Bundestag diskutiert

Union und FDP fordern Freigabe von Gentechnik bei der Pflanzenzucht

CDU/CSU und FDP wollen am Donnerstag im Bundestag für eine Freigabe der Anwendung neuer gentechnischer Verfahren werben, wie sie die Welt schon nutzt. Klimawandel und Hungerbekämpfung hätten Vorrang.

Die CDU/CSU-Fraktion fordert eine gezielte Nutzung und die Weiterentwicklung neuer Züchtungsmethoden in der Landwirtschaft sowie eine Reform des EU-Gentechnikrechts. In dem Antrag, der am Donnerstag in erster Lesung beraten werden soll, wird auf die Notwendigkeit verwiesen, die „landwirtschaftliche Produktion zukunftsfähig zu gestalten“.

Deutschland hat Verantwortung

Die Bundesrepublik Deutschland sei ein landwirtschaftlich „hoch produktiver Standort“ und stehe damit in der Verantwortung, nicht nur die eigene Ernährung sicherzustellen, „sondern auch einen Beitrag zu leisten, Hunger in anderen Teilen der Welt zu bekämpfen“.

Wissenschaftlicher Fortschritt und technologische Innovation gäben Landwirten weltweit dazu eine Fülle an Werkzeugen in die Hand, die zum effizienten und ressourcenschonenden Ackerbau bei gleichzeitiger Ertragssicherung beitragen würden.

Während moderne digitalisierte Landmaschinen mittels Sensoranalyse beispielsweise die zielgenaue Dünge- und Pflanzenschutzmittelausbringung sicherstellten, ermöglichten Errungenschaften im Bereich der Pflanzenzucht, Nutzpflanzen resilienter gegen Klima- und Umwelteinflüsse und resistenter gegen Erreger und Schadinsekten werden zu lassen. „Mit der Entdeckung von Crisper/Cas und anderen ,Neuen Genomischen Techniken' (NGT) wurde auch die Pflanzenzucht weltweit revolutioniert“, heißt es in dem Antrag.

Präzise ins Erbgut eingreifen

Im Vergleich zur klassischen Gentechnik könne mit NGT präzise und zielgerichtet in das Erbgut einer Pflanze eingegriffen und ausschließlich gewünschte Veränderungen vorgenommen werden, argumentieren die Abgeordneten. Anders als bei der Mutagenese-Züchtung würden mit NGT gezielt und an genau bestimmten Stellen Punkt-Mutationen hervorgerufen. NGT verringere dabei den Korrekturbedarf, der sich aus Zufälligkeiten in der herkömmlichen Züchtung ergeben könne, was Zeit und Kosten spare und die Sicherheit des Züchtungsprozesses verbessere.

Während der züchterische Fortschritt der konventionellen Pflanzenzüchtung in einem etwa zehn Jahre und länger dauernden Verfahren erzielt werden könne, lasse sich dasselbe Resultat mit NGT in einem deutlich kürzeren Zeitraum erreichen.

Forschung

Viele Länder forschen und züchten intensiv an GVO-Sorten. Nur die EU klammert sich aus und verliert den Anschluss. (Bildquelle: pixabay.de / Chokniti Khongchum)

Ideal in Zeiten des Klimawandels

Bei Auswirkungen des Klimawandels lasse sich entsprechend deutlich kurzfristiger eine angepasste Pflanzensorte züchten. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und weitere deutsche Forschungseinrichtungen sprächen sich ausdrücklich für Regulierungs- und Zulassungsverfahren in der Europäischen Union aus, die an die jeweilige Veränderung im Produkt angepasst seien.

Die Wissenschaftler würden insbesondere darauf verweisen, dass Pflanzen, die mittels NGT gezüchtet worden seien, sich von konventionell gezüchteten Pflanzen auch im Labor äußerst schwer unterscheiden ließen.

Unterstützung von der FDP

Das sieht auch der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Gero Hocker, so. "Neue Züchtungsmethoden sind eine bahnbrechende Innovation in der Menschheitsgeschichte. Sie bringen hitzeresilientes Getreide hervor, das weniger Wasser zum Wachsen benötigt und auch dort gedeiht, wo sich Klimawandel und zunehmende Trockenheit besonders auswirken."

Feldfrüchte könnten ungenießbar werden für Schädlinge, was den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert und dem Umweltschutz dient. Die dadurch entstehenden Chancen nutze bereits die ganze Welt, während Europa und vor allem Deutschland schon bei der Forschung abgehängt sind.

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