Ebene was passieren.

Der vollständige Erntebericht 2021 kann auf der Webseite des BMEL abgerufen werden.

Die überarbeitete Ackerbaustrategie gibt es ebenfalls beim BMEL.


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