Schafzuchtverbände zum Wolf: "Endlich handeln – nicht nur reden"

Der Koalitionsbeschluss zum Wolfsmanagement zieht positive Reaktionen nach sich. Für die Landesschafzuchtverbände ist das überfällig. Sie sind skeptisch, was die Finanzmittel für Präventionsmaßnahmen und Schadensausgleichzahlungen angeht.

Schafhalter sind wegen dem Wolf von erheblicher Mehrarbeit betroffen. (Bildquelle: Brüggemann)

Der Koalitionsbeschluss zum Wolfsmanagement zieht positive Reaktionen nach sich. Für die Landesschafzuchtverbände ist das überfällig. Sie sind skeptisch, was die Finanzmittel für Präventionsmaßnahmen und Schadensausgleichzahlungen angeht.
 
Der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL), Jürgen Lückhoff, sagte: „Es ist natürlich zu begrüßen, dass sich der Bundestag endlich mit dem Problem Wolf und den Sorgen der Weidetierhalter, insbesondere der Schafhalter, befasst. Ursache dafür dürfte aber weniger die Koalitionsvereinbarung sein. Die VDL hatte sich intensiv für eine Aufnahme des Wolfs in die Vereinbarung eingesetzt. Mehr Druck dürfte wohl durch die dem Bundestag seit Februar vorliegenden Anträge der Oppositionsfraktionen entstanden sein.
 
Es wäre aber ehrlicher und deutlicher gewesen, wenn man statt der 60 Rudel, die die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf für das Monitoringjahr 2016/2017 nennt, die tatsächliche Zahl von ca. 1.000 Tieren in Deutschland genannt hätte. Beschämend ist es, dass die Bundesregierung erst eine Aufforderung des Deutschen Bundestages braucht, um eine Änderung der Tierschutz-Hundeverordnung vorzunehmen. Diese Forderung wurde durch uns seit langem und wiederholt gegenüber der Bundesregierung vorgetragen.

Nicht ausreichend ist die Aufforderung an die EU-Kommission, den Schutzstatus des Wolfes in Abhängigkeit von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen. Hier ist ein gemeinsames Vorgehen mit anderen Mitgliedstaaten notwendig, die ebenfalls unter der stark erhöhten Wolfspopulation leiden. Es geht nicht darum, den Wolf auszurotten, aber wir brauchen Obergrenzen, wenn wir ernsthaft die Sicherheit unserer Weidetiere verbessern wollen. Eine 100-prozentige Sicherheit ist sowieso eine Illusion. Viele der empfohlenen Schutzmaßnahmen sind regional überhaupt nicht anwendbar.
 
Trotz der wohlwollenden Erklärung, zu prüfen, inwieweit weitere Finanzmittel für Präventionsmaßnahmen und Schadensausgleichzahlungen bereitgestellt werden können, fehlt eine klare Aussage zu den zusätzlich anfallenden Arbeitskosten. Gerade die Schafhalter sind durch Mehrarbeit bei verstärkten Zäunen, dem Einsatz und der Betreuung von Herdenschutzhunden oder häufigeren Kontrollen von erheblicher Mehrarbeit betroffen.

Gar nicht erwähnt wird das Versicherungsproblem. Es sind Probleme zu erwarten, wenn wiederholt Tiere durch vom Wolf verursachte Übergriffe ausbrechen. Ist die Schafhaltung in der Nähe von IC-Trassen oder Autobahnen künftig nicht mehr möglich? Grundlage für eine Beurteilung sollte immer der ohne die Rückkehr des Wolfes übliche Schutz sein, wie er bisher von allen verantwortungsbewussten Tierhaltern gepflegt wurde.

Positiv bleibt die Aussage im Koalitionsvertrag festzustellen, dass Wölfe, die Weidzäune überwunden haben oder für Menschen gefährlich werden, entnommen werden. Es muss endlich gehandelt werden. Die Umweltministerkonferenz fasst seit Jahren Schiebe- und Wiedervorlagebeschlüsse, die Regierungskoalition hat bereits fast ein Viertel der Legislaturperiode hinter sich.“
 

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

Schreiben Sie Stefanie Awater-Esper eine Nachricht

Die Redaktion empfiehlt

Premium

Es tut sich was zur Unterstützung von Weidetierhaltern gegen den Wolf. Der Bundestag fordert die Bundesregierung auf, den Weidetierhaltern die Präventionskosten und die durch Wolfsübergriffe ...

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will mit ihren Länderkollegen beim Thema Wolf enger zusammenarbeiten. Gemeinsam soll ein Kriterien- und Maßnahmenkatalog zur Entnahme von Wölfen ...

Management & Politik / News

Mehr als 1.000 Wölfe in Deutschland für Ende 2018 erwartet

vor von

Bundesweit könnten nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) Ende dieses Jahres bereits mehr als 1.000 Wölfe unterwegs sein. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) legt allerdings erst im Herbst ...

ASP-Impfstoff für Wildschweine?

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Gerhard Steffek

Es muss gehandelt werden!

Stimmt! Aber was will man erwarten von einer Bundesregierung die mehr oder weniger nur noch ein angesammelter Haufen an Inkompetenz ist. Wilhelm Grimm, es braucht keine Diktatur sondern nur eine Regierung die entsprechend "Arsch in der Hose" hat. Die entsprechend, ohne einer ideologisch verbrämten Sichtweise, fachlich und sachlich begründete Entscheidungen trifft. Auch wenn es nicht jedem passt. Allen Menschen recht getan ist eine Kunst die niemand kann, pflegte mein Vater immer zu sagen. Er hat auch Recht damit. Denn bei diesem Versuch wird man nur selber zum Niemand. Man braucht Ecken und Kanten an denen sich Andere stoßen können/müssen, sonst wird man nicht wahrgenommen. Lieber ein eckiges Etwas, als ein rundes Nichts trifft hier voll ins Schwarze. Eine Regierung die sich überall nur durchlavieren will indem sie nichts tut ist auf die Dauer der Entwicklung eines Landes nicht zuträglich. Der Fisch der mit dem Strom schwimmt ist tot. Die Welt aber dreht sich weiter.

von Martin Schmidt

Alle wissen es…

Nur ein toter Wolf, ist ein guter Wolf. Eine friedliche Koexistenz von Schafen und Wolfen wird es niemals geben. Das Problem der Schafhaltung ist es, vom Naturschutz abhängig zu sein. Nur muss ich den Naturschutz auch darüber im Klaren sein, dass vieles ohne Schafhaltung nicht funktioniert. Wenn die Landbevölkerung zusammen hält, lässt sich vieles lösen. Auch das Problem der Wölfe.

von Wilhelm Grimm

7 Jahre läppische Wolfskommödie sind eine Tragödie

und beweisen: Wir brauchen eine Diktatur.

von Erwin Schmidbauer

Gebt euch keinen Träumereien hin

Früher oder später werden die ganzen Fördermaßnahmen zum Zaunbau etc. eingestellt. Denn wenn der Wolf in Jahrzehnten etabliert ist, dann heisst es, man müsse mit diesen natürlichen Umständen zurecht kommen!

von Gerd Uken

Ist gar nicht machbar

Die Deiche müssen geschützt werden und das übernehmen die Schafe in dem sie die Grasnarbe kurz halten und zusätzlich fest treten. Nun kommen die da her und wollen Zäunen die erste Sturmflut nimmt den Zaun und wirft den „ Teek“ an den Deich. Der erste Wolf war ja schon in meiner Nähe und hat über Tag eins gerissen- und zwar dort wo keiner es gedacht hätte.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen