„PROVIEH“ schlägt bis zu 14 Euro Ringelschwanzprämie vor

Am Thema Kupierverbot der Ferkelschwänze scheiden sich die Geister: Während die Landwirte befürchten, mit einem Verzicht auf das Kupieren massive Gesundheits- und Tierschutzprobleme herauszufordern, gilt der unversehrte Ringelschwanz bei Tierschützern als Symbol artgerechter Schweinehaltung.

Am Thema Kupierverbot der Ferkelschwänze scheiden sich die Geister: Während die Landwirte befürchten, mit einem Verzicht auf das Kupieren massive Gesundheits- und Tierschutzprobleme herauszufordern, gilt der unversehrte Ringelschwanz bei Tierschützern als Symbol artgerechter Schweinehaltung.
 
Für den "Verein gegen Massentierhaltung - PROVIEH“ ist daher klar, dass etwas passieren muss, um den Tierschutz in der Nutztierhaltung nachhaltig zu verbessern. Dafür brauche man eine Branchen- und keine Nischenlösung, sagte deren Geschäftsführer Stefan Johnigk vergangene Woche auf dem Baulehrschau-Sondertag auf Haus Düsse (Bad Sassendorf).
 
Wie das Wochenblatt Westfalen-Lippe berichtet, setzt seine Organisation auf eine so genannte Ringelschwanzprämie. Schließlich, so Johnigks Überzeugung, muss das Tierwohl-Engagement der Landwirte direkt und unabhängig vom eigentlichen Verkaufserlös entlohnt werden: „Die Zusatzleistungen der Landwirte, die in der Regel auch Zusatzkosten verursachen, müssen fair bezahlt werden!“, so seine klare Botschaft.

Handel und Verarbeiter sollen Fonds einrichten

„PROVIEH“ hat hierzu eine Prämie von etwa 13 bis 14 Euro pro intaktem Ringelschwanz errechnet, welcher am Schlachtband ankommt. Bei über 5 % nicht intakten Ringelschwänzen schlägt PROVIEH eine Beratung für die Tierhalter vor, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Damit sollen Spekulationsmodelle nach dem Motto „wenn auch nur 40 % der Schweine die Mast mit ganzem Schwanz überstehen, rechnet sich die Produktion“ verhindert werden.

Ziel müsse es sein, die Haltungsbedingungen so zu verändern, dass die Tiere auf das Schwanzbeißen verzichten. Das aber dürfte in den meisten Fällen Kosten verursachen, die mit der anvisierten Prämie nicht annähernd abgedeckt sind, gaben mehrere Experten laut dem Wochenblatt in der Diskussion zu bedenken.
 
Dennoch könnte die Ringelschwanzprämie, für die nach „PROVIEH“-Vorstellungen der Lebensmittelhandel und die Fleischverarbeiter zusammen einen Fonds einrichten sollten, ein Vorläufer bzw. Testballon des derzeit unter dem Stichwort Tierwohl-Initiative diskutierten Bonus-Systems werden.
 
Bei allen Anstrengungen der Branche hängt der Erfolgt solcher Systeme aber letztlich von der Bereitschaft des Verbrauchers ab, mehr Geld für die teuer erzeugten Produkte auszugeben. Diese sei nach bisherigen Erfahrungen vorhanden, es gebe aber eine Schmerzgrenze, erklärte Westfleisch-Einkaufsleiter Heribert Qualbrink mit Blick auf das „Aktion Tierwohl“-Produktsegment des Unternehmens. (ad)