Kommentar zu Straathof: "Das ist nicht unsere Landwirtschaft"

Nach Ansicht von Matthias Schulze Steinmann vom Wochenblatt Westfalen-Lippe müsste der Bauernverband gegenüber der Öffentlichkeit deutlich klarstellen, dass die Tierhaltung bei Straathof keinesfalls der Regel auf deutschen Familienbetrieben entspricht.

Nach Ansicht von Matthias Schulze Steinmann vom Wochenblatt Westfalen-Lippe müsste der Bauernverband gegenüber der Öffentlichkeit deutlich klarstellen, dass die Tierhaltung bei Straathof keinesfalls der Regel auf deutschen Familienbetrieben entspricht. Lesen Sie hier seinen viel beachteten Kommentar:

Während zwei Landwirtschaftsminister Farbe bekennen und die Umweltverbände den Finger in die Wunde legen, ist in der aktuellen Debatte um das Tierhaltungsverbot für den Schweinehalter Adrianus Straathof von einer Seite nichts zu hören: vom Deutschen Bauernverband (DBV).

Unter Berufskollegen ist man sich zwar einig, dass die schweren Vorwürfe allen Schweinehalter in Deutschland auf die Füße fallen werden. Einen Grund sich in der Debatte zu Wort zu melden, sich gar klar von den Vorgängen im Straathof-Konzern abzugrenzen, sieht man in der Zentrale des DBV aber derzeit nicht.
Dabei gäbe es aus Sicht der Landwirte drei zentrale Botschaften:

  • Adrianus Straathof ist gar kein Mitglied in einem Landesbauernverband und damit auch nicht Teil des Deutschen Bauernverbandes, wie es die Pressestelle des DBV auf Nachfrage dem Wochenblatt bestätigte.
  • Der sogenannte „Schweinebaron“ ist nicht nur einer der aggressivsten , sondern auch einer der umstrittensten Akteure am deutschen Schweinemarkt. Das System Straathof steht schon aufgrund seiner Größe für eine Landwirtschaft, die nichts mit den sonstigen Strukturen der Deutschen Schweinehaltung gemein hat. Nach Schätzungen hält der Niederländer allein in Deutschland rund 50  000 Sauen verteilt auf Standorte in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Strukturen wie diese trennen nicht nur Welten vom derzeitigen Durchschnittsbestand von rund 200 Sauen in Deutschland, so gut wie kein Berufskollege wünscht sie sich für die Zukunft.
  • Wenn es Belege dafür gibt, dass es in den Betrieben von Adrianus Straathof zu wiederholten schweren Verstößen gegen den Tierschutz gekommen ist, dann ist dies auch von Seiten der Bauern auf das Schärfste zu verurteilen. Es ist kein Geheimnis, dass Betriebe des Niederländers in den vergangenen Jahren in vielfacher Hinsicht negativ aufgefallen sind. Die Vorgänge füllen ganze Aktenordner bei den verschiedensten Behörden – angefangen bei Schwarzbauten bis hin zu krassen Verfehlungen beim Tierschutz. Geht es hier noch um tragische Fehler einzelner Mitarbeiter? Oder um ein System der angewinkelten Ellbogen, das jeden Respekt vor Tier und Umwelt verloren hat?
Die Landwirte und mit ihnen der Deutsche Bauernverband sind gut beraten, endlich im Umgang mit schwarzen Schafen Farbe zu bekennen. Tierhalter wie Straathof beeinflussen zunehmend das öffentliche Bild aller Berufskollegen, konterkarieren jede gute Öffentlichkeitsarbeit und liefern obendrein ein Alibi, um die Auflagenschraube für alle Betriebe weiter anzudrehen. 

Gerade weil der Deutsche Bauernverband sich in diesen Tagen häufig zu Recht vor maßloser Kritik an der Landwirtschaft und unzulässigen Verallgemeinerungen wehrt, sollte er sich klar von „Berufskollegen“ wie Adrianus Straathof abgrenzen. Gerade weil er von vielen Medien als wenig glaubwürdig wahrgenommen wird, sollte er tatsächliche Verfehlungen wie die im Landkreis Jerichower Land auch klar verurteilen
Schon fünf Worte könnten in der aktuellen Debatte einiges klarstellen: Das ist nicht unsere Landwirtschaft!

Lesen Sie einen weiteren Kommentar hier:
Veterinärbericht offenbart unzählige Tierschutzverstöße bei Straathof (17.12.2014)



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