Trotz Elektrozaun: Wolf im Kreis Lippe reißt Ziegen

In Nordrhein-Westfalen gibt es den vierten Nachweis eines Wolfes seit 2009. Das Umweltministerium sowie Agrarminister Johannes Remmel zeigten sich hocherfreut, dass am Wochenende ein Wolf im Kreis Lippe von einer Wildkamera erfasst wurde. Für die örtlichen Tierhalter ist diese Freude dagegen der blanke Hohn.

In Nordrhein-Westfalen gibt es den vierten Nachweis eines Wolfes seit 2009. Das nordrhein-westfälische Umweltministerium sowie Agrarminister Johannes Remmel (Grüne) zeigten sich am Dienstag hocherfreut, dass am Wochenende ein Wolf im Kreis Lippe von einer Wildkamera erfasst wurde.

Für die örtlichen Tierhalter ist diese Freude dagegen der blanke Hohn. Denn genau dieser Wolf hat bei einer Familie in Barntrup einige Ziegen gerissen. Gegenüber den Westfälischen Nachrichten zeigte sich die Mutter der Familie erschrocken, so nah vor der Haustür einen Wolf zu haben. Sie hatten extra einen hohen Elektrozaun um die Weide errichtet, doch der nützte wenig. Der NABU vertritt übrigens weiter die Meinung, dass Elektrozäune reichen, aber halt keinen 100 %igen Schutz bieten. Immerhin werden dem betroffenen Landwirt jetzt die vom Wolf gerissenen Ziegen entschädigt.

Doch wie geht es weiter?, fragt sich unterdessen Gerd Demke, Vorstand der Schafzüchtervereinigung Nordrhein-Westfalen. Er sorgt sich um die mehr als 136.000 Schafe im Land. Dass Angriffe von Wölfe auf Nutztiere zunehmen werden, steht für ihn außer Frage.

Demke fordert mehr Unterstützung von der Landesregierung. Denn für Landwirte kosteten Wolfsriss-Fälle und Präventivmaßnahmen viel Zeit, Aufwand und Geld. Nach Angaben des Umweltministeriums hielten sich diese Fälle bisher aber in Grenzen: Bei drei von vier Wolfsnachweisen seit 2009 seien Nutztiere gerissen worden. „Ich fürchte, dass die Dunkelziffer viel größer ist“, sagt Demke.

Er wünscht sich einen Wolfsmanagementplan, wie ihn die Landesregierung schon seit einiger Zeit verspricht. Darin festzuhaltende Regelungen etwa zu Entschädigungen für Wolfs-Risse sind teils schon in Kraft. Das wünschten sich auch Naturschützer.

Vorbereiten auf den Wolf in NRW

Mit seiner Rückkehr beschäftigt sich das Land schon seit 2010. In einem beim Landesamt für Naturschutz eingerichteten Arbeitskreis „Wolf in NRW“ erarbeiten Wissenschaftler und Naturschützer, Jäger, Schafhalter und Forstleute und Behörden ein Konzept für den Fall der eigenständigen Rückkehr des Wolfes und tauschen unterschiedliche Interessen aus, teilte unterdessen das Umweltministerium von NRW mit. Ein Aussetzen von Wölfen sei nicht vorgesehen.

Das Land habe bereits auf Anregung des Arbeitskreises ein Verfahren für die Entschädigung von Nutztierrissen entwickelt und Wolfsberater ausgebildet. Zwei vom Land finanzierte „Herdenschutzsets“ mit Elektronetzen für die schnelle Sicherung von Schafherden bei einem möglichen Wolfsbesuch sei aus dem Arbeitskreis ebenfalls auf den Weg gebracht worden.
 
 „In Deutschland genießt der Wolf den höchst möglichen Schutzstatus nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Die Jagd auf Wölfe ist daher verboten“, sagte Dr. Matthias Kaiser, Leiter der Arbeitsgruppe „Wolf in NRW“ im Landesumweltamt (LANUV NRW). Aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte könne festgestellt werden, dass Angriffe von gesunden freilebenden Wölfen auf Menschen in Europa extrem selten sind. Wölfe seien extrem scheu und würden üblicherweise den Menschen meiden.
 
Falls es doch dazu kommen sollte, werden folgende Verhaltensregeln empfohlen:

  • Nicht versuchen, Wölfe anzufassen oder zu füttern.
  • Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben .
  • Langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern will.
  • Man kann einen Wolf vertreiben, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt.
  • Bei eventuellen Sichtungen eines Wolfes, diese direkt an die zuständigen Behörden oder den zuständigen regionalen Wolfsberatern melden.
Lesen Sie auch:
Holm: „Wölfe rotten Weidetiere aus“ (29.3.2016)


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