Umbau der Nutztierhaltung

Verbraucherverband lässt Tierwohlnetzwerk im Regen stehen

Der Borchert-Kommission gelingt eine breite Unterstützung für den Umbau der Nutztierhaltung und dessen Finanzierung. Ausgerechnet der Verbraucherverband schert aus.

Das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ unter Vorsitz des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert war angetreten, um einen großen nationalen Tierwohlkonsens vorzubereiten. Seine Empfehlungen, die einen festen Zeitstrahl für den Umbau der Nutztierhaltung bis 2040 und eine konkret durchkalkulierte Finanzierung enthalten, hatte es von Beginn an mit allen Beteiligten in der Wertschöpfungskette verhandelt. Nachdem zwischendurch der Tierschutzbund abgesprungen war, scherte nun ganz zum Schluss, als das Gremium seine Empfehlungen am Freitag verabschiedete, auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) aus. „Der vzbv beendet seine Mitarbeit in der Borchert-Kommission, weil er eine Umschichtung von Subventionen statt einer Erhöhung von Verbrauchssteuern fordert“, heißt es dazu heute beim vzbv.

Verbraucherverband will keine neue Abgabe mittragen

Gerade bei der Frage der Finanzierung machte der vzbv nun einen Rückzieher. Alle anderen Mitglieder des Kompetenznetzwerkes hatten sich auf eine mengenbezogenen Abgabe auf tierische Produkte als „bestgeeignetste Lösung“ zur Finanzierung geeinigt. Sie könne zweckgebunden Steuereinnahmen von ca. 3,6 Mrd. € pro Jahr einbringen und damit genau den prognostizierten Finanzierungsbedarf decken. "Eine neue Steuer auf tierische Produkte ist aber nicht der richtige Weg", sagte vzbv-Vorstand Klaus Müller. Er schlug statt dessen vor „die bestehenden Milliardensubventionen für die Landwirtschaft“ umzulenken. „Die Politik muss Landwirte durch eine Tierwohlkennzeichnung in die Lage versetzen, dass sie die Mehrkosten für mehr Qualität und mehr Tierwohl durch den Verkauf ihrer Produkte einspielen“, sagte Müller.

Borchert hält zusätzliche Finanzierung für unumgänglich

Der Netzwerkvorsitzende Borchert bedauerte das Ausscheren des vzbv am Dienstag ausdrücklich. Er könne die Begründung nicht nachvollziehen, sagte er. Allen Mitgliedern im Kompetenznetzwerk sei eigentlich klar gewesen, dass höhere Tierwohlstandards ohne eine zusätzliche Finanzierung in Deutschland nicht erreicht werden könnten. Die Vorschläge des vzbv, dies aus dem bisherigen Fördervolumen des Agrarministeriums oder von den EU-Agrarzahlungen zu nehmen, gingen zu Lasten der Unterstützung der Landwirtschaft bei der Ackerbaustrategie, so Borchert weiter.

Breiter Konsens von DBV bis BUND

Zum „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ unter Vorsitz des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert gehören 28 Entscheidungsträger und Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft sowie Verbänden. Dazu gehören unter anderem der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Verband der Fleischwirtschaft, der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), der Präsident des Thünen-Instituts , Prof. Folkhard Isermeyer, der Vorsitzende vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums, Prof. Harald Grethe sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie alle hatten sich auf die Empfehlungen für den Umbau der Nutztierhaltung samt der Finanzierungsstrategie am vergangenen Freitag geeinigt.

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Will also Subventionen (Einkommensausgleich)für Landwirte umschichten ins Tierwohl...Diese Methode ähnelt der, von der linken in die rechte Tasche wirtschaften, und dabei gut aufpassen, das in der Mitte niemand steht und was abzweigt...Es ist schon sehr interessant zu sehen, was "dem ... mehr anzeigen

von Julia-Sophie von Richthofen

Es gibt zwei Wahrheiten:

"1. Die Erde ist eine Scheibe 2. Für mehr Tierwohl ist der Verbraucher gerne bereit, mehr zu bezahlen ..."

von Gerd Uken

Wo kann man die ganze Liste derer

Sehen die da mitgewirkt haben??

Anmerkung der Redaktion

Sehr geehrter Herr Uken, vielen Dank für Ihre Anfrage. Auf Nachfrage beim BMEL hieß es gegenüber top agrar online am 10.2.2020, dass die teilnehmenden Organisationen, Verbände, Fachinstitutionen etc. zu den Treffen immer andere Fachleute geschickt hätten, so dass es nicht die eine Teilnehmerliste gebe. Zudem dürfte das BMEL die Teilnehmerangaben aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht rausgeben. Man könne aber bei den geladenen Teilnehmern direkt anfragen, wen sie zur Borchert-Kommission geschickt hätten. Laut der Geschäftsordnung des Netzwerkes ist die Zusammensetzung wie folgt: § 2 Zusammensetzung Das Kompetenznetzwerk setzt sich zusammen aus, o 6 Vertretern der Länder, o 6 Vertreter der Wissenschaft, o 4 Vertreter der Tierhalter, o 8 Vertreter der Wirtschaftsverbände o 4 Vertreter der Verbände des Verbraucher-, Tier- und Umweltschutzes und des Veterinärwesens, Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung entsendet VertreterInnen zu den Sitzungen des Kompetenznetzwerkes. Sie haben das Recht, sich zu den Tagesordnungspunkten zu äußern. Die konkreten, teilnehmenden Verbände finden Sie nachfolgend. Die Organisationen und Verbände wurden in den Sitzungen des Gremiums teils von verschiedenen, in der Regel hochrangigen Personen vertreten. • Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg • Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Landwirtschaft und ländliche Räume • Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein • Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz • Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen • Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten • Thünen Institut • Friedrich-Loeffler-Institut • Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit • Universität Kassel • Humboldt-Universität zu Berlin • Tierärztliche Hochschule Hannover • Georg-August-Universität Göttingen • Praktiker • Betriebsleiter • Deutscher Bauernverband • Deutscher Raiffeisenverband • Bundesverband Rind und Schwein • Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft - AbL • Bundesverband des Deutschen Lebensmittehandels • Verband der Fleischwirtschaft • Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. • Bund deutscher Landjugend • Verbraucherzentrale Bundesverband • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) • Bundestierärztekammer e.V. • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung • Bundesinformationszentrum Landwirtschaft • Bundesprogramm Nutztierhaltung • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

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