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NABU-Chef: "Bauern stehen dem Naturschutz offener gegenüber"

Ein verändertes Umweltbewusstsein bescheinigt der Präsident vom NABU, Olaf Tschimpke, der Landwirtschaft. „Die Bauern sind offener geworden“, sagt Tschimpke. Ausdrücklich weist er den Vorwurf zurück, der NABU wolle einzelne Landwirte „oder gar einen ganzen Berufsstand“ an den Pranger stellen.

Lesezeit: 3 Minuten

Ein verändertes Umweltbewusstsein bescheinigt der Präsident vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke, der Landwirtschaft. „Die Bauern sind offener geworden“, sagt Tschimpke in einem Interview mit AGRA-EUROPE.


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Ausdrücklich weist er den Vorwurf zurück, der NABU wolle einzelne Landwirte „oder gar einen ganzen Berufsstand“ an den Pranger stellen. Die Intention sei vielmehr, Veränderung zu erzielen. Viele Landwirte seien bereit, darüber vernünftig zu diskutieren. An dieser Bereitschaft fehle es allerdings sehr häufig auf der Verbandsebene.


Pragmatisch äußerte sich der NABU-Präsident zum Spannungsfeld zwischen Ordnungsrecht und Anreizsystemen. Zwar gehe es nicht ohne „gewisse ordnungsrechtliche Standards“, um ein Mindestmaß an Natur- und Umweltverträglichkeit zu sichern. Für alles, was zusätzlich erreicht werden solle, seien freiwillige Maßnahmen „gut und richtig“. Freiwilligkeit sei die Voraussetzung, „dass ein Landwirt eine Naturschutzmaßnahme mit Überzeugung und Herzblut durchführt“.


Umweltverträglichkeit ist für Tschimpke nicht von der Betriebsgröße abhängig. Man könne auch in Großbetrieben „anständig wirtschaften“. Gleichzeitig seien bäuerliche Strukturen jedoch für die Lebensfähigkeit einer Region von erheblicher Bedeutung. Als sein Leitbild nennt der NABU-Präsident den Ökolandbau, „weil dort in Kreisläufen gewirtschaftet wird“. Die mit der letzten EU-Agrarreform angestrebte stärkere Ökologisierung hält er für gescheitet.


Stellvertreterdebatte


Kein realistisches Ziel ist für Tschimpke 100 % Ökolandbau in Deutschland. Wichtig sei es daher, in der konventionellen Landwirtschaft weiterzukommen. Das gelte für Stickstoffeinträge in viehdichten Regionen und den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln. Dabei gehe es um Zonen, in denen chemische Mittel nicht eingesetzt werden. Einen vollständigen Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz hält der NABU-Präsident für illusorisch.


Er räumt ein, dass die Glyphosatdebatte stellvertretend für die grundsätzliche Auseinandersetzung der Umweltverbände mit dem Pflanzenschutz in der Landwirtschaft steht. Für den Naturschutz sei ein großflächiger Einsatz von Mitteln wie Glyphosat nicht akzeptabel. Positiv bewertet Tschimpke den Einsatz moderner Landtechnik. Entscheidend sei, dass die Beeinträchtigung der Umwelt vermindert werde.


Gegen Mittelverteilung mit der Gießkanne


Enttäuscht ist der NABU-Präsident von der letzten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik: „Das Greening bringt für die Umwelt bei weitem nicht das, was wir uns davon versprochen haben.“ Die Effekte auf die Biodiversität seien minimal, auch weil der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln auf den ökologischen Vorrangflächen weiter zugelassen werde.


Einer künftigen Reform müsse die Einsicht zugrunde liegen, dass für eine Verteilung von Steuergeldern nach dem Gießkannenprinzip ohne konkrete Gegenleistungen beim Schutz von Gemeinwohlgütern kein gesellschaftlicher Konsens mehr zu erzielen sei. Ohne diese Grundvoraussetzung drohten sowohl der Natur- und Umweltschutz als auch die Landwirtschaft zum Verlierer der Debatte um die künftige Verwendung von Steuergeldern in der Europäischen Union zu werden.


Tschimpke bekennt sich zum Ziel, die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel für Landwirtschaft und ländliche Räume im Wesentlichen zu erhalten. Überlebt hat sich seiner Auffassung nach die Erste Säule. Stattdessen müsse das Prinzip gelten, öffentliches Geld für öffentliche Güter. Dafür seien sehr viel gezieltere Förderinstrumente zu entwickeln als bislang. Eine bessere Finanzausstattung und zielgenaue Maßnahmen sieht Tschimpke als eine wesentliche Voraussetzung, Konflikte mit dem Naturschutz abzubauen. Gleichzeitig hätte eine so angelegte finanzielle Unterstützung der Landwirtschaft nach seiner Einschätzung die Chance, eine breite Zustimmung in Politik und Gesellschaft zu bekommen.

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