Dürre, Klimawandel, Corona

Rukwied: Klimawandel muss Topthema bleiben

Bleiben nennenswerte Niederschläge weiter aus, droht 2020 das dritte Dürrejahr in Folge. Bauernpräsident Rukwied betont nun neben Corona auch die Klimapolitik.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, hat davor gewarnt, die klimapolitischen Ziele unter dem Druck der Corona-Krise zu vernachlässigen. "Die Klimaveränderungen bleiben ein Topthema", sagte er Ende vergangener Woche im Interview mit der "Rheinischen Post". „Es wäre schlichtweg unklug, den Klimaschutz hintanzustellen, auch wenn jetzt die Bewältigung der Corona-Pandemie im Fokus steht", so Rukwied weiter.

Die aktuelle Trockenheit in ganz Deutschland erfüllt Rukwied mit Sorge. Auch wenn die Wasservorräte im Boden noch gut gefüllt sind, hat das warme Wetter und der starke Wind der vergangenen Tage die Verdunstungsrate deutlich erhöht. "Ein drittes Dürrejahr in Folge würde viele unserer Betriebe noch härter treffen als die letzten. Die Rücklagen sind in vielen Fällen aufgebraucht, die Verunsicherung ist groß", sagte Rukwied unterdes der „Passauer Neuen Presse“.

Von Ende September bis Februar habe es zwar überdurchschnittlich starke Niederschläge gegeben, seit fünf Wochen aber so gut wie nicht mehr geregnet. „Unsere Böden, egal ob Acker oder Grünland, sind oberflächlich ausgetrocknet. Wir brauchen dringend einen warmen Landregen“, sagte Rukwied am Wochenende der Bildzeitung. In manchen Regionen liefen bereits die Bewässerungen.

Laut dem Klimaforscher Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig leidet der Gesamtboden (also der tiefe Boden bis ca. 1,8 Meter) ist in weiten Teilen Deutschlands noch immer unter Dürre. „Zurzeit sieht man in NRW, dass die Regionen mit sehr guten Böden sehr gut mit Wasser versorgt sind, während die Böden östlich des Rheins bereits so trocken sind, dass Pflanzenwasserstress auftreten kann“, sagte Marx der Bildzeitung. In Sachsen und Thüringen seien auch die tieferen Bodenschichten mangels ausreichender Winterniederschläge ungewöhnlich trocken geblieben, teils sogar trockener als im Frühling 2019.

Wintergetreide und Raps sowie Obst und Wein sind durch ihr tiefer reichendes Wurzelwerk meist noch gut bis sehr gut mit Wasser versorgt. Auch das meist im März gesäte Sommergetreide konnte bis jetzt meist ausreichend Wurzeln bilden, um noch Wasser zu erreichen. Kritischer sieht es bei den meist in den letzten drei Wochen gesäten Zuckerrüben aus. Ähnliches gilt für die derzeit laufende Maisaussaat.

„Falls sich bald wechselhafte Witterung einstellt, bleiben die Auswirkungen auf die Landwirtschaft relativ gering“, erläuterte Agrar-Meteorologe Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gegenüber der Bild. Hoffnung für die Kulturen könnte es geben, wenn spätestens ab Mai wieder normale Niederschläge kommen. „Falls wir ab Mai wieder normale Niederschläge bekommen würden, wären keine gravierenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft zu befürchten“, bestätigte auch der Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst zur Bild.

Allerdings müssen die Gärtner und Landwirte noch mindestens eine Woche durchhalten. Denn nach den aktuellen Vorhersagen ist wohl erst ab Samstag in einer Woche mit stärkeren Regenfällen zu rechnen. „Und diese Vorhersage ist noch sehr unsicher“, heißt es bei den Meteorologen weiter.


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