Umweltminister wollen beim Wolf Deutungshoheit behalten

Der Wolf hat diese Woche erneut ein Politschauspiel ausgelöst. Eigentlich wollte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am heutigen Mittwoch aktuelle Bestandzahlen und ein Handlungskonzept veröffentlichen. Doch die Umweltminister pfiffen die Behörde zurück.

Die aktuellen Bestandszahlen zum Wolf bleiben erst einmal unter Verschluss. (Bildquelle: WWF)

Der Wolf hat diese Woche erneut ein Politschauspiel ausgelöst. Eigentlich wollte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am heutigen Mittwoch aktuelle Bestandzahlen und ein Handlungskonzept veröffentlichen. Doch die Umweltminister pfiffen die Behörde zurück.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hatten für den heutigen Mittwoch mit viel Vorlauf zu einem Pressegespräch geladen, in dem sie erstmals die aktuellen Bestandszahlen und Verbreitungsangaben für 2016/2017 veröffentlichen wollten. Außerdem kündigten die Naturschutzbehörde und die Wolfsberatungsstelle, die beide dem Bundesumweltministerium (BMUB) unterstehen, ein neu erarbeitetes Handlungskonzept mit umfangreichen Empfehlungen zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen an. Keine 24 Stunden vorher platzte der Termin. Wann die Zahlen nun an die Öffentlichkeit kommen, weiß selbst das BfN derzeit noch nicht.

Umweltminister wollen Daten zuerst sehen

Grund ist ein Rüffel der Umweltminister der Länder. Diese treffen sich in der kommenden Woche zur Umweltministerkonferenz in Potsdam in Brandenburg. Der Wolf ist eines der zentralen Themen der Zusammenkunft. Die Minister wollen sich dort über die Ergebnisse einer Länder Arbeitsgruppe zum Erhaltungszustand des Wolfes und zum Umgang mit Problemwölfen informieren lassen und die nächsten Schritte beraten. Da passte eine vorherige Veröffentlichung der Daten den Ministern wohl nicht. So zumindest äußert es der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD). In einer wütenden Pressemeldung kritisierte er am Dienstagabend die Veröffentlichungsabsicht des BfN. „In einer Woche werden sich die Minister und Senatoren der Länder und das Bundesumweltministerium (BMUB) auf der Umweltministerkonferenz treffen, um genau über diese Themen zu diskutieren. Deshalb verwundern mich Zeitpunkt und Vorgehen des BfN doch sehr“, schrieb Backhaus und reklamierte „umfassenden Beratungsbedarf“. Die Veröffentlichung des BfN vor der Umweltministerkonferenz halte er „für nicht förderlich“, so Backhaus. Daraufhin ließ die Naturschutzbehörde den Termin fallen.

Naturschutzbehörde verteidigt sich

Das BfN verteidigt trotz Absage seinen ursprünglichen Plan: „Mit der Verschiebung der für heute, den 08.11.2017, angesetzten Pressekonferenz sind wir dem Wunsch der Länder entgegen gekommen, zuerst über die aktuellen Wolfsvorkommen informiert zu werden und über notwendige Managementmaßnahmen zu beraten“, begründet das BfN am Mittag seine Entscheidung schriftlich. Backhaus Vorwurf, das BfN wolle unabgestimmt Informationen zum Wolf heraus geben, weist das BfN zurück. Die Daten aus dem Wolfsmonitoring seien Sachinformationen und das in Aussicht gestellte Konzept zum Umgang mit auffälligen Wölfen sei bereits vorab den Ländern präsentiert und mit ihnen erörtert worden, so das BfN weiter.

WWF kritisiert politische Taktiererei

Die Umweltschutzorganisation WWF kritisierte postwendet das politische Taktieren über Informationen zum Wolfsvorkommen und sprach von einer Scheindebatte. „Wir benötigen ein verlässliches Monitoring der Wolfspopulation. Die Bevölkerung und Nutzergruppen wie etwa Schäfer haben Anspruch auf sachliche Informationen“, sagte Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz in Deutschland beim WWF. Statt föderaler Machtspiele sei ein nationales Zentrum für Herdenschutz überfällig, um funktionierende Prävention und Kompensation bei Wolfsübergriffen auf Weidetiere flächendeckend zu gewährleisten, so Pretzell weiter. Der WWF ist dagegen, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. „Durch den Wolf im Jagdrecht wird keine einzige Schafsherde besser geschützt“, begründete Pretzell. Aus ihrer Sicht weise der Wolf in Deutschland „noch immer eine insgesamt ungünstige Erhaltungssituation“ auf.

Fortsetzung auf der Umweltministerkonferenz folgt

Zur Umweltkonferenz in der kommenden Woche forderte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus seine Partei- und Amtskollegin im Bund Barbara Hendricks zu einem Handlungskonzept auf. „Ich erwarte, dass das Bundesumweltministerium auf der Umweltministerkonferenz in Potsdam nun endlich klare rechtliche Hinweise zum Umgang mit auffälligen Wölfen vorstellt, die eine praktische und vor allem rechtssichere Umsetzung ermöglichen“, schrieb Backhaus in einem Brief an die Ministerin. Klar ist bereits jetzt, dass eine Fortsetzung der hitzigen Debatte über den Wolf kommende Woche folgen wird.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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