Streit in Cloppenburg: Erstmals Antibiotika im Grundwasser

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat bei Grundwasser-Untersuchungen im Landkreis Cloppenburg erstmals Antibiotika gefunden. Im Labor nachgewiesen wurde Sulfadimidin, das laut dem Verband ausschließlich als Tierarzneimittel verwendet wird. Dem widerspricht der Bauernverband deutlich.

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat bei Grundwasser-Untersuchungen im Landkreis Cloppenburg erstmals Antibiotika gefunden. Im Labor nachgewiesen wurde Sulfadimidin, das laut dem Verband ausschließlich als Tierarzneimittel verwendet wird. Das Medikament wurde in Thülsfelde in drei oberflächennahen Mess-Stellen mit einer Tiefe von zehn Metern entdeckt.

OOWV-Bereichsleiter Egon Harms reagierte gegenüber der Kreiszeitung besorgt auf die aktuelle Entwicklung: „Neben Nitrat und Pflanzenschutzmitteln scheinen sich nun auch Tierarzneimittel als reale Bedrohung für unser Grundwasser zu erweisen. Nach dieser Stichprobe werden wir die Untersuchungen umgehend ausweiten.“ Er warnt aber vor einseitigen Schuldzuweisungen an Landwirte. „Wir brauchen eine sachliche Diskussion über den maßvollen Einsatz von Gülle, Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten. Eine Lösung kann nur gemeinsam mit den Landwirten, der Pharmaindustrie und den Veterinären gefunden werden.“

Gestärkt in seinen Bestrebungen für schärfere Auflagen sieht sich unterdessen Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel: „Die Funde des OOWV belegen leider, was bereits eine Studie des Umweltbundesamtes Ende 2013 angedeutet hat: Bei ungünstigen Standortverhältnissen und häufigem Wirtschaftdüngereinsatz kann es zum Eintrag von Tierarzneimitteln ins Grundwasser kommen. Diese Stoffe gehören definitiv nicht ins Grundwasser, auch nicht Spuren davon“, so der Grünen-Politiker nach Angaben der Kreiszeitung.

Der Antibiotikaeinsatz in der Tiermast sei insgesamt zu hoch, insbesondere sei ein Einsatz als Masthilfe nicht zulässig. Das Land bemühe sich daher, die eingesetzten Mengen deutlich zu reduzieren. Parallel hierzu werde man eigene Untersuchungen anstellen.

Landvolk: Medikament auch in der Humanmedizin im Einsatz!

Mit Verwunderung reagiert der Kreislandvolkverband Cloppenburg auf die Vorwürfe. Entgegen den Behauptungen des OOWV werde das genannte Medikament Sulfadimidin auch in der Humanmedizin eingesetzt. Dem widerspricht Dr. Manfred Stein von Animal Health Online. "In Deutschland befindet sich kein Humanarzneimittel mit Sulfadimidin am Markt", sagte er gegenüber top agrar online.
 
Nach Ansicht des Bauernverbandes sind die Feststellungen des Wasserverbandes ohnehin unfachlich und unzureichend. So mache der OOWV keine Angaben zur Menge des gefundenen Medikaments und zum Umfang der erfolgten Laboruntersuchungen. Der Verband verhalte sich unwissenschaftlich, heißt es in einer Mitteilung des Landvolkes.
 
Zudem basierten die Vorwürfe des Ministers in Richtung Landwirtschaft auf einem fragwürdigen Gutachten des Umweltbundesamtes. „Dem Minister sollte bekannt sein, dass das Gutachten sehr fehlerhaft ist. Das hat das Bundesumweltamt nach intensiven Gesprächen auch eingeräumt“, schimpft Hubertus Berges, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg. Derzeit werde ein Folgegutachten gemeinsam von Landwirtschaft und Bundesumweltamt erstellt. Das müsse Wenzel abwarten, bevor er pauschale und ungerechtfertigte Kritik an der Landwirtschaft übe.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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